Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 15-16 (30.4.1921)
- Date
- 1921-04-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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SEITE 6 FREIE TRIBÜNE NR. 15-16 Die französische Jugend gegen den Krieg. In einer der letzten NummeTm der „Humanite" (Pt*ris) veröffentlicht eine Anzahl kommunistischer Organisationen de« Bei»e-Departemenls einen Aufruf gegen die» Mobilisierung, der mit folgenden Worten schUoßt: „Wie 1014 wird man euch mobilisieren, wie 1914 wird die Mobilisierung den Krieg bedertea. Um, die alten Kriegsschäden 7A\ reparieren, wird der Krieg neue Schäden verursachen. Entweder das Gold dea deutschen Volkes, das für den Krieg nicht mehr verantwortlich ist als das französische Volk, oder das Blut ron Millionen \Männern. Wählet also! Deshalb werdet ihr mil uns sagen: "Weder Mobilisierung, noch Krieg, eher Generalstreik, eher Ungehorsam, eher Revolution!" Die kommunistische Jugendinternationale. Ami Öor Konferenz der Jugendintornationalo wurde zur ^Weltpolitischen Lage" folgende Resolution beschlossen: . 1. Der Weitkongreß der K. J. J. steilt fest, daß in dem jetzigen Stadium des revolutionären proletarischen Kampfes es nicht mehr genügt, als die Grundlage des proletarischen Kampfes fcommiunistische Massenparteien zu schaffen, sondern die Hauptaufgabe ist die Entfesselung einer ununterbrochenen Reihe von Aktionen. Die kommunistischen Parteien haben allerdings die wichtige Aufgab© der Durchdringung der Massen mit kommunistischen Ideen, aber die wirksamste Verbreitung der Idee ist die Aktion selbst. Es ist wahr, daß die Idee zur Gewalt wird, wenn sie die Massen ergreift, aber ebenso wahr ist es, daß die Gewalt zur Idee wird, wenn sie als Massenhandlung in Erscheinung tritt. Gerade die kommunistischen Jugendorganisationen als die alctivsten Teile der kommunistischen Bewegung haben die Pflicht, gegen ieden von rechts und von links kommenden Opportunismus zu kämpfen, welcher alles von dem spontanen Ausbruch der Massen erhofft, welcher fortwährend darauf wartet, daß die Massen in Bewegung kommen sollen, weicher immer sagt, daß: die Aufgabe der komauuiisliächen Organisationen riur sei, sich an die Spitze schon ausgebrochener proletarischer Massenbewegungen zu stellen. Die Jugendorganisationen als die aktivsten Teile der kommunistischen Bewegung müssen innerhalb der kommunistischen Parteien gogen diesen opportunistischen „Wunderglauben" auftrete«, und betonen, daß heute die wichtigste Aulgab'c aller kommunistischen Parteien ist, die Initiative zu Aktio- »ue* zu ergreifen. Die Partei kann durch energisches, zielbewußtes Auftreten nicht nur bereits in, Gang gekommene Aktionen weitertreiben, sondern selbst große Massenbewegungen auslösen- Die kommunistischen Parteien dürfen nicht abwarten, bis durch, die Propaganda der letzte Proletarier Kommunist wird, und ebenso dürfen sie sich nicht die Getteize ihres Handelns durch die Reaktion vorschreiben, lassen. Ira heutigen Stadium der ökonomischen und sozialen Krise des Kapitalismus müssen die K. P. überall die Initiative ergreifen* Aktionen durchführen, die uus das Vor trauen dor Maasen erwerben, das Proletariat zum Kampfe führen •und die Bourgeoisie überall in die Defensive drängen. 