Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Anteilnahme der physischen Welt an den Schicksalen der Menschen
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 164 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2829132-2829903-2829906-2830961--44377-2831044- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Anteilnahme der physischen Weit an den Schicksalen des Menschen. Herrn Prof. Dr. Brann zum 70. Geburtstage. Von V. Aptowitzer. (Schluß) 52. Als Gott seine Lehre der Welt offenbaren wollte, begannen die Berge mit einander zu streiten. Jeder nahm für sich das Recht und das Verdienst in Anspruch, Stätte der Torahgesetzgebung zu werden. Jeder hielt sich für würdig dieser Auszeichnung, dieses Vorzuges. Nur der Sinai schwieg in seiner Bescheidenheit, überzeugt: er sei der großen Auszeichnung nicht würdig. Gott aber verschmähte den stolzen Karmel und den ragenden Tabor, die ihre Plätze verließen und über Meere herbeieilten, und erwählte den demütigen Sinai zur Stätte der Offenbarung1). 1j Mech. zu Ex. 19, 18 und 20, 2; Mech. ed. Hoffmann S. 101. Megillah 29 a, Gen. r. XCIX 1, Mid. Ps. 68 § 9, Pes. r. Kap. 7 27 a, Num. r. XIII 3 51 d, Jelamdenu* in Jal. Richter § 47, Targum zu Richter 5, 5 [Kod. Reuchlin ed. Lagarde S. X—XI], Midrasch zum Dekalog in Beth ha־Mid. I S. 66. Die Ausführung im Targum ist besonders interessant. Hier begründen die Berge ihre Ansprüche, und zwar mit Argumenten, die sonst nicht bekannt sind: ,,Der Tabor, der Hermon und der Karmel stritten mit einander. Jeder von ihnen behauptete: ,,Auf mir wird die Schechina ruhen, ich bin dessen würdig.“ Der Tabor sprach zum Hermon: ,,Auf mir wird die Schechina ruhen, denn in der Vorzeit, als die Flut zur Zeit Noahs war, wurden alle Berge mit Wasser bedeckt; aber an meinen , Gipfel und meine Hänge reichte das Wasser nicht heran. Ich bin höher als alle Berge.“ Darauf erwiderte der Hermon und sprach zum Tabor: ״Auf mir wird die Schechinah ruhen. Denn als Israel im Begriffe war, durchs Meer zu gehen, da war ich mächtig und auf mir gingen die Israeliten, ohne daß Wasser auf ihre Kleider kam.“ Der Karmel aber schwieg und stellte sich zwischen das Meer und das Festland,