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Esra · 1919-01-01 · Heft 4 · p. 125

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Esra
Volume
1 (1919-1920)
Issue
Heft 4
Article
Der Judenhaß und die Juden
Date
1919-01-01
Page
125 (sequence 4)
Language
German
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Stark klingt das, was Brunner über die Rückforderung Christi in das Judentum sagt. Ein mutiger Gewissensruf. Beinahe eine Tat Nur beinahe, denn a*n Ende ist es doch anders. In der Lehre von den Geistigen und vom Volke sagt Brunner einmal, daß „der Mensch, was er verkehrt denkt, auch verkehrt leben muß". So ist es auch hier. Christus war eines der größten Phänomene des Judentums in seiner stärksten Qualität, des prophetischen Judentums. Gehört aber Christus der christlichen Welt? Nein. Sie hat ihn mit ihrem Geiste erfüllt und dadurch seinen mißverstanden und verzerrt. Hat es damals getan, als seine Lehre ihr von Juden verkündet wurde. Und da sollten die Juden wirklich keine andere Aufgabe haben, als diesen jüdischen Geist Christi einer Welt weiter zu verkünden, die, wie Brunner selbst sagt, diesen Geist nicht will, niemals angenommen hat und niemals annehmen wird? Dazu ist noch nie ein Volk aufbewahrt worden. Und noch eines: Brunner lehrt, das Judentum sei ohne Christus nicht denkbar. Er sagt dies wahrer als die vielen urchristentümelnden Schwätzer, die jetzt auftauchen. Hinzuzusetzen ist aber, daß Christus ohne das Judentum nicht denkbar ist. Und daß er keine Erfüllung des Judentums bedeutet. Er ist, nach seinen eigenen Worten, gekommen, das Gesetz zu erfüllen. Nie hat er gesagt, er habe es bereits erfüllt. Sein Tun war ein grandioser Versuch. Wenn nun das Judentum wirklich bewahrt wurde, um eine Aufgabe zu erfüllen, so ist es nicht die, Christus, wie er war und ist, aufzunehmen und zu künden, so groß Christus auch war. Die Aufgabe des Judentums liegt nicht vorgezeichnet im Gewesenen, Geschehenen, sondern ist* in der Zukunft unseres Wollens. So ist Brunners Werk, das von machtvollem Wort erfüllt ist, zurückzuführen in die Grenzen, welche die Erkenntnis weist Es fesselt und besticht, weil es mit der Stärke des Ethos das Wort hat. Das aber immer begrenzt ist, weil es vieldeutig ist. Wir aber brauchen die Tat. Die eindeutige, wortlose Tat. Erst sie ist das wahre Ethos. SIEGFRIED SCHMITZ. Klatzkins Kritik des Zionismus Politische Bewegungen beginnen zumeist als Idee. Der Geist rebelliert gegen, die Umwelt und proklamiert ein Ziel, ein Ideal, das Ideal, das die Gegenwart negiert, revolutioniert und umkehrt. Die Wurzel solcher Rebellion sind .vieldeutige, sie führen teils in die realen Verhältnisse, teils in die menschlichen Gefühle zurück. Am Anfang der Bewegung halten sie sich jedoch verborgen, bleiben im Untergrund ^und drängen nicht über die Schwelle des 125

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