Mannheim
Compact Memory

Esra · 1919-01-01 · Heft 7 · p. 208

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Esra
Volume
1 (1919-1920)
Issue
Heft 7
Article
Kern und Schale
Date
1919-01-01
Page
208 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2828641-2828642-2828649-2829060--339-2829104
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

MEIR WIENER KERN ÜND SCHALE (Randglosse zu einem Buch.) »Und man kann ein guter Jude sein, wenn einem Marx näher steht als der galizische Wunderrabbi — .«*) Erstaunliche Entdeckung! Gegen ein lächerliches und plumpes Mißverständnis einige Worte. Berichtet jemand mit innerer Ergriffenheit, oder auch nur ohne Ausdruck des Widerwillens und unbedingter Ablehnung über die Lehre Buddhas, der Gnostiker oder der Kabbalah, so wird er gleich vom schreibenden Publikum als Buddhist, Gnostiker oder Kabbaiist gepriesen, oder je nach dem verlacht Weist jemand aut die verschütteten Schönheiten des ursprünglichen Chassidismus hin, so ist und hat er ein »Chassid« zu sein. Wehe ihm, wenn er es wagt, etwas zu denken oder zu tun, was mit jenem »Chassidismus«, der in den Köpfen des schreibenden Publikums spukt, njeht übereinstimmt — widerlichste Gehässigkeit macht sich sogleich breit. Weist ein Mensch auf die wahren göttlichen Momente der menschlichen Ekstase und Prophetie hin, so wird es dahin gedeutet, daß er sich selber als Ekstatiker und Prophet ausgibt Gebärdet er sich nicht dementsprechend, so wird er als Scheinheiliger und Heuchler verschrieen. Als ob der Anbetende und Bewunderer sich mit dem Angebeteten und Bewunderten identifizierte. Wann endlich wird man begreifen, daß es nur eine einzige Wahrheit in all den vielen Manifestationen des Geistes gibt; wann endlich wird man es fassen, daß es nur verschiedene Worte sind, die vom selben Inhalt stammelnd berichten; daß. die Lehre einzig *) Kritik des Zionismus von Heinrich Margulies, I. Teil. Von einer Kritik dieses Buches, die negativ und entschieden ablehnend ausfallen müßte, wurde hier abgesehen, weil es ohne gründlicher Auseinandersetzung mit seinen Grundvoraussetzungen und Ausgangspunkten nicht geschehen durfte, dies aber zu weit führen würde. Soviel aber darf auch ohne nähere Begründung gesagt werden, daß die Lektüre in diesem Buche sehr »bemühend« wirkt, nicht wegen der geübten Kritik, sondern der Kritik wegen, die sich einem an diesem Buche aufdrängt. Trotz mancher klugen Ausführung und an sich richtigen Bemerkung gehört das Buch, gewisser Eigenschaften in Gesinnung und Ausdruck wegen, zu den unerquicklichsten Erscheinungen auf diesem Gebiet 208

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.