Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 2-3 (21.1.1921)
- Date
- 1921-01-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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SEITE ö FREIE TRIBÜNE NU. -J- &shtung, Genossen urod Genossinnen! Montag, den 24. Jänner, um 7 abends findet im Arbeiterheim, IL, Blumauergasse 1, eine PARTEI-VERSAMMLUNG ^mssm!^ms^mmz.TäA^iß^^;:;ra^ei'; statt. TAGESORDNUNG: Bericht über unsere Vertretung auf dem IL Kongreß der kommunistischen Internationale. Legitimation mitbringen! Sonst kein Einlaß! Arbeiter <1. Kunst u. d. Kunstgewerbes Arbeiter des T^okaltransportcs Risenbaluxu. WsrS8ortransportarbeit»»r Summe 40.330 Mitglieder 68.572 Mitglieder 1.383.974 Miiäliedör;V222.Ü09 Mitglieder SOWJETRUSSLAND. Drei Jahre Revolution und die Bauern. Vor drei Jahren hörten die Banern die kommunistischen Losungen mit großem Wohlgefallen. Beendigung des Krieges, Besitzergreifung der Ländereien des Großgrundbesitzes, das waren Schlagworte, die große Anziehungskraft hatten. c , Dies war die erste Periode der Bevalution auf dem Lande. Die zweite Periode begann etwa um die Mitte des Jahres ISIS, als die Bauern daran gingen, die einzelnen Ländereien unter den bäuerlichen Gemeinden zu verteilen, um in diese Verteilung auch die Ländereien, der Großbauern einbeziehen zu wollen. Eine äußere Erscheinung dieser Zeit war die Bildung von Komitees aus landlosen Bauern. Aber das Großbauerntum zeigte mehr Widerstand als der Großgrundbesitz. Auf jede Requisition, iede Konfiskation antworteten sie mit so großem Geschrei, daß man wirklich hätte annehmen können, es gäbe Mord und Tolöchlag. Der Prozeß der Verteilung der Ländereien, im Bin blick auf die größtmöglichste Ausnutzung, kann als die 3. Periode betrachtet werden. Wenn man die Ereignisse der letzten drei Jahre überblickt, so muß man gestehen» daß die Entwicklung der Bauern eine so große mar, wie in 100 Jahren. Das sozial« Bewußtsen ist im Wachsen begriffen. Am weitesten voraus sind die großrussischen Bauern der nördlichen Provinzen. Die letzten drei Jahre haben der Sowjetmacht eine starke Grundlage in der Bauernschaft gegeben, indem oin» starke Annäherung der bäuerlichen Schienten an das kommunistische Wirirchaftsieben stattgefunden hat. Die Wissenschaft und die Sowjetmacht Die „Iwestija" veröffentlichen folgenden Artikel des Volkskommissärs Lunatscharski unter dem Titel: „Die Wissenschaft und die Sowjetregierung". In Petersburg ist durch die aktive Unterstützung des Volkskommissariats für Unterricht eines der interessantesten wissenschaftlichen Institute in Europa entstanden, das sich jetzt weiter entwickelt. Es ist das Institut für Böntgonforschung und Radiologie. Das Institut ist in einem großen Gebäude untergebracht, das früher der homöopathischen Gesellschaft gehörte. Hier haben die Professoren Semenoff und Joffe, ein Arzt und ein Physiker, sowohl das medizlnisohe, als auch das physikalische Gebiet der Radioforschung 'er- 'weitert. Dank der Energie der Leitung ist das Institut ein außerordentlich aktives Zentrum der wissenschaftlichen.Forschung geworden. Es werden fortgesetzt Vorlesungen und Konferenzen abgehalten. In dem Institut gibt es eine Kran« keuabteilung, wo die Röntgentherapie bei der Lehandlung verschiedener Krankheiten, wie Magenleiden etc. große Erfolge zu verzeichnen hat. Dort lebt überhaupt eine ganze kleine wissenschaftliche Welt für sich selbst, allein schwierigen Verhältnissen Trotz bietend. Das Institut hat einen dicken Band über seine Tätigket herausgegeben, der mit prächtigen Illustrationen versehen ist. Alles das mußte die wissenschaftlichen Kreise Westeuropas in Erstaunen