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Freie Tribüne · 1920-09-04 · 30-31 (4.9.1920) · page 1

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Journal
Freie Tribüne
Volume
2 (1920)
Issue
30-31 (4.9.1920)
Date
1920-09-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Die Länder Polen, Rußland, Amerika, Palästina, Ostgalizien, Argentinien, England, Tschechoslowakei, Deutsch Österreich, Littauen, Bukowina, Lettland und Deutschland, sowie die Landesgruppen in Südafrika, Schweiz und Frankreich waren durch 66 Delegierte mit 358 Stimmen vertreten. Mit Beratungsrecht nahmen an der'Konferenz teil Vertreter der J. K.P. P.-Z, in Rußland, der Sozialistischen Arbeiterpartei (P.-Z.) Palästinas und die Poale*Zion-Gruppen in Kairo und Alexandrien. Die Tagesordnung der WeUteonferenz umfaßte folgende Punkte.; - i . Hei icli l < 2. Soziale Revolution und Internationale; 3. Palä* stinaarbeit; 4. Nationale Autonomie; 5. Wiederauf* bau und Hilfsarbeit; 6. Jüdischer Weltkongreß und jüdischer Arbeiterkongreß; 7. Organisation und .Presse; 8. Wahl des Verbandsbüros. Die Weltkonferenz wurde Dienstag, den 27. Juli, ain Abend eröffnet. Die kommunistische Fraktion verlangte, daß man mit der Eröffnung der Konferenz bis zur Ankunft der avisierten rußländischen Delegierten warte, und lehnte es ab, bis dahin an den Beratungen teilzunehmen. Zur Eröffnung sind Begrüßungen der Z. K. aller Landesparteien wie auch der EnglischenLabour Party, der Französischen Sozialistischen Partei, der U. S. P. Deutschlands, der Spanischen Sozialistischen Partei und des Westeuropäischen Sekretariats der III. kommunistischen Internationale eingelangt. Außerdem begrüßten die Konferenz die . Genossen Camille Hugsmans und A. Blumenfeld (Palästina) telegraphisch und Oskar Cohn (Deutsch» hmd) persönlich'. In der Eröffnungsrede würdigte Genosse Kaplanski die Ereignisse der letzten sieben Jahre, die den Sozialismus in das unmittelbare Stadium1 der Realisierung gebracht und größere Möglichkeit ten für die Verwirklichung unseres proletarischen Palästinismus geschaffen hätten. Die Realisierungspro* bleme der zwei Hnptmomente unseres Programms hätten tiefe Meinungsverschiedenheiten innerhalb unserer Bewegung hervorgerufen und das Verbandsbüro hatte die Aufgabe , die Einheit der Bewegung so lange zu sichern, bis die Weltkonferenz eine einheitliche pr ogramniati sc Ii e und taktische Linie für die gesamte Bewegung festlegen würde. Dies sei dem Verbandsbüro nach lieber- Windung■ der größten Schwierigkeiten auch gelungen. Jetzt trete die Weltkonferenz, an der sich alle Landesparteien und alle Richtungen beteiligen, zu* summen. Das Schicksal der Bewegung liegt nun in den Händen der Konferenz. Die Genossen Dr. Schipper und Dr. Sokal gedachten der Verluste, die das internationale sozialistische Proletariat und die Poale-Zion=Bewegung im Laufe der letzten sieben Jahre erlitten haben. ) Genosse Serubawel (Polen) und Katzenelson (Palästina) überbrachten Grüße derjenigen Parteien, denen bei Verwirklichung des Poale-Zionismus die größte Bedeutung zukommt, •; Die Konferenz entbietet ihre aufrichtigen Grüße an die heldenhaft kämpfende und siegende Rote, Armee, an die Wiener Arbeiterschaft (Kreisarbeiterrat) und an die palästinensische Arbeiterschaft. Es wird auch eine Protestresolution gegen die Unterdrückung der jüdischen Arbeiterbewegung in Polen beschlossen. f Genosse Locker ergänzte den gedruckten Bericht des Verbandsbüros. Er hebt die Arbeit, die das Verbandsbüro in der Aufklärung der internationale:! sozialistischen Oeffentüchkeit in Bezug auf unsere