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Freie Tribüne · 1920-10-16 · 36 (16.10.1920) · page 1

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Journal
Freie Tribüne
Volume
2 (1920)
Issue
36 (16.10.1920)
Date
1920-10-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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AJs die Arbeiterschaft Deutschösterreichs voriges Jahr aufgerufen wurde, durch freie Stimmenabgabe darüber zu entscheiden: soll D e u t s c Ii ö s t e i' reich auf kapitalistischer oder sozialistischer Grundlage wieder aufgebaut w e r den, da c n t s c h i e d wohl die Hälfte der wahlberechtigten Männer und Frauen, das heißt, die große Mehrheit der Arbeitenden und Schaffenden unzweideutig" TU r den Sozia lismu s. Isi dadurch auch nur ein wirklicher ernster Schritt zur sozialistischen Wirtschaftsordnung gemacht worden?. Sind dadurch auch nur einige der Privilegien des Kapitals abgeschafft worden?: Ist dadurch die Macht der Herrschenden gebrochen und die Macht der Ausgebeuteten gesichert worden?J Nein. Stimmzettel sind wohl überzeugender Beweis von Gesinnungs- und Parteitreue, sie besitzen jedoch nicht die im widers i n h 1 i c hie Uoberzcug u n g sk r a f t, die dazu erforderlich sei, die Kapitalistenkln'sso ihrer Machtposition zu entkleiden.. Dazu sind ganz andere „üeberzeugungsuittter" als der Stir:\ruzettel »'rforderlieh. Der wirklichen Macht der Ausbeuter müßte die leibhaftige Macht der Ausgebeuteten — der Diktatur des Kapitals — die Diktatur des Proletariats •— entgegengestelU werden. Diesmal heißt es, soll das Volk Deutscheste creichs darüber „entscheiden": ob das Land monarchistisch oder republikanisch r eg i e r t worden s o 11. Aber ebensowenig wie die Mehrheit der. Werktätigen im Jahr 1910 durch bloße Stimmenabgabe erwirken konnte, daß die Kapitalisten enteignet und die Arbeitenden in den Vollbesitz ihres Arbeitsertrages gesetzt werden, ebensowenig werden die freien Männer und Frauen Deutschösterreichs im Oktober 1U20 durch bloße Stimmenabgabe die republikanische Regierurigsform sichern können,: Wohl wird die drohende Reaktion sich durch die Wahl überzeugen können, daß die große Mehrheit der Werktätigen ganz entschieden, gegen eine Rückkehr der Monarehie sind. Allein das Argument des Stimmzettels besitzt nicht diejenige außerordentliche Ueberzeugungskraft, die dazu erforderlich ist, die Reaktion von der völligen Aussichtslosigkeit eines gegenrevolutionären Versuches anschaulich zu überzeugen* Dies umsoweni'ger, als die reaktionären Kräfte ziemlich gut organisiert und bewaffnet sind. Nein. Auch über politische Machtverhältnisse lälU sich nicht durch eine bloße Mehrheitsabstimmung entscheide n. Auch hier müßte man reale Macht gegen Macht stellen und so den Gegner überzeugen. Am 17. . 0 k t o b e r gilt es, diese leibhaftige, überzeugen deMacht.zu gewinnen.; Jeder, der für die kommunistische "Partei stinrat, darf keinen Augenblick glauben, er hätte d a m i t allein seine P. flicht b er e i t s erfüllt, vielmehr muß er sich dessen beWußt werden, daß er durch sein Bekenntnis zum Kommunismus eine große P.flicht auf sieb, genommen hat. Die Pflicht für den Kommunismus zu kämpfen. Nicht auf Stimmenfang gehen die Kommunisten am 17. Oktober aus. Kämpfer wollen -■vir gewinnen. Zielbewußte, unerschrockene und überzeugungstreuo Kämpfer, die am Tage der großen — d-n* endgiltigen Entscheidung durch ihre wirkliche und sittliche Kraft den Gegner unwiderstehlich überzeugen. Am 17. Oktober stimme also nur derjenige kommunistisch, der auch bereit sei, kommunistisen zu k ii m pfen. Der Wahltag soll so der Tag der kommunistischen Sammlung werden. Wir, ,jüdischen,klassenbewußten Proletarier werden unseren Platz in den Reihen der kommunistischen Wähler — der kommunistischen Kämpfer — ausfüllen. Denn nur im großen entscheidenden Kampfe zwischen Arbeit und Kapital wird auch die ,Bn t- ~-.s o ti.e i;d„n.n,j?.^ ruidwnte^rüokte Völker fallen. ' ' * Die „Entscheidung"! Wie oft hatte man sie a/uch uns vorgetäuscht? Zuerst wollte uns die jüdische bürgerliche Intelligenz einreden, die Entscheidung wäre bereits gefallen : die jüdischen Arbeitenden müssen bloß ihre Zustimmung dazu geben, daß ihre Kinder in die europäische Kultur eingeführt werden und die Judenfrage sei entschieden. Später glaubten die Ideologen des jüdischen Kleinbürgertums die Entscheidung dadurch herbeizuführen, indem sie die Zustimmung einiger Majestäten zur Gründung eines jüdisohen. Staates erlangen. Und jetzt wollen uns die Zionisten weismachen, die Entscheidung wäre bereits endgültig in San Remo gefallen. Wir müssen bloß zustimmen und das „drilte jüdische Reich" ist erstanden. Alle wollten sie die Entscheidung durch eine direkte Befragung des Volkes — dnroh Abstimmung. Wir aber wissen: erst wenn die reale Macht der Proletarier aller Völker so stark sei, die Herrschaft der Ausbeuter zu vernichten und über