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Freie Tribüne · 1921-02-24 · 7 (24.2.1921) · page 4

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Journal
Freie Tribüne
Volume
3 (1921)
Issue
7 (24.2.1921)
Date
1921-02-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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SEITE 4 ERE1E TRIBÜNE nr. r to.n gar bald, daß ihre einzige Rettung im Siege Sowjet rußlands liege und daß bloß ein enges Bündnis m.i i ihm ihnen die nationale Freiheit sichere. Für1 SowjetruBland andererseits ist der nahe und weite Orient zur stärksten Waffe im Kämpfe mit dein mäehtigen Kapitalismus geworden. Er erkannte, daß dort die Achillesferse des Imperialismus stecke, und packte sie fest an. Die Fragen des Orients sind in erster .1 leihe nationale Fragen. Ihnen gegenüber konnte man nicht in der Stellung des großrussischen Kosraopolilismus oder nationalen Nihilismus verharren. Hier mußte man breit und scharf die Probleme der nationalen Autonomie stellen und sie auf Grund des Sowjetsysteins als national proletarische Autonomie deuten. All dio erwähnten Faktoren brachten 'die Räteregierung rasch zu der Erkenntnis, daß es keineswegs genüge, dio nationale Frage theoretisch zu lösen und «Las Recht der Nationen auf ihre Selbstbestimmung zu proklamieren, sondern daß sie auch an ihre praktische Lösung herantreten müsse. Nicht bloß die nationale Bewegung nicht leugnen und ignorieren, sondern sie gewinnen! Mehr! — Die 1 n i a t i v e ergreifen, um die nationale Autonomie dor unterdrückten Völker nach ihrem Sinne zu organisieren. So schreibt jetzt das offizielle Organ der Kommunistischen Partei „Prawda" (No. 1:380): Dio nationale Frage ist nunmehr der springende Punkt der Sowjetpolitik geworden." Räterußland ändert seine Politik in dem Sinne, daß es sich auf national-föderativer Grundlage zu rei rganisäeren beginnt. Noch im Jahre 1918 begann der proletarische Umbau der Sowjetrepublik in. autonome Föderativformen. Als erstes Seibstvorwaltungsgebiet war die „A vbeitskommuno der W o l g a - D e u t s c h c n" iiitsgeschieden worden- Hierauf entstanden folgende autonlomo Sowjetrepubliken: J. d ie Ukrainische, lL die Baschkiris c h e, 3. die T a t a r i s o h e, 4. die K i r g i s i s c h e usw., um nur die wichtigsten zu nennen. Im Osten sind sodann als die wichtigsten Räterepubliken die A s e r b e i d s o h a n i s c h c, dio 1» u e h a r i s e h o und die C h :i w i s c h o Ropub- I i k hervorzuheben- Insgosamt sind vierzehn ue.ue autonome Staat engobil de entstanden. Von den neuen Gebieten, die nach der neuen Organisationsform der proletarischen Diktatur gestaltet! worden sollen, stehen an. erster Stelle Sibirien' und der Kaukasus. Im Jänner 1921. fand in der Hauptstadt Kaukasiens, in Wladikawkas, ein Kongreß der Vertreter der Gebirgsstämme statt, auf welchem Stalin als Bevollmächtigter der Räteregierung "die p o- 1 /1 t i s c h - Ii a t i o n a I o A u t o n o in i e de r K a u-!c asusvölko r proklamierte. Welche Funktionen und. Aufgaben wird die Autonomie der Minderhoilsnationon Rußlands in der Epot ho der sozialen Revolution zu erfüllen haben? Weich neuen Schritt in der Entwicklung zu der sozialistischen Gesellschaft bedeutet sie? Dur über das nächstemal. A. Wald. Die Nr. 5 gder Zeitschrift „Jüdisches Theater" von Dr. Lifschütz ist erschienen und enthalt u. a. 1) Freud und Leid unserer „Jüdischen Volksbühne". 2) „Breach of Promise" von Leon Kobrin. 3) „De/ Unbekannte" von Jakob Gordin. 4) „Handlung" im modernen jüdischen Drama. 5) Ist die „Goldene Kette" von Perez aufführbar? 