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Esra · 1919-01-01 · Heft 1 · p. Seite 28

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Esra
Volume
1 (1919-1920)
Issue
Heft 1
Article
Aufruf zum Sozialismus
Date
1919-01-01
Page
Seite 28 (sequence 2)
Language
German
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Weg, ist (trotz der skizzierten Organisationsformen in dieser Schrift) keine Einzelformung einer Gesellschaftsordnung. Vielmehr der Ausdruck des derMenschenseele organisch verbundenen Willens zur Gemeinschaft. Darum ewig dauernd. Darum auch das inkommensurable Gegenteil des Marxismus, dem Landauer mit glühendem Abscheu gegenübersteht. Weil Landauer den Menschen im Menschen ruft, während Marxens Lehre die Menschen gegen die Menschen stellt. Zeitliche, organisierte Form, wo die Menschensehnsucht nach ewig sich erneuernder organischer Bewegung lechzt. Landauers Schrift ist Bewegung, ist Stimme. Schon in der einige Jahre vorher in Bubers »Gesellschaft« erschienen Schrift »Die Revolution« hatte Landauer, in die Tiefen der Menschenseele hinabsteigend, die stetige Erneuerung als Inhalt der Revolution geformt und die Revolutionsseele des Menschen aufgerufen. Im »Aufruf zum Sozialismus« wird der Ruf stärker» menschlichen Landauer, den sie als Anarchosozialisten etikettieren, als Individualisten mißverstehen, als ästhetischen Sozialisten kleinhirnig belächein, ist hier um einiges, um eine Menschengeistspanne mehr: er ist der prophetische Künder des sozialistischen Elementes der Menschenseele, das angeboren ist und zur Erfüllung drängt Darum ewig sich erneut und in Ewigkeit wirkt. Landauer ist der Menschheits Sozialist. Seine Erneuerung heißt Geist des Sozialismus. Seine Ewigkeit; Land. »Land und Geist also — das ist die Losung des Sozialismus«. Das heißt, sachlich genommen: Landauer ist der psychologische Kritiker der stümperhaften Stellung des Marxismus zum Argrarproblem und weitet diese Kritik, eben weil sie das grundlegend Seelische heranzieht, zu neuem Bau. Und Landauer ist der zwingendste Erkenner der klitternden Halbheit materialistischer Geschichtsauffassung. Doch seelisch (also menschlich) genommen, heißt das: Landauers Schrift kündet die unanfechtbaren Menschenrechte am Leben und bekennt die unanfechtbaren Rechte der Menschen an sich selbst Durch diesen Ruf ist Landauer Menschheitssozialist und er, der Rufer, darf darum Gruß entbieten: »Euch, ihr Stammler, ihr Schweigenden, die ihr im Tiefsten, von wo kein Wort herausrollt, die Ahnung berget: unbekannte Gioße, ungesagte Kämpfe, inniges Seelenleid, wilde Wonnen und Wehen werden hiefür der Menschheit Teil sein, der Einzelnen wie der Völker.« Zeitlos, an keinen Kladderadatsch gebunden und an keine mattherzig-revisionistische Evolution ist dieser Sozialismus* Denn es ist Seele des Menschen. Gefühlt in der Seele eines Menschen. Aus dieser belebenden Kraft heraus hat die Sprache dieser Schrift etwas wunderbar Zeitloses. Die gewohnten Klänge und täglichen Worte haben hier etwas in sich, das über ihr dinglich bedingtes Sein hinausgeht. Nichts artistisch Formvollendetes. Nichts »Ge- 28

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