Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Auserwähltheit
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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sondern Wege zu Gott. Das, was ein Volk* für seinen Gott hält, ist nur ein Weg zum einzigen Gott und darum ist dieser Weg nur für dieses Volk der einzige Weg. Ist es denn wirklich erlaubt, zu behaupten, mein Weg, den ja nur ich gehen kann, sei der einzig richtige und alle anderen Völker müßten ewig irren, seien ewig verdammt; Diese Vorstellung ist umso absurder, als auch die anderen Völker so denken, oder so denken könnten. Das Resultat wäre dann eine Gesellschaft von eitlen Narren, die einander gegenseitig für metaphysische Nullen halten. Das kann unmöglich der richtige Weg der Menschheit sein. Da ist beinahe die erste Venrrung trotz ihrer Frevelhaftigkeit logischer! Es ist möglich, daß der Auserwähltheitsbegriff der Bibel diesen hier als Verirrung bezeichneten Gedanken enthält; daß es nach ihm nicht nur einen Gott, sondern auch nur den jüdischen Weg zu Gott gibt; — ich kann das hier nicht entscheiden. Auf eins aber kann ich hier hinweisen: daß in der heiligen Schrift das einzig richtige Heilmittel gegen alle Verirrungen und Gefahren dieses Begriffes gegeben ist: die Auffassung der Auserwähltheit als, schwere Pflicht. Wer von der unendlichen Schwere seiner Aufgabe durchdrungen ist, der ist gegen die Gefahr des Egoismus in beiderlei Gestalt am besten gefeit. FELIX WELTSCH (PRAG) Fanatismus ist nichts anders, als Vornehmheit der menschlichen Natur, die rasend geworden ist. Ku-HungrMing Denn aus dem, was wir Atheismus nennen, kommen so viele andere Ismen und Irrtümer, von welchen jedem sein Elend auf dem Fuße folgt. Thomas Carlyle Für den Orientalen ist die Tat, für den Okzidentalen der Glaube die entscheidende Verbindung zwischen Menschen und Gott. Martin Buber RUNDSCHAU — BÜCHER Aufruf zum Sozialismus Diese schmale Schrift Gustav Landaueis*) ist vor acht Jahren entstanden; und wird dauern,solange Menschen ruten »im Namen der Ewigkeit, im Namen des Geistes, im Namen des Bildes, das wahr und Weg werden will«. Denn der Sozialismus Gustav Landauers ist ein *) Paul Cassirer, Berlin 1919. 27