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Freie Tribüne · 1920-11-06 · 39 (6.11.1920) · page 1

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Journal
Freie Tribüne
Volume
2 (1920)
Issue
39 (6.11.1920)
Date
1920-11-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Die bür- .geriicluTi R> gieuiiKiesi Rußlands, Frankreichs, Amerikas, J;m n>, Italiens, Deutschlands, Ocs'erreichs, Ungarns, der Tschechoslowakei, der Türkei, Rumäniens, Polens, Lettlands, Estlands, Armeniens, Georgiens und anderer Lander führten die ganze Zeit hindurch' geqm dio proletarische Regierung Rußlands Krieg. Die Arbcilerregicrung der eisten Sowjetrepublik mußte wahrlich geg.n eine ganze Welt von bürgerlichen Feinden ankü npfen. Es gibt keine Gewalltat, keine Verfolgung und Niederträchtigkeit, die die bürgerlichen Regierungen der ganzen Welt in dieser Zeit nicht über Sowjetrußland gehäuft hätten. Doch Sowjetrußland hat standgehalten. Die Arbeiter und werktä igen Bauern wurden mit allen Unbilden fertig und schmiedeten sich ein mäeh!- fciges Werkzeug in Gestalt der millionenköpfigen Roten Armee, d e sich mit Erfolg gegen ihre Feinde .wehrte. Hunger und Kalle, Qualen und Leiden — al'i das hat im U2bermaß das russische Volk und an seiner Spitze die Arbeiterklasse Rußlands erduldet. Die Zäune aufeinandergebissen, hat das russische Proletariat mit Löwenmut und proletarischem Heroismus sich gegen die Räuber ringsum gewehrt — und hat gesiegt. In den letzten Wochen hat die bürgerliche Presse Europas; nd Amerikas einen erneuten Feldzug von Lügen und Verla inidung n über Sowjetrußland begonnen. Die bürg , rliche Presse weiß über angebliche Aufstünde in Sowcjtrußland zu berichlcn, über ungeheure Niederlagen an der Front u. s. w. "AU das ist erlog' n. Sowjetrußland steht fester denn je. Sowjetrußland bringt den Kampf gegen seinen letzten Feind zu n siegreichen Abschluß, gegen den Za- , rengeneral Wränge!, dei von der schamlosen Bande der französischen und englischen Kapitalisten unterstützt wird. ' Die russischen Arbeiter haben beschlossen, den drillen Jahrestag der proletarischen Revo uiion dadurch zu feiern, daß sie die Propaganda für die Rote Armee vennehren und die Arbeitsdisziplin in ihrer eigenen Mitte steigern. Und an diesem dritten Jahreslage halten sich die russischen Arbeiter, die soviel gidu det i ml erfragen haben, für berechtigt, lEuCii, Arbeiter der gan.en Welt zu ermahnen und (Eilen erneut um Unterstützung zu ersuchen. Genossen, wenn diese oder jene bürgerliche Regierung Sowjetrußland angriff, traten bisher die Arbeiierpariden mit der Losung der Neutraliiäl hervor. Die ArbeiLrparieien forderten von ilneri bürgerlichen Regierungen, daß sie neutral bleiben und sich in die inneren Angelegenheiten der betreffendn Länder nicht einmischen. Jetzt genügt das nicht mehr. Die Losung der Neutralität, die Nichteinmischung muß einer anderen Losung Platz machen, die die Arbeiter der anderen Länder zur aktiven Unterstützung Sowejtrußlands mit allen zu Gebote stehenden Mitteln aufruft. Es soll von der Defensive zur Offensive übergegangen werden. Der zweite Weltkongreß der Kommunistischen Internationale hat bereits an die Arbeiter der ganzen Welt appelliert, die Munitionstransporte (nach allen bürgerlichen Ländern, die gegen Sowjetrußland kämpfen, auf jedwede Weise zu verhindern. Der izweite Kongreß der Dritten Internationale rief euch auf, die Munitionszüge 'in die Luit zu sprengen, die bürgerlichen Offiziere unschädlich zu inachen und mit alien Mitteln den Feinden Sowjetrußlands zu schaden. Am dritten Jahrestag der großen proletarischen Revolution wiederholen wir diesen Aufruf. Die blutgierige französische Bourgeoisie kauft die ungarischen Henker und rumänischen Kopfabschneider, hetzt sie auf Sowjetrußland und läßt