2. Dur erste Kongreß der K. J. hat die prinzipielle S*eliung der kommun stischen Bewegung umschrieben. Der zvre«e KongreB hat die wichtigst ju takli-sohen Aufgaben der K. P. festgestellt. Die taktische Einstellung der K. J, eu wirklich revolutionären Aktionen hat überall innerhalb der K. P. opportunistische Strömungen enthüllt Der Weltkongreß der K. J. J. spricht ans, daß der kommende dritte Kongreß der K. J. die Hauptaufgabe haben wird, organisatorische Garantien gegen die von rechts tfnd links auftauchenden,, opportunistischen Strömungen zu schaffen, die unter den Losungen „Verwestlichung und Dezentralisation dor Internationale", „Gegen den Moskowitismus", „Spontanität der Massen", „Keine isolierte uns von der Masse trennende kommunistische Aktionen" usw. eigentlich eine uuiefcislisoke, auf Wunder wartende,, das Handeln i^s Ungewisse verschiebende, also antikonamunistische Richtung daist ollen. Der Weltkongreß der K. J. macht den kommunistischen Jugendorganisationen aller Länder zur Pflicht, in alle* K. P. diesem Opportunismus sofort entgegenzutreten und damit den dritten Kongreß der K. J. wirksam vorbereiten zu, helfen- Ebenso wie sie die Aufgabe haben, die führende Roüo dier K. P. in der revolutionären Bewegung hervorzuheben, müssen sie für die Führerrolle der K. J. eintreten' uadi die internationale Zentralisation durchsetzen Keifea. 3. Für die dringendste Aufgabe auf dem Wog zu dieser offensiyen revolutionären Taktik hält der Weltkongreß der K, J. I. th> ideologische und organisatorische Einstellung der Kommunistischen Organisationen und der proletarischen Massen auf den Bürgerkrieg. Vom ersten Kongreß der K. J. bis Halle, Tours und Livorno war ein langer Prosseß notwendig, um breite proletarische Massen für die Diktatur des Proletariats zur praktischen Organisierung des Kampfes fortschreiten zu lassen- Heute ist dio Parole des Bürgerkrieges ebenso noch ein Lippenbekenntnis und als aklirster Teil der kommunistischen Bewegung hat dio kommunistische Jugend deshalb die Aufgabe, für den Fortschritt der köinmunististfren Massen zur organisatorischen Vorbereitung auch des Bürgerkrieges zu wirken. Eben deshalb müssen die Jugendorganisationen innerhalb der K. P. all? ihr© geistigen und organisatorischen Krä.te zur Lösung der Aufgabe der illegalen Organisation hergeben und überall die dringende Wichtigkeit erkennen, neben der Dosoiganisterdng der bewaffneten Kräfte der kapital stischem Staaten und Bourgeoisien die eigene militärische Organisation dor proletarischen Kräfte durchzuführen. Der Weltkongreß der IC. J. I. stellt fest, daß, die unblutigen Siege der proletarischen russischen Revolution 1917 und der ungarischen proletarischen Revolution 1919 sich heute in den Ländern Mittel- und Westeuropas nicht wiederholen können. Die bewaffneten Kräfte der kapitalistischen Staaten gegem ilas Proletariat sind heute, nicht mehr nur Massenarmeen, die durch Soldat'enrate zu desorganisieren und auf die Seite der Revolution zu bringen sind. Die Bourgeoisie hat überall bewalfnete Klasseuorganisaüonen (Reichswehr und Orgesch in Deutschland,, Guardie regie und Fasoisti in Italien, OÜMersdetaohemants und „Erwachende Kngarn" in! Ungarn, Pinkertoukompagnien in Amerika, farbige Truppen in Frankreich). Rote Massenarmeen kann man vor Eroberung der Macbi dnreh das Proletariat nicht aufstellen, aber ohne bewaffnete Organisationen des Proletariats kann man die Maoht ebensowenig erobern, wie man ohne zielbewußte, planmäßig gesteigerte Aktionen» ohne rücksichtslose offensive Taktik die ökonomische und soziale Krise des Kapitalismus aur Entscheidungsstunde der Weltrevoliition umwandeln kann« AUS UNSERER BEWEGUNG. Polen. Langsam legen sich die Wellen der reaktionären Umtriebe. Die Repressalien gegen die Arbeiterbewegung haben zwar ihre Intensität und Konsequenz nicht verloren, aber sie treten jetzt unter Ausschluß der 0Öffentlichkeit und mit einer gewissen Scheu auf. Somit ist es auch kein Wunucr, daß die Arbeiterbewegung mit größerem Elan auftritt. So sehen, wir auch im