Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 34 (1.10.1920)
- Date
- 1920-10-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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SEITE 2 FREIE TRIBÜNE NK. 34 Poalc Zion~Kommuni$ten auf dem Kongreß dciOstvölker in . v < *' *" . 1 f/'I ' v'i " /^"mIIb* * \k 1/^'"!-'*r" IV- Vi»;; »ÄKlli r V;' 1 o' » ' ' : * 1 11 * ' 1 VdfSbhfüI diiBltitöi if härten wirf olgen- , : : :; .1 ■ . r i dekiir2# Wa^Hchten;*ii4M68kau: (Red.); \Aut dem Kongreß der Ostvölker in\ Bakti wareft die Poale. Zion-Kbmmuflisten dufdh * effe Genossen Z. OstroWikf und Midie) Kohn-Eber vertreten. In das Büro, In defn der Vorsitzende des Exekutivkomitees der dritten internationale das Präsidium innehat, würde Genosse Ostrowski zum Sekretär gewählt» Die J- S. D, P. Z. in Rußland gespalten« Die kommunistische Fraktion als ganze in die j. K. P. P. Z; eingetreten. Auf dem, Anfangs September in Moskau stattgefundenen Parteitage der Jüdischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Poale Zion, hat nach heftigen Auseinandersetzungen die kommunistische Fraktion ihren Austritt aus der Paitei deklariert 22 Delegierte, verließen den Parteitag und begaben sich direkt in die zur gleichen Zeit in Moskau einberufene .Sitzung des Parteirates der Jüdischen Kommunistischen Partei Poale-Zion und vollzogen so den Eintritt in die J. K. P. . - Auf der fortgesetzten Tagung des Parteirates der J. K. P., gemeinsam mit den soeben beigetretenen Genossen, erklärte sich die Beratung solidarisch mit allen programmatischen Deklarationen und der Taktik der kommunistischen Fraktion auf der V. Weltkonferenz. Das Zentralkomitee der J. K. P. wurden durch die Genossen Rosenhaus, Bleicher, Arotzker, Palatnik und Chaim Awerbuch ergänzt. Ausführliche Berichte folgen. Arbeitsgenossenschaften auf Neuland. In dem vorigen Aufsetze über die jüdische kooperative Bewegung sprach ich die Hoffnung (aus, die Weltkonferenz der Poale Zion werde der genossenschaftlichen Entwicklung der jüdischen Arbeiterschaft ihre besondere Aufmerksam-* fceit zuwenden und eine zentrale ZusammeciK iassung der jüdischen Arbeiterkooperativen in!dßn versdi.edenen Ländern erstreben, um so für den Klassenkampf des jüdischen Proletariats feine neue mächtige Waffe zu schmieden. I Nach den Ergebnissen der Weltkalfereuia muß ich leider gestehen, daß ich das rherorischte Bedürfnis und den ausgeprägten Individualismus, welche auf der Konferenz eine große Rolle spielten, nicht richtig ins Kalkül gezogen habe. Gerade diese Eigenschaften, so sehr sie auch zur eklektischen Klärung beigetragen •laben, erschweren die Bildung einer geschtossfenen Phalanx des jüdischen Proletariats, welche jalleiii dessen Kampf zum guten Ende führen- :■• ■ -;y i . ■ kann. richtig die Aussage ist, daß es in der gegenwütigen, kapitalistischen Gesellschaitsprdnunff unmög* Kc*. iat, derart bedeutende Zugeständnisse für dasi'uletarieit zu 'erlangen, daß biedurch die Grundtesten eter boiff^eoisen. Ordnung erschüttert werden, so lalbchist esfv*ni meinen, die "Ä'rbeifersch'aft Tmüsse im la?alisti-'■ sobeHi Glauben an seine bessere Zukunft, i sich jeder auqsfernktiven sozialistischen Gegenwartsarbeit enthalten. Ber Sozialismus hat eben nicht nur die Enteignung der Produktionsmittel zur Voraussetzung,; sondorh vor allem anderen die Beherrschung 'den Pro - d u k't i o n s p r o z e s s e s durch das Proletariat. v3Me Kadres aber, durch welche die' Arbeiterschaft gehen muß, um die restlose Beherrschung der wichtigsten! ökonomischen Funktionen der Gütererzouguug uni.;. Güterverteiluug zu erlernen, sind die proletarischen Produktiv- und Konsumgenossenschaften. ös ist daher ein eminentes Interesse der