Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 15-16 (30.4.1921)
- Date
- 1921-04-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Hart gegenüber stehen sich zwei Welten: die siegreichen, äußerlich und innerlich immer mehr erstarkenden Sowjetrepubliken und .die dem unaufhaltsamen Untergang geweihte Herrschaft des Imperialismus. Die wirtschaftliche Katastrophe und die politische Verwirrung der aus dem Weltkrieg als Sieger oder Besiegte hervorgegangenen kapitalistischen Staaten bedeutet den Untergang der Zivilisation und der ganzen Menschheit. Die Erlösung verbürgt nur das siegreiche Vordringen der p r o [ et a r is ch en, s o z i a 1 i s tis ch e n W e 11 r e v o 1 u t i o n. An den harten Tatsachen des beutegierigen Imperialismus und der zusammenbrechenden kapitalistischen Wirtschaft zerschellen auch, die Illusionen eines Teiles einem jetzt zu erreichenden „nationalen Heim" in Palästina unter der Obhut Englands. In dem entscheidenden Kampfesmoment erkennt der zieU und klassenbewußte revolutionäre feil des Proletariats, erkennt sein jüdischer Truppenkörper/ die kommunistischen Poale Zion, seine historisch notwendige Aufgabe: in der Ausrottung des Sozialreformismus und Sozialpatriotismus in all seinen, das kämpfende Proletariat lähmenden Auswirkungen,- in der Sammlung und Organisierung der arbeitenden Massen in der kommu* nistischenlnternationale, auf de^ Bastionen seiner siegreich kämpfenden Feste Sowjetrußland, in der Vorbereitung und Wappnung zur direkten revolutionären Aktion für die Machtergreifung des Proletariats in allen Ländern, für die Errichtung des Bundes der Sowjetrepubliken. Jüdische Sozialistisch© Arbeiterpartei PoaSe Ziön in Oesterreich- Das Verbandsbüro erläßt folgenden Maiaufruf: An alle jüdischen Proletarier! Genossen und Genossinnen! Das vergangene Jahr bildete eine drückende, schwere Pause in der Weltrevolution. Noch: nie trat die Ohnmacht des durch den Krieg zerklüfteten und durch den Reformismus verführten Proletariats so deutlich zu Tage, als gerade jetzt, da sicti die Lage der Weltwirtschaft immer kritischer gestaltet, da das Elend und die Not der Massen immer unerträglicher werden, da die Katastrophe immer näher rückt. Der Zusammenbruch der Industrie, durch1 den Mangel an Rohstoffen in den besiegten Ländern verursacht, und die Krise des Weltmarktes, eine Folge der Ueberproduktion in den siegreichen Ländern, ruinieren immer mehr die schon durch den Weltkrieg arg zerrüttete Weltwirtschaft. Die Arbeitslosigkeit nimmt nicht nur in Ost- und Mitteleuropa, sondern auch in Westeuropa und Amerika immer bedrohlicheren Charakter an. Der siegreiche Entente-Imperialismus, der derzeitige Beherrscher der Weltwirtschaft, gerät immer tiefer in die Sackgasse bei seinen krampfhaften Bemühungen, die Produktion wieder in die Höhe zu bringen und ihr die frühere normale Entwicklung zu öffnen. Aber nicht nur wirtschaftlich, auch politisch wird die Situation immer drückender und drohender. Die Verteilung des Raubes wird dem siegreichen Entente-Imperialismus zum Verhängnis und schafft immer größere und tiefere Gegensätze unter den einzelnen siegreichen imperialistischen Staaten. Der einzige Kitt, der sie an ein and zr knüpft, ihre gemeinsamen Interessen gegen den gemeinsamen Feind, den deutschen Imperialismus, verliert von Tag zu Tag an Kraft, gegenüber den gegensätzlichen Interessen, die sie auseinander reißen. Der Imperialismus, der uns schon einmal den Weltkrieg beschert hat, kann wieder keinen anderen Ausweg aus seinen Widersprüchen finden, als eine neue Menschenschlächterei und neue Kriege. Wenn die Revolution noch länger auf sich warten läßt, und das Proletariat noch länger im reformistischen Sumpf, in der leeren ausgehöhlten Form der bürgerlichen Demokratie verharrt, dann gewärtigen wir neue Verwüstungen, neue blutige, grausame Welterschütterungen. Jählings in den Abgrund, geht in geschichtlich unvermeidlichem' Sturze die kapitalistische