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Esra · 1919-01-01 · Heft 5 · p. 133

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Esra
Volume
1 (1919-1920)
Issue
Heft 5
Article
Das Weitertreiben des Nationalismus
Date
1919-01-01
Page
133 (sequence 5)
Language
German
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'endlich wir Juden uns nicht für das auseiwählte Volk? Wahrlich diese nationale Hybris ist eine wem erbreitete Krankheit, leicht wird der Nationa it>mus von ihr infizieu. Darum wollen wir es klar und deutlich auskriechen, daß bei uns kein Platz für sie ist. Gerade der Akademiker weiß, wie sehr die Kultur, wie sehr vor allem Wissenscnaft und Kunst, obwohl nur in der nationalen Gemeinschaft entstanden, Gemeingut aller Völker sind. Ja, noch mehr, wie sehr die nationale Gemeinschaft der Anregung und Befruchtung aus den fremdai tigen und frenunationalen Kulturkreisen bedarf um selbst ku!turscböp:ensch zu weiden. Soll eine neue jüdische Kultur erstehen, so darfnichts menschliches uns fremd sein. Wehe aber uns, wenn die großen Bewegungen, die heute in der Menschheit gären und reifen und die nicht wieder erstickt werden können durch die tatenlose Selbstgefälligkeit der Bourgeosie aller Völker, wehe, wenn sie kein Echo in der Brust unserer Jugend zu erwecken vermögen. Wehe, wenn die kommende Zeit auf ein schwaches Geschlecht trifft. Dann ist unsere Kultur verurteilt zu stagnieren, unser Volk zu sterben, ehe es gelebt Nicht ungestraft hä't heute ein Volk sich abseits von jenen Bewegungen, die die ganze Menschheit umfassen, deren Energieen noch unabschätzbar sind und aus deren Zusammenklang jene bessere Welt geboren werden wird an der mitzubauen auch unsere Aufgabe ist Wir wissen, wievieler Niederlagen und Siege, welcher Zeit und Opfer die Verniphtung des Feudalismus bedurfte. Wir ahnen, welche Anstrengungen es in den zukünftigen Jahrzehnten und Jahrhunderten kosten wird, die Epoche der bürgerlichen Herrschaft zu überwinden. Aber wo alles erwacht zu neuem Leben, -werden wir nicht vegetieren. Wenn für andere Volker sich ein neuer Tag rüstet, harrt das jüdische Volk gewiß nicht in dunkelster Nacht IL Nach allem was oben über den Nationalismus ausgeführt Avurde, ist eines klar: wer (in unserem Sinne) Nationalismus sagt und wer vor allem nicht nur Nationalismus sagt sondern auch hat, meint Gemeinschaft. Wer Nationalismus verlangt aus -den oben kurz angedeuteten persönlichen* und subjektiven '«Gründen, sucht die nationale Gemeinschaft, um sein Leben zu 133

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