sie dem Banditen, dem zaristischen General, Wrangel helfen. Die Arbeiter Rumäniens, Ungarns und der Tschechoslowakei sollen auf der Hut sein und ihre Pflicht tun. Die Arbeiter Frankreichs und Englands dürfem keinen Augenblick vergessen, welche Verantwortung auf sie fällt, wenn ihre bürgerlichen Regierungen einen neuen Uebcrfall auf Sowjetrußland planen. Arbeiter der ganzen Welt, gedenket, wieviel Lüge und Verleumdungen in diesen drei Jahren über die erste große sozialistische Republik verbreitet wurden. Doch das moralische Ansehen Sowjetrußlands wuchs trotzdem mit jedem Tag und jeder Stunde. Wie ein gewaltiger Magnet zieht Sowjetrußland die Herzen aller ehrlichen Arbeiter der Welt an. Sowjetrußland vermochte die unterdrückten Völker des Ostens — diese Parias unter den Parias — zu wecken und aufzuklären. Sowjetrußland verstand es, sich mit der einen Hand gegen die grausamen Feinde zu wehren und mit der anderen Hand den Bau des neutem Lebens zu beginnen. Das Beispiel Rußlands, das allein in ungleichem Kampfe, ohne Teilnahme der Arbeiter der anderen Länder (besonders zu Beginn der Revolution) vermocht hat, zu siegen und die Werktätigen an die Macht zu bringen, — dieses Beispiel sollte, euch alle mit Glauben und Begeisterung erfüllen. Die Arbeiter der- - anderen - Länderwerden . k einen ~£Q^^>weren Kampf führen müssen. Der Weg ist gebahnt, die Richtung ist gewiesen. Arbeiter, Arbeiterinnen, Menschen der Arbeit! .Möge der dritte Jahrestag der proletarischen Revolution Rußlands nirgends unbemerkt verstreichen. Magre es in ganz Europa, in der ganzen Welt keijne Stadt, kein Dorf, keinen Betrieb, kein Bergwerk, keine Kaserne geben, wo der 7. November nicht in dieser oder jener Form als Jahrestag der russischen Revolution gekennzeichnet weide. Organisiert Volksversammlungen, Straßendemonstrationen und Züge und erklärt d n Rückständigen, was di2 große proletarische Revolution Rußlands zu bedeuien hat. Schließt eure Reihen! Möge an diesem Tage über die ganze Welt eine Forderung erschallen: Unterstützung der Arbeiter und Bauern Sowjetrußlands mit allen Kräften.. Kampf gegen jede Munitionsversorgung der Feinde Sowjetrußlands mit allen Mitteln! Mögen an diesem* Tage die Werktätigen der ganzen Welt geioben: den Kampf nicht einzustellen, bis der Kapitalismus gestürzt und an seine Steile die Sowjetmacht in der ganzen Welt errichtet sein wird. Die Sozialverrätcr und die Parteien des „Zentrums" wissen, daß die Arbeiter der ganzen Welt erfüllt sind von Begeisterung für das russische Proletariat und die Sowjetregierung, und deshalb legen sie ein Lippenbekenntnis zum Schutz Sowjetrußlands ab. Wir brauchen einen derartigen Schutz nicht. Sowjetrußland braucht nicht Hilfe mit Worten, sondern mit Taten. Die revolutionären Arbeiter brauchen Kämpfer, aber keine Diplomaten und Schlauköpfe. Genug der offiziellen süßlich-sauren Worte zijjunsten der russischen Revolution. Nur derjenige darr unter dem Banner der russischen Revolution stehen, der in seinem eigenen Lande auf Leben und Tod gegen seine eigene Bourgeoisie, gegen die Sozialverräter und Unterdrücker kämpft. lMöge auf euren Fahnen am Tage des 7. November geschrieben stehen: E lebe die Sowjet macht in der ganz en We 1 t! Es lebe die Diktatur des Proletariats! Es lebe der Arbeiter aufstand! Es lebe die,a^Ttive Unterstütützung So w jetrußl ands! Kein Geschoß an die Feinde Sowjetruß 1 an ds! Es lebe die Kommunistische Internat ion ale! Oktober 1920.; Der Vorsitzende des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale: G. S i n q w j e w. Der Tag der Weltrcvolution. Zum drittenmale jährt sich der Tag, an'dem die klassenbewußten Proletarier Rußlands die politische Macht erobert und die ganze Welt, durch diese kühnste aller Taten in Bewegung gesetzt haben. Der 7. November 