sozialistischen Taktik, in kapitalistischen Staaten möglichst viele Arbeiter in der Genossenschaftsbewegung zu vereinigen. Je stärker und festgefügter die Arbeiter g e n o s s e n s o h a f t e n s i n d, d e s t c reibu a-gsloser wird sich der ökono misch-technische Uebergaiig zur sozial i s t i s c h e n Gesellschaft vollziehen, .Diese Sätze, deren' Giltigkoit für die Verhältnisse in kapitalistischen Staaten wohl von niemand bostritton wird, haben aber eine besondere Bedeutung für dio auf Neuland erst werdende jüdische Gesellschaft. »St ^manche unserer Genossen sohwelgon in der Vorstellung, als könnte in Palästina von vornheicin eiae , kommunistische' Gesellschaftsordnung erstehen. Ahgesiohts der territorialen Abgeschlossenheit dieses Landes von den nächstgelegenen russischen und kaukasischen Sowjetrepubliken, entbohrt diese Annahme vorläufig jeder Aktualität. Der Aufbau Palästinas wird sich; vorerst nicht nach den Grundsätzen der öffentlichen Wohlfahrt — sondern naoh den Profitaussichten IÄeri) Herren des Kapitals und \ der Produktionsmittel vollziehen. Wenn aber die Eigentümer der toten Arbeitsmittel mit Ahrem Pfunde wuchern, so darf nicht vergessen werdon, daß diese Arbeitsmittel erst dadurch Wert erhalten und Wert erzeugen, daß sie von der geistigen und manuellen Arbeitsk r a ft zw e o k m ä. ß i £ benützt werden. r Daher ist die menschliche Arbeitskraft das wichtigste Produktionsmittel und deren Besitzer der wichtigste Prpduktionsfäktor. . mi ' wi"d fley Pro'hiktitnsprozeß von den Eignern der toten Arbeitsmittel entweder selbst oder durch Vermittlung der den Unternehmern ergebenen technischen Hilfskräfte geleitet. Der Arbeitsuchende tritt dem Unternehmer als Einzelher gegenüber. "Das1'Proletariat; zersplittert, aloiuisiei% besitzt keinen Einfluß auf die Leitung der- Warenerzeugung und ist in dieser Beziehung vollkommen aar WüÄfcür des Unternehmertums ausgeliefert. : Paß es nicht immer und überall so sein muß, aa für bieten uns die italienischen Erd- und Bauarbeiiergenossenschafton treffliche Beispiele. Hier ist doi* kapitalistische Auftraggeber von der Lo i t u n g des Ar-, beitsprozesses vollkommen ausgeschaltet. Er bestellt bei der Genossenschaft die Ausführung eines bestimmten .Werkes, zu einem vereinbarten Preise, innerhalb' einer festgesetzten Zeit und hat sich weiter um die Arbeit nicht zu kümmern* Dieselbe wird'von der Genoasenschaft selbständig geleitet und geleistet. Dio einzelnen Genossenschaften, aus Hilfsarbeitern unter der Leitung erfahrener Oapos gebildet, haben sich in verschiedenen Zweigen des Tief- und' Hochbaues spezialisiere, wie z. B. im Tunnelbau, Eisenbahn-, Straßen-, Wasserbau etc. und leisten auf jedem Gebiete Ho/vor-" ragendes. Unsere .Alpenstraßen und Gebirgsbahnen, der Simplon-Tunnel, die grollartigen Wasserkraft-und Wehranlagen, welche die italienischen Bauarbeilergenossenschaften in allen Ländern der Erde geschalten haben,, bilden den augenfälligsten Beweis für die technisch hochwertige Leistung der selbständigen proletarischen Arbeitsorganisationen. Wir sehen also, daß Gruppen von Arbeitern, i ns o fe r ne sie den P r od u kti o ns p r o z e ß b e^ he rr s ehen,i wohl.in der Lage sind,, kraft de.s Besitz e s - d/ e-i*. -b4 o-ße-n -A^b>e i t s fcr a-f-t^-ala^ selbständige Genossenschaften, aufzutreten "und mit -den"* kapitalistischen Unternehmern als Arbeitsunlernehmei* auf gleichem Fuße zu verhandeln. *■ '■ Wohl i ist diese Organisationsform nur auf gewisse Produktionszweige beschränkt, keineswegs bedeutet sie Sozialismus, da ja das wesentlichste Merkmal der kapitalistischen Ausbeutung, 'die Erzeugung von Mehrwert, bleibt; aber. zweifelsohne ist die Arbeitsgenossenschaft eine wichtige