6) „Ethos und Schicksal" im Drama (Fortsetzung). Zur Spaltung in der italienischen sozialistischen Partei, Von Otto Kaus. (SchluB.)J Alle Zweideutigkeiten iu der Entwicklung de* Uaiitmischeu Kommunismus entwirren sich, wenn man *ie nicht so sehr vom Standpunkt des Wachstum* der proletarischen /Unklarheit und des proletarischen Klassenbewußtseins betraeü« tet, als vom Standpunkt der wachsenden revolutionären Unzufriedenheit das italienischen Kleinbürgertums. Das Problem der' alten italienischen Partei war nicht so sehr das der proletarischen liückständigkeit. des demokratischen Konservatismus der Arbeitermassen, als das der kleinbürgerlichen Anständigoeit, der Fortschrittlichkeit großer Schiebten des italienischen Kleinbürgertums, seiner historischen Bildung und Voraussicht. Nicht die Gründe,. warum kleinbürgerliche iSkmente auf das Proletariat und die sozialistische Bewegung in Italien Einfluß nehmen konnten, werden uns über das besondere Schicksal der italienischen Partei iitformiereni denn diese- Gründe sind dieselben, die auch für andere Länder gelten: die reaktionäre Politik der herrschenden Klassen, die dem Sozialismus eine über seinen Klassencharakter hinausgrcü'ondo Einanzipation.skraft verliehen; interessanter sind hier die Momente, die eine tiefere Kraft zwischen dem italiouischoti Kleinbürgertum und der herrschenden Fraktion der kapitalistischen' Bourgeoisie aufrissen als bei anderen Nationen, so daß das italienische Kleinbürgertum hoher, entschiedener und in größeren Maasen sich politisch von den oberen ^ehntauseud absonderte, um bewußt den Anschluß an das Proletariat zu suchen. Wenn es zu weit führen würde, die Geschichte des italienischen Kleinbürgertums zu entwickeln, so wollen wir hier daran erinnern, daß seine politische Existenz mit dem Erwachen und der Entfaltung des italienischen Nationalbewußtseins und mit den Kämpfen um die nationale Einheit eng verknüpft ist. Diese Kämpfe trugen in hohem Grade einen revolutionären Charakter, wurden in jahrzehntelangen,, opferreichen Anstrengungen gegen. die Bollwerke der feudalen und klerikalen, Reaktion, die Habsburger und den Papst, ausgefochten. Der Heros dieser Kämpfe, Garibaldi, bekannte sich als Sozialist; er halte nicht nur die demokratische Republik, sondern auch wirtschaftlich revolutionäre Forderungen, wie die Aufteilung des Bodens in seinem Programm. Die revolutionäre Tradition in Italien ist somit jünger, irischer ais bei irgend einer anderen europäischen Nation und vom Glanz« eines großen Erfolges überstrahlt. Die Enttäuschung nach der siegreichen bürgerlichen Revolution, die iu Italien mit der nationalen Emanzipation zusammenfällt, war allerdings auch grüßer und nachhaltiger. Italien trat als befreite Nation mit einer unvergleichlich ärmeren Industrie in dem Wettstreit mit den anderen demokratischen Nationen. Seine neue Stellung als Großmacht legte ihm große Bürden auf, noch bevor es ihm greifbare Vorteile verschaffte. Jahrzehnte hindurch war die wirtschaftliche Entwicklung des geeinton Italien schleppend und krisenhaft. Erst von 1890 an datiert das rasche, sprunghafte Steigen der Großindustrie; Schutzzolle "und fremdes Kapital züchten Riesenbetriebe, verwandeln Norditalien in kürzester Zeit aus einem halbfeudalen Agrarland in einen modernen lndustriopark, der auf dem internationalen Markt eine bedeutende Rolle spielt. Man könnte sich keine geeignetere Entwicklung denken als diese, um ein revolutionäres, antikapitalisüschcs, klütisch begabtes Kleinbürgertum zu erzielen- Nachdem es alle Kosten der Befreiung getragen, wird sein Werk zuerst zum Opfer eine Camorra von Bureautkraten und Politikern, später von Spekulanten und Börsenjobbern. Die Geschichte Italiens war nicht dazu augetau, um seiner Intelligenz, die fast ausschließlich dem Kleinbürgertum entstammte, ihre revolutionären Instinkte auszutreiben oder in kapitalistischen Ideologien aufgeben zu lassen. Im Gegenteil: sie wurde, inv Kampfe mit der undankbaren Wirklichkeit geschärft und hart geprüft. Zuerst übernahm das Freimaurertum das ideologische Erbe Garibaldis; als das Aufkommen der