Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 8-9 (12.3.1921)
- Date
- 1921-03-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Schaden; den tragischen Ausgang werden nicht sie, sondern die an dem Spiel zunächst NioUtbetciligten, die Proletarier Deutscldands und später die der Entente büßen. Denn hinter den Kulissen dieser Proszenium- Aufführung spielt sich Jenes ernstere Stück ab, das lange vor dem Kriege begonnen, im Versailler Frieden den Höhepunkt erklommen hat und sich jetzt der Katastrophe nähert, das Stück mit dem Titel : „Der letzte Kampf der Bestien", in welchem das Rudel der Mittelmächte mit dorn der Westmächte um das Recht rauften, sich an dem Blute der werktätigen und unterdrückten Volksmassen der ganzen Welt vollzusaugen. Hier wird der letzte Akt aufgeführt, der letzte Biß sozusagen, verabreicht, der die deutsche Kapitalistenklasse endgiilig darüber belehren soll, daß sie sich in Hinkunft mit der Rolle des Hundes begnügen muß, der seinem Meisler die Beute erfragt und apportiert und mit einem Teü belohnt wird. Mit gutem Vorbedacht wurde in London die Bühne Jför»'tifcge..letzte,Szene aufgeschlagen....... ,, . ,< <; . Italien kann nicht emt den Sturken mimen, zu offen sind die Wunden, die der Krieg dem italienischen Staatskörper zugefügt hat. Vergeblich bemüht sich die französische imperialistische Bourgeoisie, ihre Siegcrpose und den Anschein führender Stellung innerhalb der „verbündeten" Gewalthaber aufrechtzuerhalten. England allein ist nach dem Rückzug Amerikas auf seine „eigenen" Angelegenheiten als politischer Herr der alten. Welt übriggeblieben. Zwar wächst die ökonomische Krise im Lande, die Arbeitslosigkeit und •der Hunger wachsen ins Gigantisch-Grauenhafte und damit der Zorn, der Kampfeswille, die Zielklarheit des verelendeten Proletariats. Schon reckt sich am Himmel des geeinigten Königreiches .drohend die vereinigte komm u n i s t i s c h e P a r t e i empor. Aber die englische Bourgeoisie fühlt sieh sicher und das soll der deutschen demonstriert werden: „Seht, wie stark wir sind; wir halten dies alles aus; mehr noch, wir werden es überwinden! Uns steht die ganze Welt zu Gebote! A f r i k a, A s i e n so w i e Australien: von überall her strömt uns Reichtum und Macht zu. Was wir augenblicklich nicht selbst fressen können, das lassen wir den Vasallen: Prankreich, Italien, Japan -- für einige Zeit wenigstens. Zwar könnt Ihr nicht auch sofort diese bevorzugte Stelle erlangen, Frankreich würde es nicht vertragen - aber — hm!. — in Rußland wäre ja Platz! — eine gewisse Zahl Soldaten habt Ihr ja auch ■— und Offiziere, die man gut gebrauchen könnte — hm! -- vielleicht reden wir noch darüber! — Immerhin, geht es denn unsern Kc/laidou. schlecht?. Wir sehen schon ab von Kanada, xlustraiien: die sind ja wir selbst. Aber Aegypten, Indien! Ein bißchen unruhig ist es zwar dort; das machen die dummen Bauern, die noch nicht den Segen unserer gottgefälligen Herrschaft erfaßt hallen. Fragt nur die indischen Könige und Fürstenge - schlechter, fragt die reichen Effendis in Aegypten! Was ihnen fehlte, das bißchen Konstitution, das Recht, selbst ihren Bauern das Fell über die Ohren zu ziehen und sich auch ein Stück des Hasen zu behalten, geben wir ihnen gerne, wenn auch allmählich und maßvoll, sobald uns nämlich der Braten oenügeud groß und fett geworden zu sein scheint. Freüich, wenn man uns nicht „vertraut" — dann können wir auch anders. Sehet nach Irland, lernt und wählt!;* Und Berlin hat gelernt und wird noch lernen. Sie waren mit dem strengen Auftrag nach London gekommen, fest zu bleiben. Einem Teil der deutschen Herren ist es auch ernst damit. Die Junker und Offiziere, mit ihrer Hoffnung auf das Wiedererstehen Hohenzollorn - Deutschlands, seiner feudalen Renten aus der Heimat und der wiederzuerobernden Welt, die ^mittlere. Bourgeoisie, die sich