Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1921-01-01 · Heft 6 · p. Seite 321

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
65 (1921)
Issue
Heft 6
Article
Zur Geschichte des biblisch-talmudischen Eherechts
Date
1921-01-01
Page
Seite 321 (sequence 23)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829903-2829908-2831210--44563-2831271
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Zur Geschichte des biblisch-talmudischen Eherechts. 321 etwa die bestehende ז Grundverschiedenheit in der rechtsgedanklichen Auffassung beider Institute übersehen oder verwischen zu wollen". Aehnlich äußert er sich S. 159 Anm. 2. Der gute Wille hilft hier nichts. Die Begriffe werden dennoch vermischt, verwischt, getrübt. Neubauer scheut sich nicht, die hebräische Kethuba mit dem deutschrechtlichem ,,Wittum“ wiederzugeben. Er scheint nicht zu ahnen, daß er damit seinen Kampf gegen die Hypothese einer Kauf ehe im alten Israel aufgiebt. Denn das Wittum ist eben jenes Institut, dessen Geltung im jüdischen Recht er mit aller Energie und mit Aufwand eines ungewöhnlichen Scharfsinns bestreitet, der Kaufpreis für die Braut, dessen Höhe, ganz im Gegensatz zur Kethuba, durch freie Vereinbarung festgesetzt wurde, und den dann nachher'der Vormund der Braut in die Ehe mitgab (Schröder a. a. Ö. S. 291 ff.). Die ganze Verdeutschung ist aber zudem völlig nutzlos. Denn der Talmudist weiß zwar sehr genau, was Kinjan und Kethuba sind, während die Begriffe des wadia und des Wittums ihm fremd sind. Der Germanist aber könnte meinen, beide Begriffe seien in beiden Rechten identisch. Und das wäre ein böser Irrtum. Auch in seinem Stil zeigt Neubauer wenig Sinn für den Charakter seines Stoffes. Von einem Tanaiten, R. Simon, behauptet er (S. 92), seine Ansicht sei eine crux interpretuni! Diesen Ausdruck an dieser Stelle mag man höchstens als einen guten Witz gelten lassen. Auch sonst ist der Stil traurig. Die Sätze sind überladen, das Deutsch oft schrecklich. ,,Endlich ist in diesem Zusammenhang auch auf das Neue Testament zu sprechen zu kommen“, heißt es S. 63. Gelegent־ lieh rügt er einen ,,Sophismus“ (S. 80), erwähnt die ,,Vereinbarungsreuigkeit“ einer Partei oder stellt fest, ,,daß keine der beiden Parteien diesbezüglich engagiert war“ (S. 122, 123). Wir haben in unserer jüdischen wissenschaftlichen Literatur viele bedeutende Werke von bewunderungs־ Monatsschrift, 65. Jahrgang. 21

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.