Industrie ein modernes Proletariat schuf, erkannte ein größter Teil der Intelligenz die Bedeutimg dieses neuen Machtfaktors, verband sich mit den Arbeitern in treuer Wahenbr'üderschaft, imd zwar viel inniger und unmittelbarer, mit viel weniger Illusionen behaftet, als es bei den Bündnissen der Fall war, die der Sozialismus in anderen Ländern mit den halbpvoietarlschen Schichten einging. Der Weltkrieg fand diese zwei Gruppen nicht getrennt, sondern vereinigt in einem gemeinsamen Protest, und seine bitteren Erlahmngen schweißte sie .wohl verstehen, weshalb «das Volk von Paris, bevor es an tie Grenze zurn Kampfe mit dem -äußeren Feinde geeilt ist, cte Aristokraten in den Getangnissea ermordete, dä sie sich mit dem Feinde zur Vernichtung der Revolution verschworen! Wer es darob tadeln wilL soll zuerst an sich seihst de Fraqe richten: wer hat so wie es gelitten? Sonst möge er schwejqen und sich schämen." Däe Rolle der breiten Volksmassen in dan sozialen Erhebungen, Ü;e Krapotkin zuerst an der französischen Revolution einaehend untersuchte und.als Beleg iür sei?iß optimistische Auffassung des Menschheitsfortschrittes, der keiner Autorität bedarf, bringen wollte, bildet sicherlich das vvichtiaste Moment für das Hauptprinzip de* Anarchismus: d e Ueberwinduncj des Staates durch die soziale: Revolution. Dje Leugnung de< Gesetzes und d#s Privateigentums, wie sehr s'.e auch zu seinen integrierend 2n Bestandteilen gehört, mag her, da sie auch gänzlich mit der Autfassung des revolutionären Marxismus zusammenfällt, unberücksichtigi bleiben. Umso wichtiger ist jedoch, die Anarchie, d. Ii. die Leugnung jeglicher'Autorität in der Organisierung des Staads 'als de Folge der „Idee des MensChheitslorlschrittcs", d-e allen anarchistischen Schulen zugrunde liegt, aulzidassen. Uaß d.e Entwicklung, das rFeiwerden der gesellschattlicheti Kräfte in der stets' wachsenden Beschränkung. .des Staatsanwalt und ihrer Institutionen sich kundgibt, versucht Krapotkjn an den Beispielen der Organisierung der Unternehmer--, Arbeiteruno Verbraucher-,,Geno.ssenschalten" Unterschieds los zu beweisen. Gerade dies ist das bezeichnende Merkmal K<r seine absolut-optimistische Geschichtsauffassung, daß er dese /Verbände nicht als Werkzeug der Klassenditlerenzienuia und der 'kapitalistischen Struktur unserer Gesellschaft, .-ondern eben als d,e Verwirklichung der Idee des mensch- \ chen Fortschritts ohne Vorbehalt "erklärt. Ueberhau'pt ist der Optimismus der Grundzug und die Voraussetzung jeq-! eher anarcho-kommunistischer Theorie, er allein gibt die Grundlagen sowohl für seine ethische Weltanschauung als;uch für seine praktische Soziologie ab. Von a.esen Gesichtspunkten auch ist auch für den Anarchisten krapotkin de Aufgabe der sozialen Revolution;i der Vernichtuna des Staates als des Haupthindernisses ihr das fre;e geselLschaftlich>ertvolle Spiel der menschlichen Kräfte erschöpft: „die Entwicklungsstufe, zu welcher der Staat» qehört, wird bald hinter der Menschheit zurückbleiben." ' Dann wird auch die Idee des Fortschritts vollendet sein- „das Ideal der irekn menschlichen Gese Ischati wird durch das ßedürtnis der Gleichheit, das allen Schlachten der Geschichte zugrunde liegt, verwirklicht sein." Die Gleichheit una die Verpflichtung, die abgeschlossen;n Vertrage zu halten sind nach dem Anärchokbmmunismus die Grunupleiler, auf welchen d;e menschliche Gesellschalt erbaut werden soll' die Kommune wird nichts Höheres über sich anerkennen außer der Interessenqemeinschait, die sie mit den anderen Kommunen innehat." Die Erlüllung der Vertrage ist durch das Bedürfnis, welches jeder einzelne be.m Suchen von Mitarbeit, Hilfe und SumpaWiie bekundet, volla.it gesichert *' Daß auf dieser Grundlage des unbeschränkten Optimusmus in Natur und Menschheit, wie Krapotkjns Buch über die gegenseitige Hilfe" f>hrt, das Geschick und Problem der sozialen Revolution nur von einer einzigen Bedingung abhängig ist, ist für den historischen Idealismus seiner Hurfassungen von selbst gegeben: „Wenn bloß der Staat ge lallen ist, dann wird auf seinen Ruinen die freie Gesetlschatt erstehen." .,.