Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 10 (26.3.1921)
- Date
- 1921-03-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Vor fünfzig Jahren unternahm das Pariser Proletariat den ersten heldenmutigen Versuch, die Diktatur seiner Bourgeoisie zu stürzen. Zum ersten Male in der Weltgeschichte ward uns das Vorbild der sozialistischen Revolution gegeben. Unter all den kleinen und großen sozialen Erhebungen, bei denen, die Bourgeosie die Opfer des Proletariats zum eigenen Frommen ausnützte, ist die Pariser Kommune nicht bloß durch die eigenen Kräfte des Proletariats, sondern auch für seine ureigensten Zwecke errichtet worden. Die Pariser Kommune ist die erste große Erfahrung gewesen, die das Proletariat auf dem Wege zur politischen Herrschaft gesammelt. Im harten Kampfe für den Kommunismus wagte es, auf den Ruinen des bürgerlichen Staates die Staatsform der Arbeiterklasse zu bauen — die proletarische Diktatur. in das, Jinst^ cUe Pariser Kommune zuerst die Losung der Weltrevolution und demonstrierte so die internationale Brüderlichkeit. Ueber der Pariser Kommune flatterte hoch die rote .^ahne der sozialistischen Weltrepublik Doch gegen sie vereinigte sich die verräterische französische Bourgeoisie mit dem — gestern noch — nationalen" Erbfeinde; mit der Hilfe der preussischen Junker erstickte sie in einem Meere von Blut die erste proletarische Kampftruppe der Menschheit. Gering noch waren damals ihre Kräfte und zu schwach die internationale Solidarität des Weltproleiariats. So mußte das revolutionäre rote Paris vor dem blutbesudelten schwarzen Versai lies un terliegen. Das große Vermächtnis der Pariser Kommune wurde von dem europäischen Proletariat vergessen. Im Sumpfe des Opportunismus versank die sozialistische Bewegung, bis sie ihren Zusammenbruch, ihren völligen Bankerott fand — in dem Wirbel des Weltkrieges. Doch den Abgrund, den die Pariser Kommune zwischen der bürgerlichen Ordnung und dem Proletariate gegraben, konnte auch kein Sozialpatriotismus überbrücken. Gebieterisch stellte d e r K r i e g die soziale Revolution auf die Tagesordnung der Geschichte. Auf den Ruinen, die der Weltkrieg zurückgelassen in der Zeitepoche des größten geschichtlichen Zusammenbruches, lebte die Pariser Kommune wieder auf. Was die heldenmutigen Pariser Kommunarden begonnen, — wurde von dem revolutionären Proletariat .Rußlands aufgenommen und — fortgesetzt. Sowjetrußland wurde zum getreuen Erben der Kommune auserkoren, die kleine Kommunardengruppe von 1871 lebte wieder in der großen roten Kommunardena> mee des proletarischen Rußland. Die Pariser Kommune war der erste Angriff der proletarischen Revolution ™- Räterußland ist ihr erster Sieg, Die Pariser Kommune war die vorzeitigeKampfansage der sozialen Revolution, Räterußland ist ihr zeitgemäßer Ausdruck. jetzt, da die kapitalistische Wirtschaft ihrem Zusammenbruche nahe ist, da das Proletariat nur einen einzigen Weg zur Rettung findet — die Diktatur, jetzt ist Räterußland, der Anfang vom Ende der Bourgeoisie, der letzte entscheidende Kampf zwischen der alten und neuen Welt. Aber jetzt, so wie einst, verbinden sich alle finsteren Mächte zum Angriff gegen die Arbeiterklasse. Versailles ist wiedernm das Symbol der internationalen Reaktion, des blutigen Kampfes des ausbeuterischen Kapitals gegen die Revolution. Zum Angriff gegen die neue Kommune —- Räterußland — marschieren geschlossen der siegreiche Ententeimperialismus und der