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Esra · 1919-01-01 · Heft 6 · p. 190

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Esra
Volume
1 (1919-1920)
Issue
Heft 6
Article
Der heilige Weg
Date
1919-01-01
Page
190 (sequence 1)
Language
German
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RUNDSCHAU - BÜCHER DER HEILIGE WEG (Notizen zu Bubers neuem Buch.*) In drei Worten dieses neuen Buches Martin Bubers ist alle Forderung des Menschen Buber gesagt. Ungeheuer hinausgerufen ist die Anklage gegen die freiwilligen und unfreiwilligen Verderber der jüdischen Menschlichkeit und des jüdischen Volktums, gegen Die, die des Judentums sich gerne begeben aus ihrer Lässigkeit und aus ihrer Feigheit heraus und gegen Die, die es proklamierend, es gleichsetzen den andern Völkern, denen Sein nicht Mission, sondern Zweck und Zwang ist. Dieses Buch ruft Anklage gegen Die, die die Spuren der Vorfahren in den Spuren der Völker verwischen wollen und gegen die Pseudonationalisten, denen Judentum eine Angelegenheit der Politik, denen Nationalismus eine falschverstandene Chinesische Mauer ist. Drei Worte zeichnen hier das Ziel des Menschen auf, der sich opfernd, den absoluten Gründen des jüdischen Menschentums zu nahen bereit ist: die Erneuerung desMenschenherzens. Unendlich groß ist diese Forderung in den Tagen des Betriebes und der Geschäftigkeit, denn sie bedingt Abkehr von Gewohntem, will das Primitivste, aber auch das Ungeheuerlichste, Erstes und Letztes, Menschlichstes und Göttlichstes. Tägliche Erneuerung, tägliche^ stündliche Tat im Angesichte Gottes : ihr erblüht das Absolute : die wahre Seele des gottaufgetanen Menschen und sie ist Urgrund aller gottbefreienden Tat. Hier ist der Ring geschlossen, hier wird die alte jüdische Foiderung wieder proklamiert, eindringlich und besorgt, die Forderung des ältesten Bundes, die, aller Zweiheit feind, die Entscheidung in heißem Brennen zur Einheit sucht. Die Tat des Menschen aber, der richtige Weg zu handeln, wie Gautama der Buddha es sagt, spricht dann nur zu Gott, wenn sie aus dem Tiefsten gesetzt wird, aus dem, das den Gerechten zum Erkorenen macht; aus der Gesinnung muß sie hervorbrechen zur Befreiung der göttlichen Glorie, zur Befreiung unseres guten, absoluten Ich, das in die tägliche Hölle der Bedingtheiten dieser geschäftigen Zeit gebannt ist. Gesinnung aber ist nicht das Anerzogene, nicht Produkt der Schule, sei sie auch die des Lebens, sondern Natur, innerster Kern des Menschen, in dem Einen verdorrt, von dieser oder jener Sucht überwuchert, unerkenntlich ihm selbst, in dem Andern zu hoher Blüte entfaltet," sein Wesen ganz durchsetzend und ihn verbindend mit den Sternen der göttlichen Kraft und Unbedingtheit, »Die Natur des Menschen ist gut«» so lautet der erste Satz der chinesischen Kinderfibel. Die Natur des Menschen ist gut, absolut gut. Erst die Tage des Aufwachsens unterhöhlen die Verankerungen der Seele und da und dort wurde sie befleckt, wie die Monde nach dem Tage der Schöpfung. Doch sei auch die Seele, des Nichtguten vom Aussatz seiner schlechten Handlungen *) Der heilige Weg, Literarische Anstalt Rütten & Loening, Frankfurt a. M. 190

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