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Esra · 1919-01-01 · Heft 7 · p. 221

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Esra
Volume
1 (1919-1920)
Issue
Heft 7
Article
Staat oder Heimstätte?
Date
1919-01-01
Page
221 (sequence 4)
Language
German
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Staat im heutigen Sinne überflüssig werden. Warum sollen wir, die wir so gerne mit dun Gedanken spielen, daß unser jüdisches Land und unser jüdisches Volk in diesem Kampfe um die Menschheit Vorkämpfer sein werden, uns an den sich überlebenden Staats- und Machtgedanken klammern? Das kann höchstens dann eintreten, wenn eben unser Heim nicht den nationalen Wünschen entsprechend ausgestaltet würde und wir erkennen müßten, daß Macht nicht eine, sondern die einzige Möglichkeit der Sicherung ist. Diese traurige Erkenntnis möge uns erspart bleiben! Unsere Bewegung, unser Streben soll von der Hoffnung, nicht von der Verzweiflung genährt werden! So geht also der Zionismus nicht auf die Gründung eines jüdischen Staates aus und es droht dem großarabischen Reiche von dieser Seite keine Gefahr, wenn auch die jährliche Einwanderungsziffer entgegen Emir Feisuls Meinung in die Zehntausende oder selbst Hunderttausende gehen wird. Palästina als Provinz des arabischen Königreiches ist unter den notwendigen Kautelen für uns mindestens so diskutabel wie jede andere Lösung der Palästinafrage. Vor allem aber erwarten wir eine weniger auf die Interessen des arabischen Großgrundbesitzes Bedacht nehmende Orientierung zur Kolonisationsfrage überhaupt seitens jener Kreise, die angeben, das arabische V o 1 k zu vertreten. Alexander Rabbinowicz. RUNDSCHAU - BÜCHER ELSE LASKER-SCHÜLER- Wenn ein Men«ch der Dichter einer Rasse sein kann, dann ist es Else Lasker-Schüler. Diese Frau, meine ich, ist die jüdische Dichterin, denn das tausendjährige Blut, das wir tragen, rafft sich mit unerhörter Gewalt aus ihren Gedichten zum Tage. In ihr ist der Sinn des Judentums, sein Endliches und sein Unendliches, sein Leid und seme Forderung und die Gedichte — auch jene, die äußerlich nichts mit Judentum zu tun haben— sind innerlichst jüdisch. Nicht, daß ich die Farbenfroheit ihrer Worte so bezeichnen würde, oder ihre Begriffe : jüdisch ist der Geist, der jenseits der Bilder die alten Gesetze des Menschseins fühlt, die im Judentum (gleichwie im Taoismus), ihren vornehmsten Ausdruck fioden. Es ist* ein einheitlicher Geist, ein orientalischer und aus ihm zieht sich die tiefgefurchte trennende Grenze, die zwischen Europa und Asien ist und ewig sein wird: die Konsequenz der Gefühle selbst-bis zum Exzeß, konsequent im Guten, in dem Propheten zum Beispiel, konsequent aber auch in dem, was man hier schlecht heißt: im Buche Joschua vielleicht. Groß und aufs Letzte zielend. Verlangend und Erfüllend. Die seelenerglühende Ekstase, die ewig sich opfernde Flamme jüdischer 221

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