Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Asien und Europa
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 122 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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absatz, noch der Einkauf, noch der Durst nach Nervenkitzel, warten kann die Liebe und die Schönheit und die Weisheit des Leidens und die Frucht der ergebenen Geduld und die achtungsvolle Sanftmut und der einfache Glaube. Und also wird das Morgenland warten, bis seine Stunde kommt. Das östliche Asien ist seine eigene Straße gewandelt und hat seine eigene Zivilisation entwickelt, die nicht eine politische, sondern soziale war, nicht plündernd und mechanistisch, sondern geistig, und die sich gründet auf die verschiedenartigsten und tiefsten Wechselbeziehungen zwischen Mensch und Mensen. Die Problemlösungen des Völkerlebens, wir suchten sie in der Zurückgezogenheit, wir fanden sie dank jenes Kerngerücktseins, wo all die Regierungswechsel, all die Überfälle Fremder uns kaum erreichten. Aber gegenwärtig hat die fremde Welt uns angerührt, unsere Zurückgezogenheit ist auf immer gestört. Freilich brauchen wir darum nicht trauernd zurückblicken, so wenig wie eine Pflanze auf die Dunkelheit ihres Keimzustandes trauernd zurückblicken soll. Nein, denn jetzt ist die Stunde gekommen, wo wir das 'Problem der Welt zu unserm eigenen Problem machen müssen,, wo wir den Einklang herstellen müssen zwischen dem Geiste unserer Zivilisation und der Werdensgeschichte sämtlicher Völkerschalten der Erde. Wir dürfen nicht aus törichtem Stolze im Innern der Kornhülse bleiben oder unter der Rinde des Eidbodens, der unser Ideal nährt und behütet. Denn die Hülse und Jie^ Erdrinde sind da, um zerschlagen zu werden, damit das Leben in aller seiner Kraft und Schönheit daraus hervorbi echen kann,, der Welt seine Geschenke darbringend im vollen Tagesscheine. Diese Aufgabe, die Schranken zu durchbrechen und sich hinzustellen vor das Antlitz der Welt, hat Japan als erstes Land des Orients erfüllt. Dem Herzen ganz Asiens hat es Hoffnung eingeflößt, Asien fühlt jetzt, daß es durch Hervorbringung eines lebendigen Werkes darweisen wird, daß es lebt. Dies wird nicht geschehen, indem es erduldend und schlummernd daliegt, noch indem es das- Abendland aus Furcht oder Schmeichelei unzureichend nachahmt. Deshalb entbieten wir dem Lande der Aufgehet den Sonne unseren Dank und bitten es feierlich, eingedepk zu sen, daß es die bendung des Morgenlandes zu vollbringen hat. Deutsch von F. M. HUEBNER RUNDSCHAU — BÜCHER Der Judenhaß und die Juden, Constantin Brunner hat vor mehr als einem Jahrzehnt mit seiner „Lehre von den Geistigen und vom Volke" die Geister aufgewühlt. Die Wirkung hält bis heute an» Weniger in den 122