setzen. Professor Semenoff reiste im Auftrag der Sowjetregieruug nach Deutschland, um sich über die Fortschritte auf seinem Gebiet zu unterrichten, mit der europäischen Wissenschaft in Verbindung zu treten und da« nötige Material zur Fortsetzung der wissenschaftlichen Arbeit zu erworben. Professor Senienoff hat eine ganze Reihe von Artikeln aus ausländischen Zeitungen und Zeitschriften nach Rußland geschickt, die das allgemeine Erstaunen und die Verwunderung darüber zum Ausdruck bringen, daß es möglich war, in dem hungernden Rußland ein Institut zu eröffnen, das den Neid der westeuropäischen Wissenschaft erregt. Gewerkschaftsstatistik in Rußland. Die Gewerkschaften waren bisher die Grundlage des Sowjetsystems, und jetzt wächst ^ihre ungeheure Bedeutung immer mehr im Zusammenhang mit den erwarteten großen Arbeiten, auf wirtschaftlichem Uebiete. Aus den liier angeführten Daten ist ersichtlich, daß die russischen Gewerkschaften in ihren Reihen 5.222,009 Mitglieder zählen. Die Mitglieder verteilen sich auf die einzelnen Gewerkschaften auf folgende Weise: Wald- und Landarbeiter 140.095 Mitglieder Bergarbeiter 234.590 Mitglieder Metallarbeiter 526.172 Mitglieder Holzinduetriearbeiter 98.796 Mitglieder Textilarbeiter 382.222 Mitglieder Näher und Näherinnen 104.188 Mitglieder Papierarbeiter 21.988 Mitglieder Arbeiter der polygraphischen Induntvi;» 56.298 Mitglieder Arbeiter der Lebensmittelindustrie 184.571 Mitglieder Zuckerarbeiter 28.979 Mitglieder Tabakarbeiter, 30.814 Mitgüeder Lederarbeiter 159.888 Mitglieder Arbeiter der chemischen Industrie 126.907 Mitglieder Arbeiter der Glasu. PorzelliUiinrjtiHtri« 55.443 Mitglieder Bauarbeiter 158.921 Mitglieder Gemeindearbeiter 156.228 Mitglieder Arbeiter für Volkjsernähruug 62.629 Mitglieder Arbeiter des Heilgewerbes . 250.601 Mitglieder Post- und Telegraphenarbeiter 123.402 Mitglieder Arbeiter f. d. sozialen u. Volksunterrichi 204.739 Mitglieder . .-•!•;. i r rl7.3M Mitglieds Zum Kongreß der Metallurgen. Die wissenschaftlich-technische Abteilung de« Obersten Wirtschaftsrates hat einen Kongreß der Metallurgen einberufen. Hervorragende Gelehrte, Ingenieure, die über eine große Praxis verfügen, haben dem Rufe Folge geleistet. Ueber 100 Berichte wurden erstattet. Ein Professor berichtete über seine wissenschaftliche Arbeit vor dem Kriege und während des Krieges. Aus diesem Berichte ging hervor, daß die Arbeit die große Bedeutung hat, ungeachtet des Kanonendonners nicht unterbrochen werdeu darf. Ein hervorragender Ingenieur, der viele Jahre auf die Zusammensetzung verschiedener Stahlmischungen zur Herstellung von Geschossen verwendet hat, legte dem Kongresse eine Menge Zeichnungen, Entwürfe und Ziffern zur Frage der Versorgung Rußlands mit Elektrizität vor. Auf dem Kongreß wurden 'die Vorschläge und Gegenvorscbivge über die Ausnutzung des Uralgebietes, des Donezbeckens und des Kusnetzberbeckens erörtert. -Unter den Mitgliedern des Kongresses herrschte eine gehobene Stimmung. Die Teilnehmer djes Kougreessep kennen die ganze Wichtigkeit der vor ihnen stehenden Aufgabe — der Wiederherstellung eines der verantwortungsvollsten und größten Industriezweige — und wissen, wieviel die russischen Metallurgen in der Vergangenheit auf dem Gebiete der Gewinnung von Kupfer iuid Stahl geleistet haben; daher sind sie gern bereit, diese kolossale Last auf ihre Schultern zu nehmen. j (Rosia, Wieu.)