Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension] / E.
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 188 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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18a Besprechungen. Schule zu Augsburg, um dort Deutsch und Französisch zu lernen wie er denn auch in seiner ganzen Erscheinung uns zeigt, daß die Juden um die Mitte des 18. Jahrhunderts an dem allgemeinen Leben der Kultur bereits mehr Anteil nahmen, als wir für gewöhnlich vermuten. Er verstand gut Französisch, und in den Jahren der französischen Revolution versammelten sich eine Zeit lang allabendlich Bürgermeister, Gemeinderat und andere in der Judengasse vor dem Hause des Rabbiners, der ihnen dann den Inhalt der Pariser Zeitung vortrug. Er hatte unter den Wirren der Revolution zu leiden, war־ aber im Herzen ihren Ideen trotzdem sehr zugetan. Auch seine Ge־ meinde nimmt am Leben der Stadt Worms genau so Anteil, wie die übrigen Bürger auch. Einen interessanten Beleg dafür bildet das Programm der synagogalen Feier, die sie 1789 zur Erinnerung an die Zerstörung der Stadt durch die Franzosen, hundert Jahre vorher,, veranstaltete. Was .damals ein Rabbiner bedeuten konnte, zeigt seine Wirksamkeit nach einem großen Diebstahl, von dem die Gemeinde betroffen worden war. Rothschild gibt S. 11 eine interessante Schilderung davon. In die Amtszeit seines^ zweiten Nachfolgers, Bamberger, und der Prediger, die neben ihm wirkten, fallen die schweren Kämpfe, die die Reform in den Gemeinden entfesselte. Die religiösen Gegensätze standen wohl mit den politischen Wirren im zweiten Drittel des Jahrhunderts im Zusammenhang. Einer der radikalsten Reformer, der Prediger Dr. Abraham Adler, nahm an der Bewegung des Jahres 1848 teil, wurde der Beihilfe zum Landesverrat angeklagt, von der Regierung seines Amtes entsetzt und starb in einer Nervenanstalt. Später wirkten in Worms bedeutende Männer, so der Prediger Dr. Ludwig Levisohn, der Verfasser der ,,Zoologie des Talmud“, und noch mehr Markus Jastrow, der spätere Rabbiner in Philacielphia. Den Höhepunkt in der Geschichte des Wormser Rabbinats . aber bildet doch die Periode von Alexander Stein, 1867—1910. Er war ein herrlicher Mann, das Vorbild eines modernen Rabbiners. Die Geschichte der anderen Beamten enthüllt die großen inneren Schwierigkeiten, mit denen die Gemeinde zu kämpfen hatte. Manche von ihnen waren nach den Andeutungen, die Rothschild 57 und 60 gibt, dunkle Existenzen, die sich denn auch nicht lange halten konnten. Und von den Gemeinderechnern haben einige in den dreißiger Jahren ihre Kasse sehr unregelmäßig geführt. Rothschild geht rasch darüber hinweg. Er bekennt sich im Vorwort zu dem Grundsatz: De mortuis nihil nisi bene. Erfreulich wirkt demgegenüber die Stabilität in der Besetzung mancher Aemter. So ist das des zweiten Kantors vom Ende des 18. Jahrhunderts bis auf den heutigen