Etappe auf dem Wege' der Verwirklichung des Sozialismus, da sie der Kardinalforderung der Beherrschung des Produktionsprozesses durch das Proletariat gerecht wird. Welche Folgerungen ergeben sich aus dem eben Gesagten für den Aufbau Palästinas, "dem Lande, -in das ein immer stärker werdender Emigrantonstrom von jüdischen Proletariern sich ergießt? Wir haben nicht ■■ ohne Grund je ne n Typus von Arbeitergenossenschaften als Beispiel erwähnt, welcher sich hauptsächlich mit urproduktiver Arbeit befaßt. Tatsächlich wird die Urbarmachung de Landes, der Bau von Straßen, Wohnstätlon und Verkehrsmitteln, die Regulierung von Flüssen und; Wasserläufen, die Einführung -von Kanalisation und Wasserleitung in den größeren Ortschaften, die Erriontung von Kraftanlagen, r— vorerst geleistet werden müssen, da ohne cliese Voraussetzungen ein Leben im Lande überhaupt unmöglioh ist. Wenn jüdische Arbeiter' dieses gigantische Werk des Aufbaues von Nou- Iand leisten sollen, so können sie dies nur in intensiver, sachkundiger und saohergobener aber freie.r Arbeit. Niemals könnten jüdlsohe P r o 1 o t a - rier zu extensiver S kJl a ven ar b eitn a ch dem System der PIantagenwirtschatte n v e r h a 1 te n werden! Hier ergibt sich die Nutzanwendung des vorer- -währiteh Beispieles der, italienischen' Arbeitsgonossonschaften. Die für die Urbarmachung 'des Landes in Betraoht kommenden jüdischen Arbeiter organisieren siQh unter Führung sachkundiger Faohleute zu Genossenschailea mit dem Ziele, sich in den einzelnen Arbeitszwoigen zu spezialisieren. Das Lieben in den einzelnen Genossenschaften ist durchaus kommunistisch. Es wird eine gemeinschaftliche Küche geführt, ebenso wird gemein-, sohaftlich für Wohnung, Kleidung und die notwendigsten Lebensbedürfnisse gesorgt. Die Ausfertigung der Kostenvoransohläge .und Offerte an die Auftraggeber , besorgt vorerst die technische Leitung der Genossenschaft, später, wenn auf mehreren Arbeitsgebieten Genossenschaften entstanden sind, werden größere Arbeiten von dem Verbände aller ArbeitsgenossensoliÄfton zur Ausführung üb#rnd1i- 'men^nno>an.rdie öinzelnen ^GenffssSnSöhaften i« s*#h iihre#f facnliölieji Spezialisieruiig mtg&htä . " ]]' 11 t pie ÄVoei&genossenschaÄen erlangen du^ell ^i» < förNährende.BesoEähigung in ^3610^'Arböifeßifciel einen immer größer werdenden .Erfahrungsschatz,'Cdi* ' Arbeitsmethödön entwickeln sich immer mehr, die fachliche" Intensivierung schreitet fott. rlieraus ergibt aitk notwendigerweise eine" Verringerung der zur Vollbringüng des Werkes nötigen Arbeitszeit, verbunden mit (fttalitätiv hochwertigerer Ausführung und somit die erhöhte Konkurrenzfähigkeit kapitalistischen Unter ne Hm u n g e n gegenüber. Die Konkurrenzfähigkeit der' Urproduzentengenoäsenschaften ist eine unbestreitbare Tatsache. Die italienischen Bauarbeiterkooperativen haben sich überall tn dor \fält glänzend behauptet. Die Ursach© dfeser „Kapitalistendämmerung" liegt vor allem in dem ko^ Iossalen Interesse, das jeder Arbeiter an der Lösung der Aufgabe haben muß, wodurch die Arbeitsitensität der Genossenschaft unaufhörlich wächst. Durch 'diese Faktum der Konkurrenzfähigkeit r*rird aber auch die Lösung des Arboiterproblems im Jüdischen Neuland günstig beeinflußt. Die Gefahr ist eminent, daß dor Kapitalismus in 'der eingeborenen Felachenbevölkerüng, dank derenniederer Lebenshaltung^ billige Arbeitssklaven finden wird, welche den eingewanderten jüdischen Arbeitern mit höherer Lebenshaltung jedes,"einesKulturmenschen würdige Dasein unmöglich machen. Das Unvermögen der extensiven kapitalistischti Fronarbeit, gegen die intensive, sachergebene GenoErsenschaftsarbeit aufzukommen, bannt diese Gefahr. Der Felache wird',, wenn er an der