Mannheim
Compact Memory

Freie Tribüne · 1920-09-18 · 32 (18.9.1920) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freie Tribüne
Volume
2 (1920)
Issue
32 (18.9.1920)
Date
1920-09-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2827798-2827816-2827844--383-2828453
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

FREIE TRIBÜNE NR. *2 Die norwegische Arbeiterpartei für die III. Internationale. . Cliristiania. 2. September 1920. Rosta, Wien.) Gr* /' Der K»ongreB der ciotwegSschen Arbeiterpartei hat einen Beschluß gefaßt, der sich für das Sowjetsystem und für d5e Diktatur des ProJetariafs ausspricht. Für den Beschluß stimmten 280, dagegen 32 Delegierte. Das kommunistische Programm in Bgzug au fdie Agrarfrage wurde gleichfalls imit erdrückender Mehrheit angenommen, fn exwn nach Moskau gesandten Telegramm wurde die Rote Hrmee zu ihren Siegen beglückwünscht. Der Kongreß forderte dte norwegischen Arbeiter auf, in den Fabriken die Erzeugung des Ammonium-Nitrates einzustellen, nachdem dieses zur Herstellung von Explosivstoffen gegen die Russen verwendet werden könnte. / i Parteitag der ukrainischen Linken Sozial- Revolutionäre, Borotjbisten. ' ' Iswiestija melden: In Charkow wurde vom 16. bis 20. Juli der 4. Parteitag der linken Sozial-Revolutionäre (Borotjbisten) abgehalten. Anwesend waren 100 Delegierte, die 4000 Parteimitglieder vertraten. Es wurde einstimmig beschlossen, das Schicksal und die Zukunft der Parteimassen mit der Partei der Kommunisten (Bolscfoewiki) zu verknüpfen und sich mit ilfoen Reihen zu verscnmeltzen. In der Erkenntnis, daß der Augenblick des Zusammenschlusses aller revolutionärer Kräfte unter der Fahne der Kommunistischen Partei (Bolschewiki) gekommen ist, beschließt der 4. Kongreß sich der Komunistischen Partei anzuschließen. Sieg der Kommunisten am Allrussischen Gewerkschaftskongreß. .Moskau, 20. August 1920. (Rosta, Wien..) -Mitteilung des Zentral-Komitees der russischen Kommunistischen Partei: Allein kommunistischen Partei-Genossen.' Der 3. Allrussische Kongreß der Gewerkschaften und der Sowjetangestellten endete mit dem vollen Siege der kommunistischen Fraktion über die Fraktion der Menschewiki und der Unabhängigen. Die letzteren hatten 40 Delegaten, während die kommunistische Fraktion 212 Genossen zählte. Steg der Kommunisten bei den Gemeindewählen in Serbien. (Meldung „Rosta", Wäen.) . Ztim Wahlsieg der Kommunistein in Serbien wird aus Belgrad vom 31. August gemeldet: Das Ergebnis der Wahlen fhat das ganze Land in die größte Erregung, gesetzt, da die Kommunisten in den 15 größten Städten in Belgrad, Kragujevac, Sabac, NSs, Valjevo, Kumanovo, Veles; Pirot; Uzice etc. . und in über % Dörfern die Mehrheit erhiiaiten* in vielen Orten sogar die absolute Mehrheit. Dieser Erfolg ist umso bemerkenswerter, da .die Wahlparole der Kommunistischen Partei maxSmalistisch war, und sie erklärte, die Wählerschaft dürfe sich von ihr keine positive Arbeit in den Gemeinden erwarten, der ganze ,Walbikampf~ sei nur . «ine, Plänkete* auf einer nebensächlichen Front und bb&e Vorbereitung für die unausbleibliche Hauptschlacht der sozialen Revolution. Die Kommunistische Partei erklärte, daß das Wahfr/ßsultat ein falsches sei, da die Regierung mit ünerihörljeto. Terror und die Kreis- und Bezirksämter mit so viel Fälschungen gearbeitet hatten, daß der Minister des Inneren sich gezwungen