„•!».., Somit ist, wie wir gesehen, die Auscinandersetzu.ig fischen dem Anarchismus und dem revolutionären Marxismus über das Problem der sozialen Umwälzung nur auf einen Punkt zuqespitzt: aut ihren nächstgegebenen Inhalt, nicht aber aut ihre Methoden und ihre Notwendigkeit. Wie Krapotkin die Kommune als die gesellschaftliche Stute betrachtete de die Menschheit in der Revolution gleicchr sam mit' einem Sprunge erreicht, wies Lenin den proletarischen Staat, die Zwangsorganisierung der Wirtschaft und Ge,ellschatt als eine Voraussetzung iur ihre Umwandlung in die Kommune nach. ,..„.. * * a- Wer von be den im Rechte ist, darüber fallt jetzt die Geschichte ihr Urteil. Doch gilt auch das. was wir von Wahrheit und Wirklichkeit oben gesagt, in den Worten die Krapotkin selbst geprägt hatte: „Was wir gesät, wird im Laute der Zeit Früchte tragen.' M. J. zusammen in oinom gemeinsamen Ideal, den Bestand beider Heere durch reichen Zniluß aus-verwandten Schichten -rermohrend. Auf arund seiner Vorgeschichte erkannte auch der itahenische reaktionäre Kleinbürger (daß es mich in Italien reaktionäre Kleinbürger gibt, ist eine andere Fra«'e» sehr bald die Bedeutung «cr russischen Revolution; er beschloß, sie zu unterstützen, nicht trotz, sondern gerade wegen ihres radikalen Charakters. Der Kleinbürger wurde zum Kommunisten, obwohl er genau wußte, was Kommunismus ist: der Kapitalismus hatte ihm nichts mehr zu geben. Aber hier beginnt die Zweideutigkeit der politischen bituation und die schwierige Aufgabe der III. Internabo nalc. ^Vcnn die kleinbürgerliche Intelligenz noch so ehrlich iind aufrichtig sieb der sozialen Revolution anschließt und ihre Notwendrgkeiten erkennt, so kann sie trotzdem dort u os, , „ , „ t! r „ c s c h j w s s e u e n M;i s;. . n a e t;_ halb einer proletarischen Pa-tei auftritt, die tiefen revolutionären Impulse des Proletariat« nicht in voller Reinheit miterleben. Das entscheidende Instrument der Geschichte für den Sieg der sozialen Revolution ist das fortgeschrittene Industrieproletariat: auf seinen Körper sausen die Schläge des kapitalistischen Bankerotts imt voller Kraft nieder; in seiner Stimmung und Kampil»ereuscli;ttr. ,,i seinen Knergie.u und Erfahrungen liegt ua* •Schicksal der sozialen Revolution begründet. Dei Standpimkt, der diese Erkenntnis für den Aufbau einer Partei in seiner naturalistischen Exklusivität n mmt und etwa an eine prinzipielle Gegensätzlichkeit der „manuellen" und der intellektuellen- Arbeiter glaubt, ist sicher riiekständi' zu rennen; entscheidend ist auch nicM die Art der Bescbäiugung m diesem Sinne, die bei den komplizierten' Formen der modernen Wirtschaft auch selten eindeutig klassifiziert werden kann. Enlscheidend ist das relative Verhältnis zu den höchstentwickelten Formen der Wirtschaft, zur industriellen Korporation auf großer Basis. Nur das Proletariat, das im Herzen der nationalen Wirtschaft sitzt, kann in der Partei der sozialen Revolution erfolgreich die F ü h r u n g innehaben! [n der italienischen sozialistischen Partei hatte sich jedoch das Verhältnis zugunsten der kleinbürgerlichen. Intelligenz stark verschoben, und zwar infolge der großen Erfolge der Partei, die sie zwangen, einen reichen Stab an intellektuellen Kräften zu erziehen, um ihren Aufgaben im Parlament, in der Gemeinde, bei der Leitung der Wirtschaft- < liehen Organisationen gerecht zu werden. Um den Kern der Mitgliedschaft, die .sich wohl aus dem Tndustrieprol&ariat rekrutierte, legte sieh ein Kranz von Instanzen, welche die proletarischen Impulse bei der Umsetzung in die politische Aktion