Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das Problem einer jüdischen Kunst
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 2)
- Language
- German
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den Produkten, für die wir leider noch langft nidit hingebungsvoll genug find, mit ihren ethifchen, äfthetifchen, rehgiöfen, fozialen Nebenbedeutungen. Sobald der Jude den ihm angeftammten Herd verlaffen hatte, änderte fich fein Verhältnis zur Gemeinfchaft, zur Familie, zum Befitz. Sein Heim verlor den feften Boden, er hatte keinen Mittelpunkt mehr für feine fozialen Bedürfniffe und darum blieb ihm nichts anderes übrig als Individualift zu werden. Wir fehen im Mittelalter feine Verfuche, auf den alten Kulturen Europas heimifch zu werden, den Raffeninftinkt zur Polygamie abzuftreifen und damit auch in neue Bahnen des Erotifchen einzulenken. Es ift eine neue, noch nicht anerkannte Tatfache, daß das phyfifche Leben des Juden durch die Umwertung des Gefchlechtslebens, indem er von der Vielweiberei zur Einehe fich wendet, einen individualiftifchen Zug annimmt. Zweifellos liegt eine tiefe Ver* wandfehaft zwifchen den erotifchen Antrieben und den anderen ftarken Phantafieentladungen vor, insbefondere den kunft* fchöpferifchen. Denn es ift unleugbar, daß auch im künftlerifchen Verhalten ältere Kräfte mitwirkfam werden und die individuell erworbenen durchfetzen: geheimnisvolle Synthefen von Einft und Jetzt, beidemale der Raufch einer heimlichen Wechfelwirkung. Ganz unmerklich gleitet äfthetifches Entzücken in erotifches über. Und darum können wir den Kunfttrieb eine Wiedererweckung des Urälteften nennen, eine Belebung jener Inftinkte, die durch Gefetz und Tradition gebunden, jetzt allmählich freizuwerden beginnen. Im Künftler zerbricht nun ferner fein befonderer Zuftand die Norm und letzte Erklärung diefes Phänomens liegt ausfchließlich auf geiftigem Gebiet Deswegen muß diefes erft alles Problematifchen entkleidet werden. Das geiftige Leben des mittelalterlichen Juden beftand im Zurückfehauen, im Umwenden nach Gewefenem, im Sehnen nach einem Ideal, das zertrümmert war und das die Erregung des Gemüts und der Wünfche der Seele niemals zu neuem Leben erwecken konnte. Diefes Sehnen ging unerfüllt durdi fein ganzes Leben und das ift auch das Tragifche des niemals fich erfüllenden Geiftesmenfchen, daß er für den Inhalt feines Denkens keine fefte körperliche Form finden und fich darin begrenzen kann* Das ift die Tragik der großen Propheten, der großen jüdifchen Dichter in Spanien, ihr immerwährendes Ausholen zur Tat, ihre 9