sah, die weitere Publikation der falschen Berichte einzustellen, wozu Ihn übrigens auch die besorgniserregenden "Resultate veranlaßten. Wie geschwächt däe beiden bürgerlichen kandidierenden Parteien aus den Wahlen hervorgingen, u. zw. die altradikale und die sogenannte demokratische Partei, geht, daraus hervor, daß sie «ane ganze Anzahl neugewäfalter Gemeanderäte zu ihrer liste rechnen, obwohl diese, die vor Jahren einmal den Parteien angehört hatten, offiziell als Parteilose, gegen ihre früheren Parteien kandidiert hatten. Man erwartet in Reglerungskreisen nervös ein Anti-Kommunisten-Gesetz ab, und hat bekanntlach die Belgrader kommunistische Fraktion, weil sie vor. der Eidablegung eine kommunistische Erklärung abgab,, suspendiert. Die Kommunistische Partei gibt kund, daß sie sich bis zur Entscheidung des Staatsrates* in dieser Sache auf vollkommen legalem Boden bewegen würde? wodurch i!bne moralische Position sehr gestärkt wird. Ein großer Teil der reaktionären Presse gibt offen zu, daß der Minister des Innern die Gesetze überschritten habe. Ihre Presse schreibt: Man hatte sollen zuerst ein antikommunis%ches Gesetz machen und sie nicht an den Wahlen teilnehmen lassen. Da sie aber legal gekämpft und legal gesiegt haben, sollte man sie arbeiten lassen und erst dann, wenn säe gegen das Gesetz arbeiten, dieses und die Gewalt gegen sie verwenden. Die Gärung im Osten. . v " 'London, 31. August 1920. („Rosta, Wien".) { , The Times melden aus Simla.(Indien): Es bestätigt sich, daß die Garnisonen in Maimana und Mazur-i-Shterif, (Nord- Afganastan) gemeutert und die Truppen die Errichtung von Soldatenräten nach russischem Muster gefordert haben. Judenverfolgungen in Polen, Laut „Robotnik" vom 30. August sind die Juden der Stadt Ptozk und Umgebung nach dem Rückzüge der Bolschewiken Verfolgungen ausgesetzt, die oft die lächerlichsten Formen annehmen. So hat der Vorstand der Schiffahrtsgesel - schalt, der dein Verkehr mit kleinen Dampfern auf der Weichsel versieht, eine Verordnung herausgegeben, nach welcher die Benützung der Dampfer der jüdischen Bevölkerung (30 Prozent der gesamten Stadtbevölkerung) verboten wurde. Selbst das Einschreiten/ der BeWörden gegen diese "Verordnung ist Erfolgtos geblieben. Die jüd. Arbeiter-Emigranten in in Wien. Für den großen Emigrationsstrorn jüdischer Arbeiter, die aus Polen, Galizien, Litauen und Weißrußland nach Palästina und Amerika sich wenden, bildet Wien die wichtigste Etappenstation. Schon das Ueberschreiben der polnischen und tschechoslowakischen Grenzen Ist füx die Emigranten, die größtenteils km militärpflichtigen Alter stehen, als ein wahres Martyrium zu bezeichnen. Aber erst^die nächstfolgenden kleinen Durchgngsstahonen, wie .Mährisch-Ostrau, Preßburg usw. lassen sie den ihnen bevorstehenden Leidensweg in seiner Gänze ahnen. Man ist dort gezwungen,, durchschnittlich sechs bis acht Wochen auf die Möglichkeit einer Weiterreise zu warten, hungert nebenbei notorisch, kampiertbestenfalls in Scheunen, meistens im Freien, das, heißt in den Wäldern und auf den Feldern. Man ist am; Ende der übrgerliehen Philantropie und der zionistischen „Gschaftelhuberei" wehrlos ausgeliefert. Den Zionisten nämlich ist es gelungen, gestutzt auf die englischen Missionen, das Recht der „Qualifizierung" der Palästinawanderer und somit auch die meisten Emigrätionsinstitutionen zu