eigenartigen jüdischen sozialistischen Forderungen geleisiet hat, hervor und verweist auf den Sieg unserer poale=zkmistischen Losungen im bekannten holländisch-skandinavischen Manifest und später in der Amsterdamer Resolution. Wir sind in die Internationale als palästinensische Landessektion aufgenommen worden, da das Statut der Internationale keinen andere]) Modus ermöglichte. Es sei aber klar gewesen, daß der Weltverband und nicht eine Landespartei aufgenommen wurde, wir hätten uns auch das Recht vorbehalten, auch weiterhin innerhalb der Internationale für unsere Anerkennung als jüdisch« Sektion zu wirken. In Bern und Luzern hätten wir gemeinsam mit den linken Parteien für die Revolutionierung der .^w^item^ylntero^f iprvv ^t?p&.~~- -.^i-ss^-arbier». klär wurde, daß die Versuche, die II. Internationale zu revolutionieren, infolge des Austrittes der linken Parteien keinen Erfolg haben können, hätten wir Schritte unternommen, um gemeinsam mit den Parteien, die aus der II. Internationale ausgetreten waren, wie auch mit den Parteien, die an Moskau angeschlossen sind, eine Internationale der revolutionären Tat aufzubauen. Im Laufe des letzten Jahres sei dem Verbandsbüro eine intensivere Arbeit in und für Palästina gelungen. Um die Möglichkeiten und Bedingungen für eine breite Massenarbeit in Palästina zu erforschen, hätte das Verbandsbüro eine spezielle Pa- 1 ästinakommission organisiert, die die Resultate ihre r halbjährigen Arbeit und ihre Kotonisationspläneder Weltkonferenz vorlegen werde. An den Bericht des Verbandsbüros knüpfte sich eine, lebhafte Debatte, in der die großen Meinungsverschiedenheiten zwischen links und rechts bereits deutlich erkennbar waren. Beide Teile bemängelten in der Tätigkeit des Verbandsbüros das Fehlen einer klaren und einheitlichen Linie. Während die Linken die schwank kende und unentschiedene Politik des Verbandsbüros in den Fragen der allgemeinen und der jüdischen sozialistischen Arbeiterpolitik während und unmittelbar naclr dem Kriege zum Gegenstande ihrer Kritik machten, glaubten die Rechten dem Verbandsbüro dessen Kompromißtaktik in Fragen der jüdischen nationalen Politik vorwerfen zu müssen. Hiebei stützten sich die Rechten hauptsächlich auf die Beschlüsse der vorherigen Verbandskonferenzen. Die Linken hingegen suchten die Berechtigung ihrer Kritik an Hand der jeweiligen Notwendigkeiten der entsprechenden geschichtlichen Zeitabschnitte, die für das internationale und für das jüdische Proletariat immer neue Aufgaben stellten und die die revolutionäre Avantgarde des jüdischen Proletariats — unser Verband — zu erfüllen berufen war, darzutun. Doch haben beide Teile die ungeheure Aufklärungsarbeit, die das Verbandsbüro in der internationalen sozialistischen Oeffentlichkeit geleistet hat, gebührend gewürdigt. Den gedruckten Bericht des palästinensischen Arbeitssekretariats ergänzte Genosse Ben Zwi. Erst in den Kriegsjahren entwickelte sich der P. A. F. und offenbarte sich dessen große Bedeutung. Er habe der Selbsttätigkeit der jüdischen Arbeiter im Lande sehr viel geholfen und einen Weg für große, selb' ständige Arbeit vorgezeichnet. Seine Tätigkeit bestehe hauptsächlich in der Unterstützung der bereits vorhandenen Arbeiteranstalten, in der Grün* dung neuer Arbeiterinstitutionen, in der Erleichterung der Lebensbedingungen der bereits beschäftigten Arbeiter und in der Schaffung neuer Arbeitsmögüchkeiten durch kooperative Tätigkeit in städtischen und landwirtschaftlichen „Kwuzoth", in Arbeitsvermittlung und Rechtsschutz. Leider wären die Mittel des P. A. F. klein und unbedeutend, eis