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Esra · 1919-01-01 · Heft 3 · p. 77

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Esra
Volume
1 (1919-1920)
Issue
Heft 3
Article
Die jüdische Autonomie
Date
1919-01-01
Page
77 (sequence 7)
Language
German
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nationale Gläubigkeit, die Aufrichtung wirklicher Werte über dem Leben des einzelnen und der Nation. Und ebenso kann sidi die soziale Fürsorge nicht auf „Wohltätigkeit" beschränken (der Friedens* vertrag gebraucht dieses Wort), sondern sie muß die Gesamt* heit des sozialen Lebens erfassen, die Widersinnigkeiten und Krankhaftigkeiten unseres sozialen Organismus durch zielbewußte regelnde Tätigkeit zu heilen suchen. Das Hauptproblem der Jüdischen Zukunft ist die Abkehr der Juden von parasitären Berufen, vom Luftmenschentum, vom Verdienertum, und die Zuwendung zu produktiver Arbeit Der Jude kann nur durch Arbeit in der Wirklichkeit verwurzeln, es ist aber nur eine Sache der Gemeinschaft, der Gemeinde, die Liebe zur Arbeit in ihm zu wecken, ihren Sinn ihm klarzumachen, seine schaffenden Kräfte und die Freude an der Produktion freizumachen, ihm die Krank« haftigkeit und Fäulnis seiner abnormen sozialen Situation zu zeigen. Dies kann die Volksgemeinde nur, wenn sie den ganzen Komplex von Berufsfragen in ihren Einflußbereich zieht, nicht nur durch Beratung und Vermittlung, sondern durch werktätige Hilfe. Solche Möglichkeiten liegen in der bescheidenen Autonomie, die wir durch den Pariser Vertrag erhalten. Werden wir sie nützen können? Die ernsteste Frage für uns in Deutschösterreich ist die, ob wir die geeigneten Menschen haben werden, die die Posten ausfüllen können. Leider sind die Aussichten hiefür nicht sehr günstig. Wir haben keine Lehrer, keine Erzieher, keine Ver« waltungsbeamten, keine Menschen mit sozialem Verständnis und fachlicher Qualifikation. Es muß hier -das bittere Wort gesagt sein, daß vor allem der jüdische Akademiker, der zionistische Student, es durch die vielen Jahre zionistis^ier Bewegung hindurch verabsäumt hat, sich für den Dienst im Volke vorzubereiten und auszubilden* Unsere Studenten haben es vorgezogen, Agitations» reden über die Notwendigkeit der „nationalen Autonomie" zu halten, statt sich zu befragen, welches deren oberster Zweck ist und welche Aufgaben aus ihr erwachsen, ob nicht etwa audv ohne formelle Festlegung auf ein Schlagwort wir sachlich gleiche Ziele erreichen könnten, wenn wir nur einmal an die "Arbeit gingen. Auch heute noch ist das Verständnis dafür auch in nationalen Kreisen noch nicht wach,'daß es bei der Berufswahl nicht darauf ankommen darf, möglichst viel Geld zu verdienen (dann könnten alle Schleichhändler werden), sondern als Lebens* arbeit eine sinnvolle, den Fähigkeiten und Anlagen angemessene 77

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