Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Ein Beitrag zur Methode der vergleichenden Religionsforschung
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 107 (sequence 1)
- Language
- German
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Ein Beitrag zur Methode der vergleichenden Religionsforschung. Von J. Scheftelowitz, Köln 1. Religionswissenschaftliche Studien zu treiben und leichtfertig auf Grund äußerer Aehnlichkeiten, die uns beim Studium verschiedener Religionen auffallen, scheinbar unverständliche religiöse Vorstellungen und Zeremonien, die das Produkt einer Jahrhunderte langen Entwicklung sind, zu erklären, dazu fühlen sich viele berufen. Solche geistreichen Einfälle, die der Laie wohl als unumstößliche Wahrheiten hinnimmt, haben gewöhnlich keinen Wissenschaftliehen Wert. Die Steine und Steinchen, welche Philologie, Ethnologie und Volkskunde liefern, zum festen Bau zusammenzufügen, das vermag vor allem der Religionsforscher zustande zu bringen, der mit den Gesetzen der geistigen und religiösen Entwicklung der Völker und zugleich mit dem Pulsschlag sprachlichen Lebens vertraut ist. Um zu gesicherten Resultaten auf dem Gebiete der Religions- Wissenschaft zu gelangen, muß man zunächst die Quellen- Schriften derjenigen Religionen, aus denen man das Material schöpft, gründlich kennen, da man sich oft genötigt sieht, die sekundären Quellen nachzuprüfen und zu diesem Zwecke exegetische und textkritische Studien anzustellen. Andererseits muß man in den Geist der betreffenden Religion eingedrungen sein, um beurteilen zu können, ob gewisse Vor- Stellungen das Ergebnis ureigener Entwicklung darstellen, oder ob sie unter dem Einfluß einer fremden Religion entstanden sind. Es ist zwar keinem Religionswissenschaftler möglich, sämtliche Religionen aus den primären Quellen zu erforschen. Da wird er sich aber vielfach an die Spezialisten wenden müssen, um sich belehren zu lassen, ob das ihm fremdartige Material, worauf er sich stützt, gut verbürgt