Aufbauarbeit teilnehmen will, Mitglied einer Arbeitsgenossenschaft werden und . sich auf das Niveau des jüdischen Arbeiters . erheben müssen. ^ei diesen Genossenschaften ist das gewerkschaftliche Problem von vornherein gelöst. Die Arbeitsgenossenschaft ist "die Gewerkschaft. Damit wird eine Forderung der kommunistischen Gewerkschaftspolitik erfüllt/ Die Gewerkschaft hat nicht mehr nur nach. Palliativmitteln auszulugen, um den Arbeitern, das Leben in der kapitalistischen Gesellschaft möglich zu machen und dadurch unbewußt dieselbe zu stützen, sondern, sie greift in die Produktion selbst ein und vollbringt so die wahre Emanzipation des Proleia-- riafs. Nicht zu unterschätzen ist der starke moralisch». Einfluß den die Arbeitsgenossenschaften auf dos. gesamte., gesellschaftliche, wirtschaftliche und politisch« .Leben JbaJ! Neuland ausstrahlen worden. -Die;Zusa.mmengeliörigkeit derbewußt Schaff enden, nicht" nur als theor e ti sehe P o r de r un g, s o n d em im L eben verwirklicht; der Kommunismus, nicht nu:r/als politisches Idol, sondern als Inhalt des Lebens aller Tage, das ist Us-rgrund und Ziel der kooperatire« Organismen auf jüdischem Neula'nel, Diese Pioniere brechen der Arboiternation eine freie Gasse. Glücksmann, RUNDSCHAU. Der Wirtschaftliche Wieden auf bau in Sowjetrußland. „Posta, Wien/« „Ein neuer Sieg an der Front der Arbeit." In Kimru (Gouvernement Twer) wurde in der neuen Elektro*Stotio*i ein großer Motor von 60 HP. in Betrieb gesetzt; Die ge-i mmte Lederindustrie von Kimrg wird elektrifiziert; lieber 40 Prozent der Arbeiten an der Elektrifizierung des Bezirke^ sind beendet. In Odessa wurden im Laufe des letzten Monates über 2—300 000 Pud Salz erzeugt. Es kann damit gerechnet wer-» den, daß nach der Bearbeitung die Salzerzeugung üer Saiso» etwa 5Va Millionen Pud betragen wird, d. h. fünfmal mehr, als die durchschnitlllche Erzeugung der Vorkriegszeit,- .' Nach Sibirien wurden vor einiger Zeit zwecks E-nteräumungsarbeiten über 6000 freiwillige Landarbeiter entsendet.- Nach heute eingetroffenen Meldungen haben diese Ar bei her 1950 Familien der Raten Soldaten ihre Felder geräumt. 350Q Desjatin werden neu gepflügt. Die Eisenbahner der Süd-West-Gouvernements habenes in angestrengter, freiwilliger Arbeit erzielt, daß sämtliche, wichtige Brücken über die Beresina (bei Bobruisk), dew^ Dnjepr (bei Rjeschiza) und andere, die von den Polen gesprengt wurden, provisorisch, aber teilweise auch vollständig! wiederhergestellt wurden. Die direkte Verbindung Schlobin- \ Minsk-Gomel ist im Betrieb. In Serpuchow wurden sämtliche Spinnereien nach Eintreffen des flüssigen Brennstoffes in Betrieb gesetzt. Ifr Ripezk ist man zur Elektrifiz^rung der Betriebe, der Stadt; und der nächstliegenden Dörfer herangetreten. * z Die Arbeiter von Korosten haben nach der Befreiung ihrer GebieteJran polnisehielnj Banden (bei «mpfipiduchtem1 MangjeD an .Material und Instrumenten sämtliche Brücken und Geleise wieder hergestellt, wobei sie freiwillig 12-14 Stunden täglich gearbeitet haben. . In Kusmezk und Perm haben die Arbeiter zwecks1 schleunigster Reparation der Lokomotiven mit Rücksicht auf; die bevorstehende Versorgungs-Jfanipagne ihren Arbeitstag freiwillig mit zwei Stunden erhöht. In den Werkstättea yo» Serpuchow wurde eine Steigerung der ErzeugungswhigKeifr* mit 75 Prozent konstatiert. ... In Petrograd traf die erste Naphthasendung em, diÄ aus 61.000 Pud besteht. Derzeit sind 16 Naphrhazügs nach Petrograd im Rollen, die zusammen mit einer MillioM Piki Naphtha beladen sind. Die .Prawda" schreibt: „Wir alle wissen, daß Petersburg unqeheure Vorräte an revolutionärer proletarischer Energie besitzt. Sie äußert sieh! vor allehl in der Disziplin;