Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Pflicht unserer Wissenschaft
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 91 (sequence 5)
- Language
- German
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Zeit seiner Entstehung der Aufgabe nicht gewachsen war und daß man auf Schritt und Tritt Willküriichkeiten und Ungenaues findet, das bei einigem guten Willen hätte vermieden werden können. Am bittersten aber ist die Erkenntnis, die man endlich einmal aussprechen muß: durch das Werk von Graetz ist dasNiveau unserer Wissenschaft herabgedrückt worden. Gewiß, es sei tausendmal mit Dank hervorgehoben, daß er das allgemeine Interesse für das Judentum erregt und in manchen Kreisen auch jüdisches Bewußtsein wachgerufen hat. Aber es wäre böse für uns, wenn dieses Interesse und dieses Bewußtsein keine anderen wissenschaftlichen Grundlagen haben könnten als die Leistung von Graetz. Er hat es verschuldet, daß der Forschungsbetrieb von sieben Jahrzehnten fast ausschließlich in seinem Lager steht, daß Hypothese, Konstruktion, der Hang zum Unmöglichen und die Wirkung auf die Leser nur allzuoft unsere Gelehrten locken, während die nüchternste Sachlichkeit vonnöten wäre für die Kenntnis einer der wunderbarsten Erscheinungen der Welt Er hat verschuldet, daß unsere Gebildeten nicht ahnen, was ein echtes Wissen um die Vergangenheit unseres Volkes für unsere Zukunft werden könnte. Mit der Beseitigung der bösen Folgen dieser Tatsache für sich einen Anfang zu machen ist Pflicht unserer Akademiker. Mit der Sache selbst aufzuräumen ist die Pflicht unserer Wissenschaft. A. SCHWARZ RUNDSCHAU — BÜCHER Über Hechaluz in Deutschösterreich Der Hechaluzgedanke hat auf deutschösterreichischem Boden ziemlich spät Fuß gefaßt. Die Bestrebungen des Zirei-Zion und der ihm verwandten Gruppen in Rußland und Polen haben —rwie überhaupt das paläsünensche Problem als Lebensfrage des Einzelnen — bei uns erst im Kriege an' Imeresse gewonnen. Die Idee der Dienstpflicht war es, die zuerst Verfechter und Anhänger gefunden hat. Die Ereignisse der letzten Jahre haben auch in dieser Richtung revolutionierend gewirkt und haben zur ersten Tat auf diesem Gebiete geführt. Als im November v. J. die eisten Gruppen in der unzweckmäßigsten Jahreszeit die Arbeit am Lande aufgenommen haben, gaben sich selbst die Initiatoren bezüglich des Erfolges keinen allzugroßen Illusionen hin. Seitdem weitere Kreise der Jugend 91