geschlagene deutsche Militarismus. Wie einst Paris, so steht jetzt Moskau gegen Versailles in Waffen. Doch es hegt nicht bloß den Glauben an seine heilige Sache, sondern auch die bewaffnete Kraft — seine Rote Armee. Moskau steht nieht bloß im Zeichen seines Rechtes, sondern auch seines Sieges gegen das zynische Versailles. Die Pariser Kommune fiel durch ihre Isolierung in der kapitalistischen Welt; Räterußland wird mit der Hilfe des internationalen Proletariats, das überall seinen Kampf gegen die Bumgeoisie aufnimmt, den Sieg erringen. Alle diejenigen, die noch im jetzigen entscheidenden Zeitpunkte der Geschichte dem Kampfe fernbleiben, die so unmittelbar oder mittelbar die Reaktion unterstützen, verraten das große Vermächtnis der Pariser Kommune. Das internationale Proletariat hat nur eine Möglichkeit, das Andenken der Pariser Toten zu ehren — durch Fortsetzung ihres Kampfes wird es ihte Fahne, die Sowjetrubland aus dem Staube gehoben überall aufpflanzen 1 Es lebe die Kommune! Im März 1921. Verbandsbürx) des allweltlichen jüdische sozialistischen Arbeiterverbandes Poale-Zion Der 18. März 1871. Seit 1789 existieren in Frank reich keine Klassen mehr! - .... .... S o. .wenigstens-, schrie...... ~uncL xerJ^widete 'die.»triuniu. phierende französische Baurgeoisie, nachdem sie sich durch ihre „Große Revolution" ihres Klassenfeindes, der Feudalaristokratie, entledigt, nachdem sie ihre Mission, „den Volks willen zum Gesetz und zur Wirklichkeit erhoben zu haben", als erfüllt betrachtet und behauptet hatte. Dies war auch das Schlagwort all der bürgerlichen Geschichtsschreiber, all der Guizot und Thiers geworden, die nicht müde wurden, zu beweisen, daß das von ihnen selbst entdeckte Klassengesetz der historischen Entwicklung, von nun an, „unter der Herrschaft der Demokratie, außer Geltung und Wirkung sei. Auf diesem Gipfel ihrer „absoluten" Erkenntnis, von diesem Standpunkte ihrer „republikanischen Ideologie" wähnten sie all die Verbrechen, die das emporwuchernde Bürgertum über das französische Volk unermüdlich gehäuft, all die Schandtaten, die es unter dem Regime des Königtums, in der Junischlächterei der Pariser Proletarier und zule;zt unter dem Byzantinismus des dritten Napoleon begangen, als nicht gegeben, als nicht die Sühne der historischen Nemesis erheischend. Doch wie sehr auch diese bezahlten Kreaturen sich bemühten, die Geschichte des 19. Jahrhunderts, den Triumph und Fall des einst revolutionären, jetzt reaktionären dritten Standes nach ihrem Sinne zu „deute n" und zu fälschen, sie konnten sie doch nicht ändern. Wie sehr sie sich auch in die Brust warfen, als die Enkel und Nachfolger der Volksfreunde, der Marat, Danton und Hebert, zu gölten, jene Männer der proletarischen VorsUidfce von Paris, die Ohjnehosen-Leute als ihr Piedeslal zu benutzen, sie vermochten doch eine Tatsache, einen Faktor der französischen Revolution, nicht zu ändern, nicht auszumerzen : j o n e n viertenStand, der seinem älteren Bruder so oft hilfreich unter die Achsel' gegriffen, der seine jaScc/binipcho „Unversöhnliohke t" den windelweichen „Gemäßigten der Gironde" efitgegenwa,jKl;, umtaustfnd Volksarmeen aus dem Boden zu stampfen und durch sie die konterrevolutionäre Brut der eignen und fremden Reaktion zu vernichten. Wer der :echte< Erbfolger, f dor Fahnenträger jener Helden der Bergpartei, des Konvents und der revolutionären Armeen war, sollte die Entwicklung der französischen Bourgeoisie im .19. Jahrlhundert, ihr, byzantinischer Kniefall vor dem. Szepter des Korsen, ihre schmähliche Kapitulation vor den Puppen der bourbonischen Restauration, ihr schnöder Verrat an der Sacho der Republik, die sie unaufhörlich von, der Julirevoluüon bis zu den Mänz- und Junitagen vor 18.48 geübt hatte, unwiderleglich dartun. Wurden auch die revolutionären Jakobinermassen durch die Kriege des ersten Bonap&rte, dieses personifizierlen Ausdruckes der zum räuberischen Imperialismus aufstrebenden Bourgeoisie wurden sie sodann d.urch all die Ränke und Schliche der bürgerlichen und königlichen Voiksverführer entblutet und dezimiert — wieviele liegen nicht unter dem Bastilleplatze begraben, die für den fremden Moloch sich schlachten ließen — so lebte ojÄ »11.e,5V.lk noch f o r t, als die Bourgeoisie die schwärzeste Seite ihrer Geschichte aufschlug: das zweite Kaiserreich des zweiten Bonaparie. Nicht stets kann man freilich auf die Proletaricrmörder vom Schlage eines Oavaignec rechnen, auch, der Aderlaß der Junitage läßt ja die verbrecherische Regierungjs'klasso der II. Republik nicht ruhig schlafen, und so liefern sie zum zweiten Male ihre „bürgerliche Freiheit'", ihre ruhmvolle „Demokratie" dem Cäsarenwahnsinn der Napoleoniden aus .... Der 18. Brumaire, sodann die Mexikopanamen, die Romwallfahrt, die byzantinische Willkür und Korruption, unahi(hailtsamer Zerfall, dies sind die Attribute, mit welchen die hoffähig gewordenen Republikaner und Liberalen des französischen Bürgertums „ihr Frankreich" schmücken. Denn sie haben sich schon zur Gänze prostituiert und geben auch einem Fifi-Napoloon, wie sie es einst bei dem ers'en getan, das Vnli: zum imperialistischen Kriege hin. Nach Berlin, nirdi Berlin . .'. schreien sie stets. Dies war. die Rolle, welche die französische Bo•■•> geoisie in ihrem so raschen Aufstieg^, zur regierend -)\ Klasse, zum „Volkswillen" gespielt. Mögen auch ihvo Geschichtsschreiber die Revolutionen! "der Proletnrkrmassen, ihre blutigen Ruhmesblätter des inensuhlich'ui Fortschrittes für sich in Anspruch nehmen, ihre Behauptung, daß durch ihre „Große Revolution" der revolutionäre Klassenkampf, der Bürgerkrieg als "Prinzip .und Bedingung dos menschlichen Fortschrittes abgetan und' vorbei sei, können . sie nach der Pariser Kommuno niehi mehr aufrecht erhalten. Die Pariser Kommune — die o v s t o reine Form einer proletarischen Erhebung;. Dor' Proletarier aufstand. Darin liegt seine Bedeutung. Und wie wir gerade di" Entwicklung dieser stetigen Klassendü%ron(ziorung ' der Arbeiterklasse von den Lumpenprfoletariern der „Ohnehosen", über die Kämpfer der Junibarrikaden, bis zu ihrer geronnenen, konkreten Form, der Arbeiterk o m m u n e, verfolgt haben, so lernen wir erst ihr Wesen und Gepräge auf dem damals (vielleicht) noch zufälligen und äußerlichen Hintergrunde eines verlorenen, ämperia Iis (tischen Kriegen kennen..,. * Sedan und Metz, der Zusammenbruch dos Kaisorreichphaintoms, der Verlust 'aller regulären Armeen, zuletzt auch die Belagerung von Paris, — all diese Einbußen genügen nicht, um die am Kriege mttsohuldige; französische Bourgeoisie zum letzten nationalen Widerstände aufzuraffen. Sie' fühlt sich bloß stark genug, das schuldlose Volk entwaffnet dem' Feinde auszuliefern, um sich selbst vor seinem Zorne zu schützen. So häuft sie Verrat auf Verbrechen, um sich ihre Macht undj ihr Eigentum zu erhalten. •.Geschichtliche Parallelen, die für unsere Jetzlzeit als: g e. s e t z ri q,|-