Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 281 (sequence 4)
- Language
- German
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Besprechungen 281 schlichten Bibelleser ein wunderlicher Gedanke, wie erst die Annähme, die Bitterkräuter am Pascha seien einst ein Abwehrmittel gegen die Dämonen gewesen (S. 255), ein Gedanke, den, wie es scheint, die Welt G. B e e r zu verdanken hat (Die Mischna II, 3, Pesachim 1912, S. 19). Eine gute Beobachtung scheint mir darin zu liegen, daß die bekannten Zufluchtstädte in Israel einen Ersatz darstellen sollen für die aufgelassenen außerjerusalemischen Heiligtümer, die ehemals als Asyl gedient hätten (S. 206). Daß in schriftlosen Kulturen die Gedächtniskraft außerordentlich gepflegt werde, stützt B. auch mit dem Hinweis darauf, daß das Wort ,,gedenken4‘ in der Bibel stark gebraucht werde (S. 228), was sich sehr gut reden läßt. In dem, was noch Bertholet über die Poesie und die Religion des alten Israel beibringt, geht er über die Umrisse einer Kulturgeschichte weit hinaus, und wir sind ihm nur dankbar dafür. Gegen die bekannte These Renans Stellung nehmend, führt B. sehr schön aus (S. 99), daß als das Neue und Bleibende an Moses Werke das bezeichnet werden kann, daß er den alten Sinaigott seiner naturhaften Bedingtheit entkleidet hat, um ihn mit der Geschichte des werdenden Volkes zu verbinden; in dieser Verbindung liegt der eigentliche Keim der religiösen Sonderstellung Israels. Aber schon die nächsten Sätze darauf machen uns wieder stutzig; die auf Mose zurückgeführte ,,Thora“ soll nicht ,,Weisung“, ,,Lehre“ bedeuten, sondern ,,vielleicht“ ein Orakel, das zunächst nach seiner sinnlichen Manipulation benannt sei; das heißt doch sicher, den festen Boden unter den Füßen verlieren und sich in das Meer der vagen Vermutungen begeben. Alles in allem tadeln wir an Bertholets Werke nur gewisse Auswüchse der in Mode befindlichen religionsgeschichtlichen Methode; sonst ist es ein schönes Buch, das die Kulturgeschichte Israels übersichtlich und den realen Inhalt der Bibel erschöpfend darstellt. Samuel Krauss. Adolf Kober: Grundbuch des Kölner Judenviertels 1135—1425. Ein Beitrag zur mittelalterlichen Topographie, Rechtsgeschichte und Statistik der Stadt Köln. Mit einer Karte des Judenviertels. (Publikation der Gesellschaft für rheinische Geschichtskunde. XXXIV.) Bonn, P. Hansteins Verlag, 1920. Die Aufgabe des vorliegenden Buches war es, aus den allgemeinen Grundbüchern (Schreinsbüchern) der Stadt Köln das Material für