nioht stark genug fühlt, „ihre Arbeiter" auf ein so tiefes Lohnniveau herabzudrücken, um die ungeheure ..Wied«?rgutmaehungs:t-Summ»- heraus - pressen zu können, wehren sich diese beiden Gruppen gegen die Ente nteforde rangen. Aber gerade die Gruppe, die am lautesten ihr ..Unmöglich!" hinausschreit, die Großbourgeoisie, die Herrion des Bankkapilals und der Schwerindustrie, der deutschen Presse und der Regierung, sie werden sich •— nach einigem Spreizen und vielen Feilschen -- unterwerfen. Sie haben zuviel zu verlieren, und sind sich zu sehr ihrer Macht bewußt, Wenn sie auch in London nur wenig abhandeln können, so können sie durch Gefügigkeit die Erlaubnis erlangen, der Arbeiterschaft den Kappzaum anzulegen und zu diesem Zwecke vielleicht die „teuere" Orgcsch, Einwohnerwehren usw. zu behalten. Auf diese Weise tröstet und besänftigt man die Soldateska. Behält sie nur die politische Gewalt zu ihrer ökonomischen Herrschaft, dann ist es ihr um ihren Profit nicht bange. Tritt sie dann so einen bolschewistischen Putsch nieder, so winkt ihr vielleicht gar als Belohnung das Recht, ihren etwas gekürzten Profit durch Beteiligung an ausländischen Unternehmungen zu erhöhen. Wozu hätte man auch sonst einen so guten Partner in der Scheidemann-Noske-Partei, die nach der „nationalen Einheitsfront" zum Widerstande gegen die Entente ruft und dieselbe Einheitsfront bei der Untcr-; werruiifrkonservieren ""-witTL^ sche": Partei wird schon. Gründe dafür finden, daß das Proletariat zur Abwehr des „nationalen Unglücks-' die Herab drückung auf die Lebensstufe des indischen' Kuli mit Würde hinnehmen muß, und wird den sich vielleicht noch sträubenden Kapitalisten beweisen, daß sich der alte Profit erhalten läßt, ohndaß der Arbeiter aufmuckt. Schon steht die Sozialfeigheit, die U. S. P. bereit, laut kläffend die Notwendigkeit der TVierwerfung zu predigen. Nur "das k o m in u n i s t I c h * Proletariat hui den Moment erfaßt. B ü n d n i s m i l So w j e i r u ß 1 u n d! lautet seine Parole.. Nicht daß es glaubte, oder wünschte, diu Bourgeoisie hiezu bewegen zu können. Aber die V o 1 k s - m a s s e, die alles wird tragen müssen, muß aufgerüttelt werden! Ihr muß der einzige Weg der Rettung gezeigt, sie muß z u r b e f r o i e n d e n T a t a u f g e raten, werden f Bleibt das proletarische Deutschland, aiioine, dann kann es auf ."ie Daun l'uum Widerslr.nd leisten : unl.et schwerstes Joch $>♦.}<.!lü^kt. wird es "dr der Peitsche dressiert, um wie vor .ooirunude; ich Millionen von i-.Jnzknechten zu liefe»*': '-}.h* Moskau jra eigen.>.•> RJuie ersäufen, sollen. Wenn das arbeitende Deutschland Sowjelrußlund wirtschaftlich aufhilft, zerfließt die furchtbare Gefahr der Verelendung und Versklavung' Deutschlands durch die Entente vor demNuiurreichfiim und der politischen Macht Moskaus. London weiß es und tut alles, um den jungen Herkules Moskau zu vernichten.w Es lagt ihm giftige Schlangen in sein Bed: in Kronstadt machen zarisch»; Offiziere Revolution, in Budapest, Bukarest, Belgrad, Bulgarien wird die. Drachenbrut gehegt, die ihm den Garaus machen soll. Die Hyäne in Warschau sehleicnl trotz der Friedensverhandlungen, auf eine Blöße lauernd, der Sehakai Pelljura läuft in ihrer Spur, in dieser schwersten Stunde für das deutsehe, das all wen liehe Proletariat, werfen die von der englischen Labou,- Party so verteidigten und unseren Kauisk.y's so bemitleideten armen russischen Menschewiki und Sozial revolutionäre das Netz ihrer Intrigen ihrer kontcrrevolutionären Propaganda und Sabotage über seine Glieder. Sio zerstören die Verkehrsadern, sie rufenden Hunger und die Kälte, auf diese beiden von ihnen herbeigeholten Dämonen gestützt, treiben sie die Arbeiter zur Empörung gegen sich selbst, in don Selbstmord. Wird das deutsche Proletariat den Sinn dieser Schicksal s^jf"^kö erfassen?1 ' v <*V\i Es genfigt, daß es