Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Geschichte der Juden Rumäniens
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 79 (sequence 2)
- Language
- German
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seinen guten Willen beschlossen die Juden Rumäniens auf dem am 3. und 4. November 1866 in Bukarest tagenden Kongreß, Cuza ein Denkmal zu errichten, was aber von der königlichen Kanzlei verhindert wurde. Im Unabhängigkeitskriege 1877 bis 78 kämpften auch die Juden für die Befreiung Rumäniens vom türkischen Jod^e. Sie hofften nach Friedensschluß durch ihr vergossenes Blut Bürger* rechte zu erwerben. Sie wurden aber trotz des § 43 der berliner Kongreßakte arg getäuscht, denn nichteinmal den Juden der Dobrudscha, die sich unter türkischer Herrschaft aller Rechte er* freut hatten, wurden sie zuteil* Erst zweiunddreißig Jahre später wurde nur den Juden der Dobrudsdia, nidit aber den Ein* heimisdien, welche seit fünf Jahrhunderten im Lande wohnten, das rumänische Bürgerrecht verliehen. Im März 1907 brach ein Bauernaufstand aus, dessen Verlauf interessant ist Mehrere Jahre hindurch hatte die konservative Partei regiert. Die liberale Partei, welche sie stürzen wollte, griff zu unredlichen Mitteln, und aus einer kleiner Demonstration gegen die Regierung entstand plötzlich eine Revolution. Die alte ohnmächtige Regierung wurde gestürzt und die Liberalen unter Führung Joan Bratianus kamen ans Ruder. Um sich von dem Blutbade — der Aufstand hatte zehn* tausend Bauern das Leben gekostet — reinzuwasdien entdeckte die neue Regierung die Juden als die Schuldigen. Seit dieser Zeit wurde das bisher ruhige Rumänien zur Hölle für die Juden. Sie wurden von den Dörfern verjagt, in den Städten wud^is ihre Zahl dadurch derart, daß sie, da ihnen nur wenige Berufe offen standen, in schrecklichem Masse verarmten und viele von ihnen zur Auswanderung gedrängt wurden. Die Zahl der juderi* feindlichen Gesetze nahm zu. Der primitivsten Menschenrechte beraubt, werden sie folgerichtig auch von der Landwirtsdiaft, der Industrie, dem Besuche der Schulen und selbstverständlich von der Möglichkeit eine Beamtenstelle zu erlangen ausgeschlossen. In Fabriken und sonstigen Unternehmungen darf nur ein kleiner Prozentsatz der Beamten und Arbeiter (25 Prozent) Juden sein. Verantwortungsvolle Stellen dürfen nur ausnahmslos Christen einnehmen, das Trafikrecht steht ihnen nicht zu, die Branntwein* konzession, die sie in den Dörfern, als man sie herausgetrieben hatte, verloren hatten, wurde ihnen auch in den Städten entzogen. Die Staatsschulen werden für sie unzugänglich gemacht, so daß sie bei großem Kostenaufwande eigene erhalten müssen, in 79