^ ARBEITERRAT. Bezirksarbeiterrat Döbling. Während der letzten Vollversammlung des Bezirks - arb'oiterrates Döbling konnte Herr Steinig, der mit den Stimmen — nationalistisch gesinnter Exportakademiker — sich glücklich ein Mandat im Arbeiterrat ergattert hat, es sich nicht versagen, dem sozialdemokratischen Kohl seinen Senf zuzugeben. So trat denn dieser Jüngling auch dafür ein, daß andere, nämlich schwer arbeitende Proletarier vau ihrem Ruiigerlohne dem Staate Steuer zahlen sollen. Weder dieser Herr noch seine Herren Wähler haben in ihrem Leb;en jemals produktive Arbeit geleistet. Woher sie also die moralische Legitimation nehmen, im Namen des jüdischen Proletariats derart schwerwiegende Erklärungen abzugeben, ist schlechterdings unerfindlich. Es .sieht immer mehr darnach aus, als hätten sich diese kleinbürgerlichen Studentlein nur deshalb als „Partei" konstituiert, um den jüdischen Proletariern in den Rücken an fallen. Gegen die Ausweisung jüdischer Proletarier! Unter dieser Devise hatte unsere Parteileitung eine Versammlung einberufen, welche am 17. Jänner im Festsaal des Bayerischen Hof tagte. Der massenhafte Besuch und die Stimmung, die in der Vorsammlung herrschte, zeugten für die tiefe Empörung des klassenbewußten Proletariats, ob der Ausnahme Verfügungen der politischen Bohörden gegen friedlich schaffende Arbeiter. Gen. Glücksmann eröffnete die Versammlung mit dem Hinweis auf die Machenschaften der Reaktion, welche in der Hetze gegen schutzlose, ortsfremde Arbeiter zum Ausdruck kommen. In der Abwehr dieses Angriffs auf die schwächste Stelle der proletarischen Front müßten alle klassenbewußten Genossen, welcher Zunge sie auch immer sein mögen, einig sein« Hier oder nirgendwo müßte sich die internationale Solidarität der Arbeiterklasse manifestieren. In diesem Sinne begrüßte er die erschienenen Vertreter der kommunistischen Partei und der sozialistischen Arbeiterpartei (Linke). Als Referent ergriff Genosse Serpow das Wort. Er schilderte eingehend die durch das Wüten der Behörden gegen jüdische Arbeiter geschaffene trostlose Lage. Wie ein Wild wurden die Arbeiter von Ort zu Ort gehetzt, mit Brachialgewalt arretiert und schubiert; Leute, die nichts getan haben, als sich ihr kärgliches Brot durch schwere Arbeit zu verdienen- Das Beschämende sei, daß die Sozialdemokratie, welche die internationale Klassensolidarität auf ihre Fahne geschrieben habe und durch ihre Macht in Land und Gemeinde wohl imstande wäre, die schändliche Behandlung ortsfremder Arbeiter zu verhindern, dem Treiben der Behörden die Mauer machen. Nachdem der Referent mehrere krasse Fälle, darunter die Ausweisung einer in einer Baracke wohnenden Modistin gebührend, gekennzeichnet hatte, schloß er mit einem Appell zur einmütigen Abwehr seine Ausführungen. Gen. Koritschoner, der nun zum Wort kam, geißelte in längerer Rede da& Verhalten der Sozialdemokraten, welche den erfolgreichen Angriffen der vereinigten Reaktionare keinerlei Widerstand entgegensetzen. Den ortsfremden Schiebern und reichen Parasiten gegenüber zeige man das äußerste' Entgegenkommen, während man die tüchtig schaffenden Arbeiter als Verbrecher behandle. Gen. Rath von der sozialistischen Arbeiterpartei „Linke" .versprach eifriges Eintreten für unsere Forderungen im Arbeiterrat. In der darauf folgenden Diskussion versuchte ein Redner die Sozialdemokraten reinzuwaschen, wobei ihn die „Rechten" eifrig sekundierten; er erlitt aber von den Genossen Stein und Kandel eine so gründliche Abiuhr, dufl den Herrschaften die Lust zu weiteren Reden verging. Hierauf erfolgte einstimmige Annahme folgender Resolution: Die am 17. Jänner 1920 im Bayerischen Hof tagend« Arbeiterversammlung erhebt energisch Protest gegen die arbeiterfeindliche Haltung der politischen Behörden, welche unter dem Vorwand der Abschiebung lästiger Ausländer gegen schutzlose Arbeiter und Angestellte mit Brachialge - gewalt vorgehen, während sie die wirklichen