usurpieren und auszunützen. Daß unsere Genossen bei' einer solchen „Klassifizierung" nicht stets mit heiler Haut davonkommen, läßt sich« leicht vorstellen. Den nächsten Höllenkreis, der von den Emigranten zu durchschreiten ist, stellt die sogenannte „Emigranten'fürsorge" Wiens dar, die als niedrige und entwürdigende „Philantropie" betrieben wird. Zionisten, Orthodoxe usw., ohne Unterschied der Parteizugehörigkeit, betreiben nun ihr mysteriöses Werk mit geheimen Fonds ohne jegliche Kontrolle der Oeffentlichkeit. Die „Praktiker" des Zionistischen Paiästinaamtes und des „Joint" haben für alle Gebrechen der jüdischen Wirklichkeit ein einfaches Rezept. . Wer nach Palästina fährt, erhält nach Vorlage des mit einem Visum versehenen Passes — 1500 K als Reisespesen, wer sich nach Amerika oder anderswohin begehen will, erfährt folgende Behandlung: Drei Wochen lang bekommt er Mittagessen und Quartiergeld in der Höhe von 10 K täglich, dann „kanner getrost in die Donau gehen!" So ungefähr lautet die Lösung des Eraigrattonsprpblems, die . che zionistischen Machthaber des „Joint" zur allgemeinen Empfehlung bringen. Woher sollen die Emigranten die Aufenthaltsbewühgungen bekommen? Wo sind ihnen die Nachtlager für die Dauer des Aufenthaltes bereitet, der doch dank der „exakten" Arbeit des Palästinakomitees im besten Falle fünf bis sechs Wochen dauert... Wer schert sich darum, daß auch diejenigen, die Reisespesen mit sich bringen, ihre letzten Spargro- * sclien hier aufbrauchen müssen? Die Parteileitung bemüht sich nach Möglichkeit, die Not der organisierten Arbeiter zu lindern. Aus eigenen Mitteln werden die Genossen nach den drei „prädestinierten41 Wochen des „Joint" mit Mitrag- und Abendbrot versehen. Während des Tages werden werden ihnen Parteilokalitäten zum Aufenthalte zur Verfügung gestellt. Auch1 für Nachtquartiere ist Vorsorge getroffen. Freilieh sind alle .diese Maßnahmen nur Palliative, die auf die Dauer keinesfalls genügen. Ueberdies sind auch unsere finanziellen Mittel fast erschöpft und — sofern nicht in der nächsten Zeit schon eine großzügige Aktion einsetzt — steht die Emigrätion vor einer Katastrophe. Schon machen sich die demorilisierenden Wirkungen der zionistischen Philantropie bemerkbar. Hunderte uikI Aberhunderte jüdischer Proletarier sehen sich nicht nur dem'schrecklichsten materiellen Leid und Elend, sondern auch der Deklassierung und Degradierung zu. Berufs-, schnorrern -rmit ihren unausbleiblichen moralischen Folgen — gegenüberstellt. Gegenwärtig befinden sich in Wien 700 Arbeiteremigranten, die zur Hälfte unsere Parteigenossen sind. Die meisten bezeichnen als das Endziel ihrer Wanderung Palästina, wenige.nur Amerika und nur Einzelne wollen nach Westeuropa fahren. Die Allerwenigsten sind nur im Besitze von Reisespesen und Dokumenten. Die Emigration zeigt eine sich stets steigernde Tendenz, die durch die politischen Verfolgungen in Polen einen panischen Ausdruck erhält. Die Zerstörung der Produktion im Osten und die ungeheure Arbeitslosigkeit sind ihre eigentlichen Triebkräfte. In Verbindung mit den jüdischen Arbeiterorganisationen üh Amerika müßte ein Arbeiter-Hilfskomitee, aller jüdisch -sozialistischen Parteien gegründet werden, dessen vornehmste Aufgabe — die Emigrationsfürsorge sein soll. Es muß unter allen Umständen verhütet werden, daß organisierte jüdische Arbeiter vor dem bürgerlichen ,Joint'' als Bettler erscheinen und nach Willkür behandelt werden, Barackenlager müssen als Absteigqüartiere für die Durchreisenden gebaut werden, Lesesäle und Bibliotheken errichtet werden! Ein rationeller Modus für die Lösung des gesamten Problems muß gefunden, eine rechtliche Basfe für den vorübergehenden Aufenthalt auf den Et.ippenstationen geschaffen werden. Ein gut organisiertes Palästinaamt soll den zionistischen Bürokraten das. alleinige Qualifizierungsrecht auf „Zionstreue und Gesinnungsreinheit" — und dies mit Hilfe der englischen Arbeiterschaft — streitig zu machen wissen. Dadurch wären der organisierten jüdischen Arbeiterschaft manche-,.Schutzmaßnahmen" der Zionisten erspart geblieben. , . ' Die ostjüdischen Arbeiter, die von den weißen Garden der polnischen Reaktion gezwungen sind, ihre alten Kampfpositonen zu verlassen, wenden sich hiemit an die jüdische und internationale Arbeiterschaft des Westens, sie in dem kritischesten Augenblick ihres Kampfes für ihre Ideale zu unterstützen.-'Die'Regulierung der Arbeiteremigration muß in der Hand der Arbeiterschaft selbst liegen. Die jüdische Arbeiterschaft, die zur historischen' Aufgabe des Aufbaues einer sozialistischen jüdischen Gesellschaft in Palästina berufen ist, stellt nunmehr vor der Entscheidung. Jüdische Arbeiter, tut, eure Pflicht! G. O. Anzeigen. Parteigenossen! Samstag, den 18. September, um 7 50 Uhr abends, , findet im Arbeiterheini, IL, Blamauergasse 1, eine wichtige Partei versammln ng statt. « . Thema: 1. Die Wahlen. 2. Unsere Stellung und unsere Aufgaben. Alle Genossen werden aufgefordert, zuverlässig. und pünklich zu erscheinen. Die Part etl-eitung. Parteigenossen! Die «m Arbeiterheim eingeleiteten susteniatischen. Abendkürse, sowie die Kurse der Parteischule, werden erweitert und am 1. Oktober wieder, eröffnet. ' Neu-Anmeldungen sind an das Parteisekretär riat zu rjevten. . Bildungsr ef e ra l. jüd, Arbeiter-Bibliothek. ~ ~~- Die Bib&othek wurde in den letzten {Tagei dinelfl, eine ansehnliche Zahl neuer Bücher bereichert. Wir «rsuchen deshalb, die alten Bücher gegen neue umzutauschen. Die BibfiothekvtmaKuflS, - Die Sprengel-Vertrauensmänner werden ersucht,, sich in den nächsten Tagen im Parteisekretariat zur Uebernahme der Listen zu melden. .^Mitteilungen" des allweltlichen jüd.-soz. Arbeiterverbandes Poale Zjon. Erste Nummer creits erschienen. Inhalt: Ausführlicher Bericht über die Fünfte Weltkonferenz. Zu beziehen durch das Sekretariat in Wien, h\, Glockengasse 1/17. ,_ "., Vortrags-Kalender. BezirksorganisatiDii XX Am Donnerstag, den 23. September, findet m XX. Bezirke, WallensteinstraBe 62, eine Mitglieder-Versammlung statt. Thema:!. Ergebnis unserer Parteiberatüng. 2. Die Parlamentswahlen. Referenten: Wattenberg, Kandel. BezirksorgaiiisaÖOTi I Am Freitag, den 24. September, findet int . Bezirk? Cafe Adler, Schottenring, eine Mitglieder-Versammlung statt. Thema: I. Das Ergebnis unserer Parteiberatung. 2. Die Parlamentswahlen. Referenten: Serpow, Wattenberg. BezSrfcswganisatiwi H Am Samstag, den 25. September, findet im II. Bezirk, Blumauergasse 1, eine Mitglieder-Versammlung statt. Thema. Poale Zionismus und Kommunismus Herausgeber und verantwortlicher ttedakteur: Rubin Glücksmann. ,,Adria", Druckixuä Verlagegeseü&clh. H.. '•fe'ifts* lt., TfcborbU-a'Se b

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.