abschwächen mußten. Die proletarische Keule war an ihrem Ende mit dicker Wolle eingewickelt:, diese Wolle war rot, vom schönsten revolutionären Rot, das man sich wünschen mag; aber für den Aufbau der neuen Gesellschaft ist nicht die Farbe entscheidend, sondern der Augiegat/.ustand, die wirkliche Natur des Werkzeuges, das die Arbeit verrichten soll. Die Spaltung in der italienischen Partei hat diese besondere Bedeutimg, daß sie die Führung; des Kampfes um den Kommunismus dem natürlich Berufenen, dein Industrioproletariat, in die Hand legt. PartoiS'ßaltungen, die sich auf einer anderen Linie als auf der sozialen bewegen, können schädlich sein, auch wenn sie den schönsten Programmen zuliebe geschehen. Es konnte daher auch im Anfang zweifelhaft erscheinen, ob es möglich und zweckmäßig sein w6rde, schon in diesem Augenblick die italienische Partei von allen schwankenden Elementen zu reinigen. Als sich jedoch die Turin»r Organisation gegen die zögernde Attitüde Serratis zur Wehr setzte, wurde die Entscheidung nicht nur prakt sch unvermeidlich, sondern zu einer furchtbaren und verhängnisr-ollen Forderung. Ebenso wie Rom die politische Hauptstadl Italiens und Mailand das Zentrum des Handels, ist Turin die industrielle Hauptstadt des Landes. Die Kräfteverschiebung innerhalb der kommunistischen Aimee, die dadurch angebahnt wurde, kann/ selbstverständlich nicht durch irgendwelche Umstellungen innerhalb des alten Rahmens vollzogen werden; sie muß auch organisatorisch zum Ausdruck kommen. Die Menschewiken haben demnach keiue Veranlassung sich über die Konflikte bi der italienischen Partei zu ireuen. Daß sich in Ldvorno eine Mehrheit gegen die Moskauer Beschlüsse aussprach, bedeutet keine Schwächung der III. Internationale: die kommunistische Internationale hat in den zwei Jahren ihres Bestandes eine Entwicklung durchgemacht, mit der nicht alle angeschlossenen Parteien gleichmäßig Schritt halten, könnten. Daß es nicht bloß eine Entwicklung ihrer ideologischen Einsteilung, sondern ein Fortschritt ihrer inneren konstruktiven Energien war, beweist am besten gerade die Vorgeschichte ihrer italienischen Sektion. Der Sinn der erfolgten Spaltung kann nicht an der Windrose abgelesen werden; sie weist weder nach „rechts" noch, nach „links", mag man die zurückbleibenden Gutgesinnten oder die vordrängenden zielbewußten Elemente ins Auge fassen. Die Mission der .kommunistischen Partei geht nicht dahin, stetjs um Nasenlänge den Beschlüssen ihrer .sozialistischen Stiefschwester voraus zu sein. Durch sie tritt mit festem Schritt die natürliche Avantgarde der sozialen Revolution auf den Plan, das organisierte Industrieproletariat. dessen Offeusivkraft und Kampftaktik durch die Gesetze des wirtschaftlichen Geschehens unmittelbar bestimmt werden und das bei seinem selbständigen Vorgehen seine Freunde und Bundesgenossen nach jenem richtigen Verhältnis wählen wird, das sich aus dem organischen Anschluß aller Unterdrückten an die führenden Schichten des Proletariats in der Periode der revolutionären Umwälzungen ergibt. Vortragskalender, Mittwoch, 23. Februar: Nir: Die Jüdische Jfrüeftcrschaft ia Palästina und die eoqllscWe Verwaltung, Samstag, 26. rebruar: Glücks mann, Kandel untä Kohn Eber: Oeffentliche Versammlung: Die Wieoer »OtBferenz der flntikommnnisten. t „ Mittwoch, 2. März: Kohn E b <■ r: SchluBberfdlt filier P. Z. in Moskau, , _ Samstag, 5. März: C hasch in: Nationale Frag* ta SowjetruBlauü. Allgemeiner jüdischer Arbeiterverein. Montag, den 28. Februar 1921, im „Hotel Post", I., Fleischmarkt 14, findet ein Theaterabend statt. Zur Aufführung gelangt Korablüth's „Das Emese Glück". Beginn 7 Uhr abends. I leraussgeber und verantwortlicher. lle^akteur: Rubin Glücks Druck- und Verlagsgesellschaft m. b. H., Wien, IT., Taborstraße 56 B<

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