Mannheim
Compact Memory

Esra · 1919-01-01 · Heft 6 · p. 163

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Esra
Volume
1 (1919-1920)
Issue
Heft 6
Article
Zum jüdischen Kulturproblem
Date
1919-01-01
Page
163 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2828641-2828642-2828648-2829002--278-2829023
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

wußten Assimilation fortzuschreiten und sich dennoch für die Erhaltung des Judentums im Interesse eines neuen, bodenständigen zu erklären? Bevor auf diese schwere Frage eine Antwort gefunden werden kann, müßte vor allem erst die Berechtigung für die Aufstellung einer jüdischen Kulturfrage im Diasporajudentum und das Problem der jüdischen Um- und Neuwertung erörtert, ja erst der Begriff der jüdischen Kultur selbst klargelegt werden, es müßte vor allem feststehen, was jüdisch und inwieferne es jüdisch ist Und da ist für die Einschätzung der sogenannten spezifischen Wesensmerkmale des jüdischen Volkes vor allem eines wichtig: wie weit diese Eigenschaften spezifisch sind und ob — das ist die neue fruchtbare Frage — es eine Spezifität von Rasseneigenschaften überhaupt gibt, eine Frage, in der uns die Ansicht Zollschans in der Frage der Qualitätsumwertungen für neue nationale Bildungs- und Erziehungsideale von höchstem Interesse ist Die betreffenden Studien Zollschans .über die Spezifität von Rasseneigenschaften führen bekanntlich zu dem Ergebnis, daß die QualLtätsfarbe der Eigenart eines Volkes nicht durch seine Rasse gegeben ist, sondern mehr die Quantität, die Amplitude seiner Leistungen. Diese Theorie der unspezifischen Begabungsqualität gegenüber der spezifischen Begabungsquote, die Tatsache, daß bestimmte Eigenarten eines Volkes, also nicht »rassenpsychologisch, sondern kiassen-stufen-psychologisch erklärbar sind, also von einer nicht generativen, sondern nur traditionellen Konstanz der Eigenart« gesprochen werden kann, diese Feststellungen gestatten nun gerade einen weiten Ausblick auf das Gebiet der jüdischen Umwertung, einer sozusagen praktisch-ethischen Strömung des Neujudentums, welche diesen Widersprüchen, die uns früher eine Lösung kaum ermöglichten, ausweicht Allerdings muß vorausgesetzt werden, daß eine Einigung darüber möglich ist, was in der Emanzipation des modernen Juden assimilatorisch, wasaber im Gegenteil, ausgehend von der Ueberzeugung der Möglichkeit der Qualitätsumwertung des Gegenwartsjudentums, umwertend, ghettoüberwindend ist, und weitere Voraussetzung ist, daß der Versuch einer Uebergangskuitur, die weder zu blinder Angieichung unter Aufgabe der scheinbaren Spezifität seines Wesens, noch aber zu starrem Festhalten an dieser scheinbaren Spezifität, sondern zu Umwertung und Neuwertung schreitet, bejaht wird. Es müßte diese Einigung zwischen den angeführten Gegensätzen des nur Assimilatorischen und des Umwertendenfeststehen und die scharfen 163

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.