deren Köpfe die Völkergemeinschaft der Arbeitenden zu begründen, dann erst sei der Tag der Entscheidung auch für uns - Unterdrückteste Aller — gekommen. Bis dahin wollen wir überall die Macht der Llassonbewußten Proletarier durch unser tatkräftiges Wirken vermehren und verstärken. Wir wollen bis dahin unsere eigene Macht im wirtschaftlichen Organismus des jüdischen Volkes durch eine Gesundung der Volkswirtschaft, durch eine zielbewußte Konzentrierung der jüdischen wandernden Massen, durch deren planmäßigen Kolonisieruug in Palästina stärken und mehren« Damit wir am Tage der großen, endgültigen Entscheidung als vollwertige Kämpfer auch wirklich m i t- <» n t s e h n i den können* Am 17. Oktober bekennen wir uns zur völkerbefreienden kommunistischen [dee. Am Waldtag stellen wir uns in die kommunistischen Reihen. Du rch unsere Stimmenabgabe übernehmen wir die Pflicht zu kämpfen Für d i «■ kommunistische Gesellschaft der N a t i o n, f ii r d i e j ü d i s c h e kommunistische Gesellschaft in P u 1 H - t i n a. A n die U r n Herunter die Maske! Vom heuchlerischen AntSitz der Jüdisch-Nationalen. Robert Stricker, Anitta. Müller und Genossen41, bewerben sich um die jüdischen Stimmen in Wien« Und so versuchen sie auch, den jüdischen Wählern zu erklären, warum gerade sie — die Kandidaten der Jüdisch-Nationalen — den größten Anspruch auf die jüdischen Stimmen erheben dürfen. Hören wir nun, mit welchen geistigen Waffe n die edlen Menschen- und Judenfreimdo gegen hre Walügegner kämpfen. Robert Stricker, der „große" Staatsmann der kleinen jüdischen Greisler! Anitta Müller die geschäftsmäßige Pflegerin des Berufsschnorrertums! Beide modern denkende Individuen, beide Volksfreunde, ja . ,. fast — Sozialisten; natürlich im „bessern" und „edlern'- Sinne des Wortes. Jedem VölkerhaL» und Klassenkampf feind, kämpfen sie nur mit einwandfreien geistigen Waffen gegen ihre Gegner; insbesondere gegen ihre Gegner von Links. Robert Stricker und Anitta Müllerv! Herunter die Maske von diesen beiden nichtigen, Geschäftspolitikern! Alle jüdischen Wähler — besonders aber die Arbeitenden des jüdischen Volkes, sollen das wahre Antlitz dieser falschen Volksfreunde, in deren gräß"-< iicher Abscheuliciikeit'erblicken- - . ■•■ . .. . ..------_ Jeder jüdische Arbeitende nehme das letzte Flugblatt der Jüdisch-Nationalen und lese: „Ehr könnt aicht kommiwisiisch wählet«!• Unter der Bezeichnung „kommunistisch" verbirgt sich der bluttriefende rote Terror. Seine Vorlauter wollen durch Mord ujid Brand an Stelle des früheren. Sc'üreckenssystem.s ein neues setzen. Verblendete Juden haben sich in den Dienst dieser,* vom iluchwürdigen Weltkfieq geborenen Idee gestellt und dadurch unendliches Leid über ihre jüdisenen Brüder heraufbeschworen. Hunderttausende Juden wurden im Osten um ihretwillen hingeschlachtet und im Westen stützt sich die antisemitische Propaganda auf ihre Tät;gkejt. Nicht die Gewalt, nicht der blutige Kampf der Klassen, nur ihre Versöhnung kann die leidende Menschheit aufrichten. Ihr könnt nlciit kammtnrtsUseh wähle»." Schmach und Schande über euch, die ihr euoh Jüdisch-Nationale Partei nennt, die ihr so um die Stimmen der jüdischen Wähler werbet. Die ganze Welt, manuelle und geistige Arbeiter aller Zungen und Erdzonen, Dichter und Denker, die, Besten der Menschheit segnen das Werk Lenins und seiner Freunde. Und ihr jüdischnationale Greisler und Schnorrer, ihr beschimpft die Bolsehowiki genau so wie euere wahren Busenfreunde die Christlichsozialen. Anatol France, Bernhard Shaw und Maxim Gorki dienen der kommunistischen Idee und ihr nichtswürdige Kleinkrümer nennt den Kommunismus eine „vom fluchwürdigen Krieg geborene Idee." Schmach über euch! Millionen Arbeitende und Schaffende neigen andachtsvoll ihre Häupter vor den großen Geistern der proletarischen Revolution Lenin, Trotzki und Genossen, und ihr geschäftige Parasiten am Volkskörper erfrecht euch über die „Großen der Zeit" im Pübeljargon der Pogromhetzer zu reden. Schande über euch! Schmach und Schande. Ihr heuchelt den jüdischen Massen die national« Üüfreiungsidee vor und verleumdet die schönste aller Ideen als „bluttriefenden .Terror".. in euerer gemeinsten Niedertracht bringt ihr es y.uwege, diejenigen Männer, die den Kampf gegen den Antisemitismus zu ihrem Lebenskampfe gemacht, die es verstanden haben, im großen Rußtand, trotzdem es viele Tausonde solcher verruchter JüdischrNationaler wie ihr gibt, jede Ppgromsgefahr abzuwehren, zu beschuldigen, daß um ihretwillen hunderttausende Juden hingeschlachtet wurden. Das einzige Land auf firden, wo es keine .Judenverfolgungen und keine Pogrome gibt - Rußland — verleumdet ihr als das Land dos Schreckens. Schmach über euohl Ihr habt selbst euere falsche Masko gelüftet. Und nun rufen, wir alle jüdischen Proletarier, alle arbeitenden Juden: seht euch das wahre abscheü-

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