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Esra · 1919-01-01 · Heft 1 · p. Seite 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Esra
Volume
1 (1919-1920)
Issue
Heft 1
Article
Besinnung, Vergeistigung, Verantwortung
Date
1919-01-01
Page
Seite 23 (sequence 1)
Language
German
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ANMERKUNGEN Besinnung, Vergeistigung, Verantwortung „Sie sind ja doch das Volk der Prophetie, das Volk, das zuerst das Unbedingte in der Lebensführung anerkannte," Ein neuer Geist, so heißt es, geht durch die Welt. Der Glaube an ein Aufwärtsschreiten der Menscheit, eine Glaube also, kündigt sich allenthalben an in Worten und in Taten. Und die Wege des Einzelnen sind vorgezeichnet in dieser neuen Religion, deren Glut sich nur auf innere Selbsterziehung beziehen kann. Selbstbestimmung, Selbstbesinnung — wie könnte es anders sein als alle seine Kräfte, seine Instinkte reinigen, um sie diesem Glauben dienstbar zu machen, den uralten jüdischen Trieb zum »Unbedingten nach den beiden möglichen Richtungen zu entfalten: der Ausbildung der Persönlichkeit, dem Fall der eigentlichen Religion und der Umbildung der äußeren Verhältnisse, dem Fall des Sozialismus im weitesten Sinne. Die Selbstzucht trägt den Keim des ßerufenseins in sich, das davor bewahren sollte, die Verflachung, Politisierung, Demokratisierung der jüdischen Gesellschaft des Individuums als den Aufstieg zur letzten menschlichen Würde zu preisen. Eine neue, in die Welt tretende Religion wird zunächst die ganze Wucht der Begeisterung nach innen richten und die Überzeugung festigen, daß der innerliche, auf das Reich des Friedens, auf das Reich Gottes (das Ideal der großen alten Juden) gerichtete Wille die rechte Auswirkung von selbst finden wird. Der Glaube allein entscheidet. Wo er stark genug ist, quillt die Tat aus ihm. * * * Der Jahrmarkt der Ideen, der Schlagworte ist auch der Jahrmarkt der Eitelkeiten; er ist der Nährboden für die Verfälschung aller edlen Gedanken, für die Popularisation schmalbrüstiger Formeln der mit allerlei Fetzen schnell erraffter Kenntnis sich schmückenden Kulturträger, die von allem zu schwatzen wissen, weil sie von nichts wahrhaft ergriffen sind. Es wäre vernünftiger, wenn sie sich darauf besinnen wollten, daß jeder seinen kleinsten Platz ausfülle als von falschen Zielen geblendet oder von agitatorischen Elementen verlockt, sozusagen zwischen Tür und Angel des Lebens zu stehen und nirgends zu Hause zu sein. Fruchtbar ist nur das Ziel, sein persönliches Schicksal niemals auch nur in Gedanken zu trennen von dem des ganzen Volkes. Man muß es lieben wie es ist, auf jede Gefahr hin und unbekümmert um den Weg, den es nehmen wird, auch wenn er ein anderer sein sollte als der, den man im Herzen für es will und den die Schreier von der Straße ihm als den einzig zum Paradies 23

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