Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zur Geschichte des biblisch-talmudischen Eherechts
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 299 (sequence 1)
- Language
- German
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Zur Geschichte des biblisch-talmudischen Eherechts• Von Rabb. Dr. Max Eschelbacher. י I. Der Ursprung der großen menschlichen Institutionen liegt im .Dunkel. Wie der Staat, das Eigentum, die Ehe entstanden sind, vermag Niemand mit Bestimmtheit zu sagen. Ihre Anfänge sind für uns ein Rätsel. Freilich kein hoffnungsloses Problem. Denn mancher Weg. kann zu den verlorenen Quellen führen. Die verschollenen alten Zustände leben noch in den Denkmälern einer späteren Epoche in mancherlei Spuren fort, diese' können gedeutet werden und geben dann ein Zeugnis für frühere Zustände. Der Wissenschaft von der Vorgeschichte des Rechtes und der Sitte gehört auch die Frage nach dem Ursprung der Ehe an. Wenn es gut jgeht, können auch hier aus einem späteren Abschnitt der Entwicklung frühere Stufen erschlossen werden. Freilich muß dabei eine schwere Fo.rderung an die Forschung gestellt werden. Sie muß sich von Vorurteilen frei halten und sich mit der Erkenntnis abfinden, daß in anderen Zeiten andere Zustände und andere Auffassungen herrschten, als in der Gegenwart. Andere Zeiten, andere Sitten, und eine Normalform, eine absolute Form besteht auch für die Ehe nicht. Deshalb können die verschiedenen, wechselnden Sitten und Rechte dennoch eine Folge bilden, deren Glieder in einem gesetzmäßigen Zusammen- .. hang miteinander stehen und sich aus einander entwickelt haben. Das Fundament der Ehe ist tief in die Natur des Menschen hineingesenkt. Auf dieser Grundlage aber haben sittliche, rechtliche und religiöse Ordnungen dieses Element der Natur in eine Schöpfung der sittlichen Kultur umgebildet. Damit