Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 377 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829903-2829908-2831218--44629-2831327- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Besprechungen 377 Im Nachstehenden soll die Bedeutung der Arbeit für die jüdische Wissenschaft nur nach einer Richtung hin erläutert sein. Unter Ausschaltung jeder theologischen Tendenz soll der Inhalt nur insoweit besprochen werden, als er archäologisch aufklärend wirkt. Und da ist denn Vieles Neues zu ersehen und Altes, in der Wissenschaft weitervererbtes, zu korrigieren. Denn D.’s Forschungen sind nicht zu verwechseln mit Aufnahmen und Arbeiten von Ar« chäologen, die in vielfach üblicher Weise als Reisende das Land besuchen und hier und dort gelegentliche Studien 1 anstellen, deren Zeitdauer meist beschränkt ist. Hier finden wir Forschungsergebnisse eines Wanderers mit unbeschränkter Zeit, der hier sein Lebenswerk findet und nach 13 jähriger Tätigkeit durch den Krieg genötigt ist, dieses Studium jäh zu unterbrechen. So sind demnach naturgemäß die Forschungen in dem verhältnismäßig kleinen Lande und in der langen, ausschließlich dessen wissenschaftlicher Erschließung gewidmeten Zeit als wertvolle Bereicherung unserer Kenntnis des heiligen Landes anzusehen. — Folgen wir D. auf seinen Wanderungen, so erfahren wir zunächst, daß in Nazareth die seit 1741 den unierten Griechen dienende Kirche, ״Schule des Messias“ bezeichnet, die Stelle ist, an der vormals eine Synagoge stand. Aus Z i p p 0 r i berichtet D., daß es ehedem 18 Synagogen besaß. Aus Kufr lcenna (Kana des Evangl.?) wird berichtet, daß die rabbinische Literatur diese Ortschaft nicht kenne, obzwar man in einem tiefer liegenden Fußboden der dortigen Kirche nachstehende aramäische Inschrift fand (S. 108): דיבר לטב ביומה בר תנחום בר בוטה ובנד דעבדו הדה טבל התוד להון ברכתא אמן Von hier führt eine Treppe nach einem tiefer belegenen Raum, der als Zisterne dient. D. macht m. E. mit Recht geltend, hier sei eher an eine Synagoge mit rituellem Bade zu denken als an eine Kirche, deren Bau man auf Joseph von Tiberias zurückführt. (Synagogen in Verbindung mit Tauchbädern sind noch im 18. Jahrhundert in Bayern und Böhmen von polnischen Rückwanderern errichtet worden.) Zu den interessantesten Orten gehört Kapernaum (Teilhum), von dem D. behauptet, daß in keinem zweiten Orte Palästinas sich die Erinnerungen in gleichem Maße häuften. Hier, dem Mittelpunkte der Tätigkeit Jesu am See, finden wir die bereits bei Kohl und Watzinger beschriebene und aufgenommene Synagoge. Aber, was D. hier weiter forschend berichtet, scheint für die Wissenschaft des synagogalen Bauwesens von großer Bedeutung. Die Synagoge