Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Kern und Schale
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 210 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Schalen, der entstellenden, täuschenden »Kleider«. Es bleibt die Wahl — entweder man wende sich mit klugem Abscheu und gebildetem Entsetzen von diesen Verstümmelungen des immerhin lebendigen göttlichen Geistes ab, oder man wende sich ihnen liebevoll zu und lege zur Herzerquickung den »Kern des Granatapfels« von seinen »Schalen« bloß. Was ist unserem jüdischen geistigen Leben notwendiger, als die Rücklenkung der umherirrenden, unheilstiftenden Funken zum reinen Ursprung, zum Urfeuer: >Höre Jißrael, Jhwh ist unser Gott, Jhwh ist einzig!« Eine neuere, lebendigere, von der einzigen Wahrheit durchdrungenere Homiletik deutet diese heiligen Worte in einer Übersetzung von höherer Richtigkeit: Höre Jißrael, das Sein ist unser Ziel, das Sein ist eins! EUGEN HOEFLICH JERUSALEM IST GEFALLEN Als ich die Straße betrat, heulte es eine Zeitung mir ins Ohr: Jerusalem ist gefallen! . . . Oft habe ich den Ruf gehört: Blut spie mir Nebukadnezar in die Seele, als er mich nach Babylon führte, das Herz riß mir der Römer weg, als er Feuer in den Tempel warf, und nun, nicht vernarbt noch ist die Wunde meiner Niederlage, schreit mich Vertriebenen ein Camelot wieder zu Boden : Jerusalem ist gefallen. ... Nein! .. . nein! Ihr lügt! Es ist eine niederträchtige hirnverbrannte Lüge! Kein grausiger Nebukadnezar, kein goldringklirrender Römer, kein Engländer, kein Deutscher, kein geschundener Türke, kein. Mensch kann machen, daß Jerusalem fällt, das Jerusalem meines Blutes und meiner himmelschreienden Liebe. O ihr wißt nicht was es ist, ihr könnt es nicht wissen, denn ihr habt es nicht erlebt, euer Fühlen könnte es gar nicht fassen; nicht reißt euch der Gedanke hoch, aufschreiend in wahnwitziger Lust zu küssen die Mauern der Heiligsten über die Meere hinweg und über die Zeiten und Gezeiten der Historie. Gassen, Straßen, Plätze, Menschen, Sonne, Rufe, Leben : wie in irgendeiner Stadt. Irgendeine Stadt aber ist schal, nichts, lächerliches Nichts gegen dieses Jerusalem, gegen dieses ewige Loblied dem 210