Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Zionisten und die hebräische Sprache
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 140 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Man muß daher in der Forderung des Hebräischen an die Beamten? beharren. Wir, sie selbst müssen von sich aus die hebräische Amtssprache fordern. Andere wollen an den Schulen lehren; sie haben die Entsagung und den Beruf dazu, sie haben an einer Hochschule ihr Wissen erarbeitet, sind aber verurteilt, ihr Können einer Jugend zu geben, die ihnen innerlich fremd ist: sie sprechen nicht die Sprache der palästinensischen Schule und wenn Einer von diesen an ihr lehrt, schädigt er den Geist der Schule durch sein unzulängliches hebräisches Wissen. Ist es doch eine pädagogische Forderung, daß jeder Unterricht Sprachunterricht sei. Hier wird er zum Sprach verderben. Andere wollen nur ihr Judentum verstehen, die eigene jüdische Form schauen, sie sind bescheiden genug, ihre Tore dem alten Geiste zu öffnen, in die hohen Hallen der Vergangenheit still einzugehen. Ihnen fehlt der zauberlösende Schlüssel: diehebräische Sprache. Sie, diese Intellektuellen leiden in ihrem Innersten, längst haben sie es gefühlt, daß sie gar nicht jüdische Intellektuelle sind, da ihr Intellekt kein jüdischer ist. Sie haben ihre Geistigkeit nicht aus jüdischen Quellen geschöpft und dürfen deswegen auch nicht die jüdische Geistigkeit mit ihrem Intellekt füllen, denn das Zauberwort, das des jüdischen Geistes Tore öffnet, ist hebräisch. Aber sie alle, auch die Kleinen und Bescheidenen, haben den Willen zum Hebräischen. Dieser Wille, bei Einzelnen schwächer, bei Anderen stärker, ist der zionistische Gesamtheitswille, der hebräische Wille. Was aber hat dieser Wille geleistet? Sehr wenig, viel weniger als der Thorawille bei den Orthodoxen. Alle Zionisten, man kann es getrost sagen, haben einmal versucht, Hebräisch zu lernen,, bei fast allen aber blieb es beim Versuch. Überall gründet man Kurse, fast alle sind kurzlebig und langweilig und die Ergebnisse sind gering: sie gehen meist daran zugrunde, daß sie zu wenig Wochenstunden ansetzen und zu wenig Anforderungen an ihre Teilnehmer stellen. Der Kurs zerfließt und der aufgebrachte Wille mit ihm und bald wird der Versuch wieder aufgegeben. Die Gewissenhaften beschuldigen sich selbst, peitschen nach einiger Zeit ihr Pflichtgefühl wieder auf, machen wieder einen Versuch mit demselben Mißerfolg* Andere wieder haben die Hoffnung auf die Kurse aufgegeben und wollen Selbstunterricht beginnen. Sie schaffen sich ein Buch an (ein gutes Buch für den Selbstunter* 140