Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Aktenstücke zur Judenfrage am Wiener Kongress 1814/1815
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 178 (sequence 7)
- Language
- German
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oder jenem Nahrungs Zweige oder Wirkungskreise veranlassen könnte, die wahre Wurzel solcher Besorgnisse einzig und ausschliesslich in jenen unglücklichen Schranken selbst zu suchen seyn würde, die zwischen den Israeliten und anderen Volksklassen gezogen sind, und dass diejenigen, welche ihnen vollkommene Gleichheit der bürgerlichen Rechte, unter dem eiteln Vorwande, als wenn sie deren noch nicht würdig wären, versagen, gerade die letzte Bedingung, die noch zu erfüllen bleibt, damit der letzte Vorwurf und der letzte Verdacht von ihnen weiche, unmöglich zu machen suchen. Der Charakter einer durch ungleiche und absondernde Gesetze unterdrückten Volksklasse kann auch bey den glücklichsten Anlagen und dem redlichsten Bestreben derselben nur dann in seiner wahren Gestalt erscheinen, wenn sie von dem Drucke, worunter sie schmachtet, befreyt ist. Man versetze uns in die Lage, worin wir aller Welt zeigen können, dass wir eines begünstigenden Schutzes ebenso würdig sind als andre; und in kurzer Zeit werden alle Einwürfe gegen uns verschwinden; man gewähre uns gleiche Gerechtsame und gleiche Verhältnisse; und wir werden sie durch gleiche Verdienste zu ehren und zu behaupten wissen. Ein beruhigendes Vorgefühl stimmt uns zu der frohen Hoffnung, dass wir endlich von dem Ziel, nach welchem wir solange gestrebt haben, nicht mehr weit entfernt sind, und dass in einer oder der anderen Form das künftige Schicksal unserer Glaubensgenossen, sey es in allen deutschen Ländern, sey es wenigstens Ew. Majestät Erbstaaten auf eine wohltätige und genugthuende Weise entschieden werden wird. Wenn der hier versammelte hohe Kongress dieser Angelegenheit seine Aufmerksamkeit widmet, so rechnen wir mit Zuversicht darauf, die Verhandlungen und Beschlüsse desselben durch Ew. Majestät mächtigen Einfluß, und Genie edeln menschenfreundlichen Grundsätze, die Allerhöchstselben jederzeit in Schutz genommen haben, geleitet, und zu einem glücklichen Ausgange befördert zu sehen. Dies ist unser inniger Wunsch, theils, weil wir alles Gute, der uns widerfahren soll, Ew. Majestät Huld und Gnade allein schuldig seyn möchten, theils auch weil nach unsrer Ueberzeugung kein Souverän von Europa auf den Ruhm eine der wesentlichsten Verbesserungen in der bürgerlichen Verfassung und Gesetzgebung gestiftet, und eine zahlreiche Menschen Klasse von einem langen und unverdienten Druck befreyt zu haben, gerechtere Ansprüche hat, als die welche Ew. Majestät Sich erwerben. Wenn hingegen die Kürze der Zeit, oder der Drang der 178