1917. Die „Gewaltigen der Erde" erzitterten, als sie die Kunde von der proletarischen Revlution vernahmen, sie erkannten, daß es diesmal um das Ganze geht und rüsteten zur Abwehr. Alle rüsteten sie gegen RubV Iand; jede der Großmächte scheinbar aus anderen. Gründen, jede mit scheinbar anderem Ziele und jede mit scheinbar anderen Waflen. Die E ltenie, die eigentlich in (lern Moment ins Wanken g?riet, als Rußland ausgesprungen ist, fühlte sich in ihrer Existenz bedroht; sie fürchtete, durch die MittelrruVlvte (besiegt zu werden und so sann sie damc i, wie man Rußland wieder vor den Wagen des westeuropäischen Imperialismus spannen könnte. Unevrmögens und nichtwillens, die schlummernde Natur- und Produktivkräfte des Landes zur Entwicklung zu bringen, mußte der Zarismus Jahrzehnte lang seine Alleinherrschaft über Rußland mit dem Gelde der französischen Großbanken erhalten. D|e Großmacht Rußland war in der Tat, der besolde-« Sklave der französisch - eng'ischen Finanzoligarchie. Und erst in den drei Kriegsjahren-ist diese Abhängigkeit unerträglich geworden. Das Volk erkannte endlich, daß die Millionen seiner Söhne, der Bauern und Arbeiter nicht für die Sache Rußlands, sondern für die Interessen der französischen Rentiers gefallen : sind. - — Und so war die erste erlösende Tat der proletarischen Diktatur: Rußlands Befreiung vom Joche des f ranzösischen Kapitals. Die Bolschewiki veröffentlichten die geheimen Verträge zwischen dem Zaren und der Entente und annullierten die Auslandsschulden der zaristischem Regierungen. Dadurch erst haben sie die verhängnisvollen Fehler der sogenannten Kerenskischen Feberrevolution, die das vorn Zarenjoche befreite Land auch fernerhin unter das Joch der Entente zwingen wollte", gut gemacht. Die Bolschewiki haben das Schicksal der. Arbeiter und B au ern lande s vom Schicksale der imperialistischen Großmächte endgültig getrennt. Arn 7. November 1917 wurde Rußland frei. Konnte die Entente, der geographischen Lage und der Situaiion au der Wcstiront wegen Rußland nicht direkt angreifen, mußten sich die gestrigen ,.Verbündeten" vorerst mit der Blockadeveihängung und mit dem „Lügalf eldzug" begnügen, so glaubte der mitteleuropäische Irnpcriadsrnt s in Sowje rußland reiche Beute zu machen. Er ging darauf los und maentesieh' daran, Rußland als europäischen Kolonialbesitz zu betrachten. Die Mittelmächte, die mit dem Zaren gerne ein an für Rußland günstigen Separatfrieden geschlossen hätten, wollten nun die Herrschaft der Bolschewiki dadurch unmöglich machen, indem sie de n Lande erdrückende Friedensbedingungen auferlegten. Und so war es die zweite befreiende Tat der Bolschewiki, daß sie Frieden um jeden Preis geschlossen ha beu, Haben die Bolschewiki derart eine deutsche Invasion abgewehrt und so die „Atempause" für die Weiterführung der Revolution gewonnen, verkannten sie aber keineswegs, daß die proletarische Revolution nur dann endgültig siegen kann, wenn sie zur Erhebung der Proletarier aller Länder führt. Die Weltrevolution sollte diegrößte aller Taten werden. Dieser erlösende Gedanke durchdringt und bestimmt alles Tun und Lassen der Bolschewiki. Und gerade dieser, am 7. November 1917 zur Tat gewordene Gedanke der Weltrevolution ist es, der die große Idee des Kommunismus verkörpert und durch den der Bolschewismus, drei Jahre hindurch die Arbeiterbewegung in der ganzen Welt mächtig beeinflußt. Die Weltrevolution. Starr blickten die „alten Veteranen" des Sozialismus um sich; sie sahen nirgends auch nur die Anzeichen ci :er solchen internationalen Ehebung Her Arbeiterschaft. Wo wäre denn diese Weltrevolution? fragten sie hohnläichelnd und selbstzufrieden^ Sie bemerkten dabei nicht, welche Mühe diese Weltrevolution ihnen

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