entschlossenen Eingreifen unserer polaischen Landespartei Anzeichen einer Erstarkung der Organisation eilen und politischen Tätigkeit der jüdischen Arbeitermassen. Man kann doch schon feststellen, daß das Pn-rteiblatt eine längere Zeit erscheinen kann, ohne konfiszier zu werden, daß Versammlungen staltfinden können und daß das organisatorische Leben im Aufschwung begriffen ist Diese Situation verhalf auch der nach der Spaltung unserer Weltbewegung auf der V. Weltkonfereuz gesci.Viie - nen Lage zur raschen Klärung. Eine gewisse Ze.t lang, während deren durch geschickte Ausnutzung verschiedener Un)3l;Ud© die Emissäre des rechten Verbandes Verwiirjng stiften konnten, hatten ihre Bemühungen soweit Glück, daß r-!e kleine Gruppen absplittern konnten- Die in Westgalizien gegründete „unabhängige Fraktion", welche i3äiglich den £wrck halle, ein politisches Alibi für den ML a ndatsuiebstaal des Abgeordneten; Doktor Schipper ab'zugolen, erfreute sich einer Gefolgschaft vou Studenten und '.L-tigen Privatbeamten, die aus der alten P a simanilc- >3 c h u; e stammend, von der Weiterentwicklung deö poaJo/äonistischen Gedankens weder etwas dazugclornt, noch etwas dazu gedacht hatten. In Kongreß- Polen waren os„ganz lose Grüppchen, die aus mangelnder Informiertheit den „Unabhängigen" Gefolgschaft leisteten. jNach Rückkehr der Weltkonferenz-Delegierten und einar ausgiebigen/ Aufklärungspropaganda hat sich die Situation jedocJi vollständig geklärt." Verschwindend kleine Teile, fast nur einzelne Personen splitterten ab. Die „unabhängige" Fraktion hatte am 17. d. M. eine Konferenz in Krakau, bei der sie sich als selbständige Partei konstituierte, die die Landespartei des rechten Verbandes repräsentiert. Auf dieser Konferenz war deutlich wo. orkeimon, daß sie auch an ihrem Ausgangspunkte, in Westgalizien, über keinen nennenswerten Einfluß verfügen. Die Partei als Ganzes jedoch ging aus dieser Krise nur innerlich gefestigt hervor und schreitet jetzt daran, die ganze Bewegung in Polen auf der Grundlage der bekannten. Bcdin gungeu', der Thesen und Statuten der III. Internationale neu aufzubauende Möglichkeiten einer in aufsteigender Linio sich befindlichen Arbeiterbewegung sind sowohl in politischer wie auch in wirtschaftlicher Hinsicht sehr groß. ■ Uns3re Landespartei steht in engem Kontakt mit dem revolutionären Proletariat des Landes. So hat sie eifrig und energisch beim Kampfe gegen die Militarisierung der Bahnen und beim Generalstreik mitgewirkt. Die Vorstallungen, die man) an Hand der sozialen und politischen Ereignisse von der inner- und äußer-politischen Lage Polens gewinnen kann, weisen auf die bedeutende Rollo hin, die einer zielklaren und klassenbewußten revolutionären Bewegung zufallen muß. Dessen ist sieii das jüdische Proletariat auch vollauf bewußt und. wir können daher das allmähliche Erstarken uuserer Bewegung mit Genugtuung konstatieren- Ost-Galizien. Die letzte ostgalizisohe Konferenz hat die Tatsache der Spaltung in unserer Weltbewegung mit Nichtbeachtung behandelt. Gesiegt hat die sogenannte „neutralistische" Richtung, deren Fülnei aber offen und unmaskiert die Politik des rechten Ve/bandes gemacht haben. Der Zustand war unleidlich. Daher sahen sich beide Seiten, sowohl der linke wie auch der rechte Flügel gezwungen, energisch innerhalb der künstlich als Einheit erhaltenen Bewegung Propaganda zu treiben. Die Rechten nützten hre Machtpositionen in den verschiedenen Parteiinstitutiouen rücksichtslos aus. Alles winde in den Hünden absolut „verläßlicher" Elemente koneentrieri die „tmverläßlichen" wurden beiseite geschoben oder aus der Partei ausgeschlossen, wie z. B. die Genossen