aufsteht und Moskau die Hand »■eicht und dieses zerreißt das gesponnene Netz, erwürgt die Schlangen, zertritt das Gewürm zu seinen Füßen. Schon ist es an des Genossen Sehe! Ganz Ost- und Mitteleuropas verhetzte, genarrte, gc'd.ehmütigtc, geknechtete Völker treten verbünddt auf den Plan und wecken das Proletariat des iinperiah'stischen Westens zum entscheidenden Kampf. An den Ufern des Rheins, über den jetzt Söldner aller Rassen marschieren, um die Welt in der Nacht ewiger Sklaverei zu versenken, erdröhnt in den heiligen Märztagon der großen Revolutionen die Trompete zur letzten Freihoitsschlacht. Noch sind aHe Märzen nicht vorbei! Die Wiener Konferenz. Nach Stockholm, Bern und Genf, nach all den Versuchen, dio IL Internationale insoweit wenigstens nicht tot und verloren zu geben, als man die HL Internationale nicht als dio einzig mögliche Zusammenfassung des revolutionären Proletariats anerkennen wollte, konnte über die Absichten, Methoden und Ziele •-•el*öi'- •-Bra^i:fei*2ii'er*-(lm',/ - Wiene^'-Pos^-de^'Se&iai^aabMnr >? gigen wohl kein Zweifel bestehen. Deshalb mußten auch ihre Verhandlungen von vornherein nur nach e i n e r Seit o h i n Aufmerksamkeit erregen: in welchem Grade werden jetzt die neuesten „Offenbarungen" der Longuet, HLHerdinge und Bauer ihre zunächst langsame, aber nichtsdestoweniger! stetig fortschreitende Reclitsentwickiuhg zeitigen und dokumentieren. Nach der Abspaltung der Zentristen in Deutschland und Frankreich, die sie auch hifolgo der schwierigen politischen und wirtschaftlichen Situation, infolge des gleichzeitigen Kampfes gegen rechts und links in eine hoffnungslose Minorität versetzt hatte, war es auf der Hand gelegen, daß sie früher oder * später die Kluft zum Kommunismus vertiefen, die zur „sozialen. Uem.okrfi.tie*' überbrücken müßten. Die Zusammensetzung der einzelnen Delegationen, dio der Wiener Konferenz ihr Gepräge aufdrückte, war auch nichts weiter als der Ausdruck dieser Entwicklung. Ronaudes und Üismann, Seitz und. Grigorovici, sie bildeten so nur den trefflichen* Reigen, in dem Juan mit Staunen nur einen Tusar und Daszinski vermißte . . Unter ihren Auspizien wurde also die Beziehung der Unabhängigen aller Länder zur III. Internationale zunäehsr einer Revision unterzogen. Hieß es da - einst, daß die Vereinigung aller revolutionären Parteien d e s W o siens n u r zwecks dos A n - s c h luss e s an die 111. Internationale erstrebt werden müsse, so wurde jetzt eine- „zeitgemäßere" Erklärung formuliert: auch die Existenz der II. Internationale wurde als gegeben angenommen, „ein Drittel des \V\dtProletariats*' ihr nach Fug und Recht zuerkannt, und in die übriggebliebenen zwei Drittel teilte mau sieh mit Moskau! Dieses Motiv wurde alsbald in den verschiedensten Weisen variiert und gab somit auch äußerlich die erwünschte Seinsberechtigung für das Arrangement der .Adler und Genossen, die zwischen don beiden Frvtremcn als die „Partei der M.itto" das Zünglein an der M'age spielen wollten. Wurde so der äußere Schein gewahrt, so gab man den eigenen Rechten doch deutlich zu verstehen, daß man den Trennungsstrich nicht bloß gegen Scheideinann, sondern auch hauptsächlich gegen Lenin zog. Adler fand bereits in seiner Begrüßungsrede hiedr den prägnantesten Ausdruck: „der aktive Teil, gegen den wir alle, die wir hier beisammen sind, Uns zu wehren hatten, war Moskau, das uns vor schwere Probleme gestellt hatte.- — „Wir sehen die II. Internationale im anderen Lichte, wir wollen nur kämpfen in gutem Glauben und nicht Angriffe machen, von denen wir selbst wissen, daß sie nicht berechtigt sind."' - Es ist wohl kaum möglich, die Frage der Revision zu den beiden Internationalen noch schärfer, wenn auch in noch so verstohlener Weise, zu präzisieren, wie es Dr. Adler in diesen beiden Sätzen getan. Denn! die Tugenden der Geduld und Bescheidenheit, die er