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Esra · 1919-01-01 · Heft 2 · p. 61

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Esra
Volume
1 (1919-1920)
Issue
Heft 2
Article
Die neue Erziehung als Weg zur nationalen Wiedergeburt
Date
1919-01-01
Page
61 (sequence 2)
Language
German
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nur die Jugend ist jener Teil des Volkes, der seine Liebe stets auf Geistiges richtet, der einen unbeirrbaren Kulturwillen hat, den Trieb nach Sittlichkeit und wahrer Gemeinschaft. Die jüdische Jugend in Palästina muß losgelöst sein von aller wirtschaftlichen Bedingtheit, sie soll bis zum 20. Jahre in eigenen Bereichen sich um frei erwählte Führer und Meister scharen können, ohne Lernzwang, in freier Selbsttätigkeit sich alles Wissen und Können aneignend — das ist die Forderung, die Bernfeld erhebt. In einer meisterhaften Schilderung, wie solche Erziehung gestaltet werden soll gipfelt sein Buch. Es führt weit ab von allen, wirklich alten Palästinaplänen, auch jenen der Sozialisten und Kommunisten, die wähnen, eine ideale Gesellschaft durch bloße ökonomische Maßnahmen erzielen zu können, ohne sich darüber "Rechenschaft zu geben, daß eine wahrhaft sozialistische Gemeinschaft nur durch ein neues Geschlecht verwirklicht werden kann, das nicht, durch die Wüste unserer heutigen familienegoistischen Erziehung, in einer vom Erwerbstrieb und höchstens vom Hunger nach „Bildung" bewegten Gesellschaft gezogen ist. Die wahre Revolutionierung der Geister kann nur durch eine Generation, die bis zur Reifwerdung ihrer Sehnsucht nach Größe, Kultur, Gemeinschaft leben konnte, erfolgen. Vielmehr: das ist die Revolutionierung, denn diese Generation wird gar nicht anders können, als die Gesellschaft nach ihrem innersten Bedürfnis gestalten, Bernfelds Plan erfordert ein radikales Umlernen und einen ins Höchste gesteigerten Willen zum Neuen, den nur fassen kann, wer seinen inbrünstigen Glauben an das Wesen und die Berufung der Jugend teilt. Und das kann blos derjenige, der sich die Jugendlichkeit auch ins weitere Alter bewahrt hat: die Unmittelbarkeit der Empfindung, die Ehrfurcht vor allem Hohen, die Leidenschaft der Hingabe für das Große und die Großen. Sollte man nicht hoffen können, daß gerade unter Zionisten, also Menschen, die einem Ideal sich ergeben haben, sich viele solche Jugendliche auch unter den älteren und maßgebenden Führern finden werden, die den Sehnsuchtsschrei der Jugend, wie er aus Bernfelds Buch tönt, erhören und für die Idee der neuen jüdischen Erziehung in Palästina ihr Bestes geben wollten? Wie dem auch sei: wenn die jüdische Jugend nur selbst auf ihrem Rechte beharren, wenn sie die Ideen der neuen großen Jugendführer, denen Bernfeld sein Buch widmet, zu ihrer heiligen Sache machen ,61

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