Parasiten, die Wucherer und Preistreiber ungestört ihr Wirtschaft zerstö - reiwies und Völker verelendendes Werk vollenden lassen. — Sie lordort den A r b o i t e r r a t als Repräsentanten der .Wiener Arbeiterschaft auf, mit alle r K n e r g i e d a f n r einzutreten, daß das Clement a r s t e Recht des Proletariers, das Hecht auf seinen Arbeitsplatz gewahrt w e r d e. Nur durch die Bekundung der internationalen Solidarität seitens der gesamten Arbeiterschaft Wiens, wird dieses Attentat der Reaktion abgewehrt werden. Genassen9jttdischeProletarier! Aul zur MASSENVERSAMMLUNG «IMilflg Samstag, 22. J&nnar 3921,7 Uhr abenda, im Fron.BÜ38fng»Sa»3e,XX., WaMensteinslr. 72 TAGESORDNUNG: Die Ausweisungen und die judische Arbeiterschaft REFERENTEN: die Genossen Glilcksmann, Kandel und Vertreter der komm. Bruderparteien Achtung Vertrauensm&nner! Alle Genossen Vertrauensmänner werden aufgefordert Montag, den 24. d. M., halb 7 Uhr abends, im Arbeiterheim pünktlich zu erscheinen« Die Parteileitung. Vortragskalender. Mitwoch, 26. Jänner: Mahler Materialistische Geschichtsauffassung. Samstag, 29. Jänner: Fortsetzung der Partei Versammlung fldtfung Genossen und Genossinnen! Konzertkarten für Donnerstag, den 27. Jänner 1921, im Parteisekretariat. Btichereinlauf. Im Druck erschienen: Dezemberheft Nr. 6 der Monatsschrift „K r i t i k", redigiert von Moees Silburg, mit Beiträgen von A. Ohaschin: Einer fun die Letzte. D. Königsberg: Soneten. M. Silburg: Wos ich hob aich zu sogen. >L. Kwifcko: Fun Buch „Folk" und Andere. Eventuelle, Be- «pveehung vorbehalten. 35. Preßfondsausweis, Gen. Gerber anläßlich seiner Verlobung mit Fräulein Gisela Becher K 200.—, Aron Rotter spendet K 17. ~, M'ania Beermann gratuliert dem Gen. Willner zu seiner Verlobung und spendet K 10.—, Gen. Arnold Friedenbach anläßlich seiner Verlobung mit Gen. Lilli Nußbaum K 100.—, Maliuowski spendet K 10.—, zusammen K 337.—. Bisher ausgewiesen K 16.453.—, insgesamt K 16.790.—. 36. Preßfondsausweis Genosse Lefteowitsch...............K 10.— Pelrmutter...............„ lo[_ Gerber, anläßlich seiner Verlobung mit Frl. Gisela'Becher .............„ 100.— „ Hermann Feldschuh gratuliert dem Gen. Gerber jiu seiner Verlobung mit Frl. Becher . . . „ 100.— ff alpern, Zilron, Lewin, Rosenblatt, Weidenbaui» und Menucba Müller, gratulieren dem Gen. Tschechowski und Frau zu ihrer Hochzeit und spenden..............„ 110.— Tschechowski und Frau anl. ihrer Hochzeit ..... „ 5o!— Mossenberg und Frau gratulieren d. Gen. Tschechowski und Frau............... „ 40.— Goldberg......,.............B s!— Rott er.....................n \j[__ Mama Beermann gratuliert dem Gen. Willner zu seiner zu seiner Hochzeit mit Gen. Bügeleisen und spendet................„ 10 — Gen. Arnold Friedenbach anl. seiner Verlobung mit Genossin Lilli Nußbaum und spendet . . . „ 100.— Maliwowski...................w 20.— _____ Bisher ausgewiesen „ 16753.— insgesamt K 17328.— Konsumgenossenschaft für jüd. Arbeiter und Angestellte, reg. Gen. m. b. H., II., Taborstr. 44 (Bing. Blumäuerg.). __Telephon 44-1-89. In der Woche vom 16.—22- Jänner, werden außer den rayonierten noch folgende Artikel ausgegeben: Kipflerkartoffel, Reis, Teigwaren, Maisgries, Bohnen, Linsen, Erbsen geschält, Feinsalz, Bohnenkaffee, Pflanzenfett, Marmelade. Honig, Käse, Tee, Kindernährmehl, Kognak, Liköre, Weine, Seifen, diverse Gewürze, ferner Wirkwaren, ferner billige Schuhe. Jüdische Arbeiter und Angesiellte! Am 15. Jänner beginnt die neue Rayonierung. Tretet alle der Konsumgenossenschaft für jüd. Atbeiter und Augestellte a/s Mitglieder bei. In dieser schweren Zeit tut uns vor allem wirtschaftliche Selbsthilfe not.