Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ansprache
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 41 (sequence 9)
- Language
- German
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wird. Unser Ziel muß ein anderer Nationalismus sein, als es der der Völker Europas ist. Uns wird daher der Kosmopolitismus, der heute hoffentlich wieder zu Ehren gelangt, in keinen Gegen* satz zu unseren nationalen Idealen bringen. Unser Nationalismus kennt nicht das Ideal des Chauvinismus, sondern nur jenes, welches sagt: Du gehörst einer großen Familie an, die der Zu* kunft verantwortlich ist, die eine Aufgabe übernommen hat,, welche sie gemeinsam lösen muß. Diese Familie verlangt von Dir, daß Du bereit bist, Deine Interessen zurückzustellen, Dich einzugliedern in ein Ganzes von zwölf, vierzehn Millionen, wie Du Dich in deine eigene Familie von fünf oder sechs Mitgliedern eingliederst. Und wie Du für Deine eigene Familie zu jedem Opfer bereit bist, ebenso hat diese große Familie das Recht, von Dir ein Opfer zu verlangen. Sie, die jüdischen Studenten können diesem Nationalismus, der um die Liebe der Volksgenossen untereinander wirbt, den Weg bereiten, wenn Sie die Aufgabe, welche des jüdischen Studenten harrt, die schwierige Aufgabe der Selbstaufopferung und Hingabe an das Ideal nicht nur im Munde führen, sondern umsetzen in Ihr alltägliches aber furchtbar ernstes Leben, vom frühen Morgen bis zum späten Abend. EUGEN HOEFLICH BOLSCHEWISMUS, JUDENTUM UND DIE ZUKUNFT (Entwurf zu einem Essay.) In der berliner Zeitschrift „Die Arbeit" wurde letzthin von Ludwig Strauß eine Diskussion über Bolschewismus und Judentum eingeleitet. Wenn wir nun auch als Zeitgenossen heute noch kaum den ruhigen Blick zu einem richtigen Urteil haben können, darf dennoch versucht werden, noch ein paar .Worte — vielleicht von einem andern Standpunkte aus — darüber zu sprechen, Bolschewismus: lassen wir für einen Augenblick die Erinnerung an alle tendenziösen Zeitungsmeldungen, an die Taten sadistischer Marodeure des sozialen Kampfes und fragen wir uns 41