müsse jetzt anders gearbeitet werden, da große Aufgaben dem P. A. F. bevorstehen. In der anschließenden Diskussion über den Bericht klagten die Delegationen wegen mungjelhafter Information über die Arbeit in Palästina und wegen der .allzu geringen Anstrengungen, die für die Popularisierung des P. A. F. gemacht worden sind. Sämtliche Delegierten zollten jedoch der Verwaltung des P. A. F. volle Anerkennung, besonders dem Genossen Blumenfeld für dessen treuen, unermüdlichen Kampf um die Aufrechterhaltimgder Selbsttätigkeit der jüdischen Arbeiter in Palästina. * Zum Punkte „Soziale Revolution und Internationale'1 wurden ein Referat und zwei Koreferate gehalten. Die offizielle Richtung des Verbandsbüros vertrat^ge^osse.. Kaplan^ki... Er .^ersuchte.,, -nachzuweisen, daß in der jetzigen Epoche der sozialen Revolution, die eine Folge der Kriegsverwüstung ist, der Wiederaufbau einer revolutionären Internationale nötig sei, die den Befreiungskampf des Weltproletariats vereinheitlichen und anführen sollte. Die neue Internationale müsse mit den Eigentümlichkeiten des proletarischen Kampfes bei jeder Nation und in jedem. Lande rechnen und den ihr angeschlossenen Parteien die nötige Autonomie in . ihren eigenen Aktionen geben. Die Befreiung der unterdrückten Nationen und die Sicherung der Rechte nationaler Minderheiten müsse eine ihrer Hauptaufgaben sein. In der III. Internationale sieht der Referent die Organisation, um die sich alle revolutionären Parteien werden gruppieren können. Dazu sei aber notwendig, daß sich das westeuropäische Proletariat aktiv an der Ausarbeitung ihres Aktionsprogramms und ihrer taktischen Richtlinien beteilige. Es müsse daher zuerst eine Konferenz einberufen werden, die sich über die neue Internationale zu verständigen hätte. Im ersten Korreferat ,(B en G u r'ion, Paläst.) kam ein ähnlicher Standpunkt wie im Hauptreferat zum Ausdruck. Während jedoch im Hauptreferate die allgemeine internationale Situation den Ausgangspunkt bildete, lagen dem Korreferate die Bedürfnisse der jüdischen Arbeitersiedlung in Palästina zu Grunde. In der bisherigen Orientpolitik der III. Internationale* sieht der Korreferent eine Gefahr für die jüdische Siedlung in Palästina. Erst wenn die III. Internationale unseren Palästinismus anerkannt und dementsprechend ihre Orientpolitik geändert haben wird, können wir ihr beitreten. Im zweiten Korreferat (Serpow, Wien) wurde der Standpunkt der kommunistischen Richtung ver* treten: Wir leben in der Epoche der proletarischen Revolution. Die dauernde Krise der kapitalistischen Wirtschalt kann nur durch den Kampf des klassenbewußten Proletariats, durch' den Umbau der Gesellschaft auf sozialistische Grundlage überwunden werden. Der Weg hiezu — die proletarische Diktatur, das Kampforgan — revolutionäre Arbeiterräte. Dieser Kampf muß einheitlich geleitet werden durch ein aktionsfähiges internationales Kampfinstrument. Dieses sei — die III. kommunistische Internationale, geschaffen durch die siegreiche sozialistische Revolution in Rußland. Sich an die III. Internationale anzuschließen, den Klassenkampf in de« ren Geiste zu führen — das ist die Aufgabe des revolutionären Poale-Zionismus. Es handelt sich aber keinesfalls bloß um den organisatorischen Anschluß, vielmehr darum, daß der Verband den Kampf des jüdischen Proletariats für seine soziale und nationale Befreiung im Geiste und nach den Methoden der III. Internationale führt. Besonderes Interesse riefen' die bei diesem Punkte eingeschalteten Referate der Genossen aus

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