Weltwirtschaft. Als eine leuchtende Flammensäule erhebt sich vor den Augen des revolutionären Proletariats aus der Wüste des kapitalistischen Europa die aufsteigende Macht Sowjetriißl!ands. Sowjetrußländ hat in einsamem isoliertem Kampf unter den schwierigsten Bedingungen den Anprall' des vereinigten, allmächtigen Welt-Imperialismus abgewehrt. Sowjetrußländ hat unter den schrecklichsten Opfern, die ihm Not, Hunger, Seuchen und Blockade auferlegten, eine konterrevolutionäre Armee nach der andern geschlagen, Frankreich1 zum Verzicht auf bewaffnete Intervention gezwungen, England genötigt, mit ihm ein Handelsabkommen zu treffen; es hat den Bürgerkrieg liquidiert und geht jetzt an sein eigentliches Werk: den Aufbau der neuen sozialistischen Gesellschaft. Und trotz alledem ist das europäische Proletariat machtloser denn je, trotz alledem wird die große, einheitliche Aktion des internationalen Proletariats, der einheitliche machtvolle Sturm auf die Wälle der kapitalistische Ordnung in zahlreichen Einzelaktionen und episodischen Kämpfen verzettelt. Das italienische Proletariat ringt schwer mit seiner Bourgeoisie, die in ihrem Kampfe immer frecher, zynischer und brutaler wird; es lodert immer glÜfe^-Ild-Cf- ££l*9l4*tjQF3^ telbaren, bewaffneten Kampfe beim verzweifelten Sündenbock des Weltkriegs, dem deutschen Proletariat Immer unruhiger, pulvergefüllter, entladungsbereiteiwird die Stimmung unter den braven bürgerlichtrade-unionistischen englischen Arbeitermassen, in gärende Bewegung geraten die ausgebeuteten K o! o n i a 1 v ö I k e r, Streikwelle auf Streikwelle überflutet auch Amerika wie alle .anderen Länder, Streiks, die aus Lohnfragen erwachsen und Million:« von Arbeitern in Bewegung setzen, Konflikte erzeugen, welche bei den jetzigen. verschärften Gegensätzen zwischen Kapital' und Arbeit naturnioiwendig in den Kampf um die politische M;acht übergehen müssen. Wer steht nun dem internationalen Proletariat iml Wege, wer hindert es daran, seine Reihen zu schliessen zur gemeinsamen, einheitlichen Front wider die einheitliche Front der Weltreaktion? Mehr als alle: die reformistischen, menschewikisehen Parteien von rechts und vom Zentrum. Alle diese beWußten und' unbewußten Helfershelfer der Bourgeoisie, die mit oder ohne Bewußtsein die alten, patriotischen Vorurteile der zurückgebliebenen Arbeiterschaft nähren, sich auf eirte besserbezahlte Arbeiteraristokratie stützend, sie bringen Verwirrung in die Reihen des internation/aJenf Proletariats, sie erhöhen die Grenzwälfe zwischen Völkern und Ländern, lähmen den Kampfeswillen, sie demoralisieren die Massen und zerstören immer mehr die Möglichkeit einer einheitlichen revolutionären Front. Diese Wortsozialisten und Parlamentsredner haben durch ihre offizielle politische Koalition in den besiegten und durch ihre inoffizielle tatsächliche Koalition in den siegreichen Ländern der kampfscheu gewordenen Bourgeoisie die nötige Atempause zur Wiederaufrichtung ihrer Diktatur gegeben. Sie sind es, die das deutsche Proletariat der deutschen Konterrevolution ausgeliefert, (die die Interessen des polnischen Proletariats an Pulski verschachert und die die polnische Schlachta verraten haben; sie sind es, die Thomas und Henderson's, die die englischen Grubenarbeiter schmählich verraten haben; sie sind es schließlich; die die Kraft des Proletariats gebrochen, den Sozialismus in ein leeres Wort und den ersten Mai in eine lächerliche Parade verwandelt haben. Für diese Leute mit „revolutionärem Aushängeschild" bedeutet der erste Mai eine Gelegenheit zu gemütlich-bürgerlichen Unterhaltungen. Für die kommunistisch gesinnten Proletarier, denen der Ernst und die Schwere der Aufgaben des unmittelbaren bewaffneten Kampfes, denen das Proletariat entgegengeht, zum Bewußtsein gekommen ist, darf auch der erste Mai nicht eine Gelegenheit zu Paraden und schönen Reden werden, sondern ein Tag der Mobilisierung und Bereitstellung zum Kampfe,