Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Judas Ischariot und die Anderen
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 154 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Tiefer blickte nicht einmal Dostojewski] — So warb Judas vergebens. Und dann kommt der Höhepunkt dieser Leidensgeschichte des Judas: Unter vier Augen von ihnen befragt, gewahrte er erst Johannes dann Petrus den Platz neben Jesus im Himmelreich, als aber einmal Petrus mit Johannes darüber in Gegenwart Jesus in heftigen Streit gerieten und Jesus schon die Stirn zu falten begann, fragte Petrus plötzlich Judas: „ — Nun, kluger Judas! sage uns doch, wer der erste sein wird neben Jesus — er oder ich? Aber Judas schwieg, er atmete schwer, nur seine Augen waren gierig auf Jesus ruhige blaue Augensterne geheftet, die sie nach etwas zu fragen schienen. — Ja—fiel Johannes herablassend ein—sage du ihm, wer der erste sein wird neben Jesus. Judas aber richtete sich langsam auf, und ohne seinen Blick von Jesus abzuwenden sagte er leise und bedeutungsvoll: — Ich! Jesus schlug die Augen langsam nieder. (Fühlte er sich ihm gegenüber schuldig?) Und leise klopfte sich Ischariot mit dem knochigen Finger apf die Brust und wiederholte ernst und feierlich : — Ich! Ich werde neben Jesus sein/4 6. Bevor er sich auf den Weg macht ihn zu verkaufen spricht Judas, zu Jesus: „Aber Du weißt doch, daß ich Dich Hebe. Du weißt doch alles. Warum blickst du so auf Judas? Groß ist das Geheimnis Deiner herrlichen Augen, aber ist denn meines geringer? Herr, Herr! Befiehl mir daß ich bleibe. Doch Du schweigst noch immer. Hätte ich Dich nur deshalb in Qualen und Sehnsucht mein ganzes Leben lang gesucht und gefunden? Erlöse mich! Nimm sie von mir, diese Bürde, sie lastet schwerer auf mir, denn ein Berg und ein Klumpen Blei! HOrst Du denn nicht, wie unter ihr die Brust Judas Ischariot ächzt und kracht? Ein letztes unergründliches Schweigen, wie der letzte Blick der^ Ewigkeit! * — Ich gehe/' Petrus verleugnete seinen Rabbi dreimal und verließ den HoL Nur Judas blieb. „Von diesem Abend bis zum Tode Jesus, sah Judas keinen Jünger mehr in seiner Nähe, und nur sie beide blieben zusammen inmitten dieser Menge, unzertrennbar bis in den Tod, seltsam verbunden durch das gemeinsame Leiden; Er der überantwortet war zu Schimpf und Qual, und er der ihn verraten hatte. Aus einem Leidenskelch tranken sie beide, wie zwei Brüder, der Verratene und 154