Langenmaß und Markscheid in Kolomea. Die kommunistischen Elemente führten innerhalb" der organisierten Proletarier ein« energische Aufklärungspropaganda. Und ihre Arbeit war trotz des Terrors der „Rechten" und „Neutralen" mit Erfolge gekrönt. So wurden bei den Wahlen zum Gewerkschaftsrat in Lemberg kein einziger von den opportunistischen Genossen gewänlt, sondern nur Kommunisten. Dieser Umstand beunruhigt die rechte Führung der Partei. S e arbeitet daher mit Volldampf einer Spaltung entgegen und wir können in der nächsten Zeit entscheidende Nachrichten erwarten. Für jeden Fall aber st schon jetzt der Beweis erbracht, daß die sogenannte Parteieinheit den rechten Elementen nur dazu dient, die Maske für ihre opportunistische reformistische Politik abzugeben. Jugendgenossen I Kommet pünktlich und vollzayig zu unserer, am Sonntag, den 1. Mai, um halb 9 Uhr vormittags, stattfindenden Festversammlung Sodann Teilnahme an dem Demonstrationszugie der Jüdischen Sozialistischen Arbeiter-Partei „Poate-Zion" sowie an den künstlerischen Darbietungen irnKieinew Musikvereinssaale um 7 Uhr abends. * Voranzeige: Im Monate Mai veranstaltet unser Verband folgende Vorträge im Ärbeiterhdm, Blumauergasse Nr. 1. Montag, den 2. M;ai spricht Gen. Nagler über „Die Lage der jüd.-soz. ÄrbeiterJjugend in Po teil und Galizien". Montag, den 9. Mai Gen. Arje: Thema: „Die Aufgaben dsr jüdischen Arbeiterjugend in Palästina,". Dienstag, den 17. Mai: Gen. Sagon: Thema: „Die jüd -soz. Arbeiterjugend und die KommunistiiC'he Jugend internationale." Montag, den 23. Mfai: Gen. Ohaschin: Thema: „Die Kulturaufgaben der jüd.-soz. Arbeiterjugend'." EINGESENDET. Verein „Freie jüdische Volksbühne". Donnerstag, den 5. Mai, um 9 Uhr vormittags, findet im Theatersaale der „Freien jüd. Volksbühne" öiao UitgUederversammlung statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Erhöhung des Monatsbeitragcs von K 12.— aui K 20—. Legitimationen sind mitzubringen! Mitglieder, denen die Legitimation abhanden gekommen ist* können int Vereihssekretariate Duplikate gegen eine Gebühr von K 5.— erhalten. Das Sekretariat amtiert an Werktagen von 7 bis 0 Ulnabends. An Sonnund1 Feiertagen von 10 bis 12 Uhr vormittags. Mitglieder erhalten Freikarten zu den Nachmiftugsvov-■ Stellungen eines jeden Samstag und Sonntag, zu den Abendvorstellungen 50 Prozent ermäßigte Karten. Vereinssitz: 2., Untere AugartenstraBe ll_(Caf<3. „Rembrandt'O- Verband jüdischer proletarischer Hausrfauen __in Wien. Wir teilen mit, daß unsere R2paraturiföe?ftsfä(f@ IL, Heine^traße (früher Kaiser Josefstr.) 15, I. St. bereits eröffnet ist und. alle Ausbesserungen an Kleidern, Herren-, Damen- und Bettwäsche ontgegennimmt. Billigste Be echnung! Der Ausschuß. Unsere Veranstaltungen zum ersten Mai : HOM Sonntag, halb 9 Uhr vormittags im Arbeiterheim, IL, Blumauergasse 1 Massenversammlung Referenten: NAGLER, KOHN--EBER, KANDEL, CHASCHIN Halb 10 Uhr Demonstrationszug zur Votivkirche, Anschluß an das"demonstrierende kom« » munistische Proletariat Wiens Halb 3 Uhr nachmittags, im Arbeiterheini Festversammlung „Ein Tag des Kampfes und der Arbeit" Referent: CHASCHIN "7 Uhr abends im Kleinen Musikvereinssaale MAIFEIER unter Mitwirkung der Künstlerinnen: Frau Elisabeth Markus <Deutsd\es Volkstheater). „ Kamilla Palffy <Konzertsängerin). „ Lina Los <Aus eigenen Werken). „ Sokolskaja XJüdisdie Volkslieder). und der Künstler: Herr Rudolf Braun <OrgeUKonzert). „ Hugo Gottesmann (Violine). „ N. Bandler <Volksoper). FESTREDE Dr. Hcrsch Nagler. liarausgeber unC verantwortlicher Eedakteur: Bubin Giücksmanc „Adria", DrrcJc- und Verlagsgesellschaft m. b. IL, Wien, II-, Taborstraße 5»«.