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Freie Tribüne · 1920-06-13 · 25 (13.6.1920) · page 1

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Journal
Freie Tribüne
Volume
2 (1920)
Issue
25 (13.6.1920)
Date
1920-06-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Zusam-» menstöße, heißes Ringen, blutige Niederlagen undncdi schärfere Zuspitzung des Klassengegensatzes, noch, tiefer gezcgene Linien zwischen Kapital urid Arbeit — das ist der Weg der sozialen Revolution. t So tun sie sich auf, die Klassenkaimpffronten aller Länder für das große geschichtliche Ringen der unterdrückten Klassen gegen ihre Unterdrücker. Die Nebel werden verscheucht. In voller Rüstung und ganzer Stärke sieht jetzt die Arbeiterklasse ihre Feinde. > Eine zum Untergänge verurteilte Gesellschaftsklasse will auf Tod und Leben kämpfen und noch im Falle die ganze Menschheit mitreißen, die ganze Welt im eigenen Grabe begraben. Und ihr gegenüber: diß Arbeiterklasse der ganzen Welt. Noch im Banne einer Vergangenheit befangen ,mit noch nicht voll entfalteten Kräften — aber m'it dem Fortschreiten des Kampf es immef mehr bewußt und zielsicher. / In diesem Bewußtsein'gestählt, tritt die Arbeiterklasse in den Kampf.'Die Klasisenkanipffronten haben sich ßufgetan! Klare Front. Die ist fn- Deiltschösterreichüber Nacht-entstan.dpin. "Scheinbar aus einem nicli%3n< Anlaß ist die, die Klassengegensätze überbackende Koalition auseinadergeborsten. Und ein geeinigtes, aJktiomsfähigies Proletariat steht dem auf die eigenen inneren Unstimmigkeiten rasch vergessenden, Bürgertum gegenüber. Der gefährlichen Täuschung, als ob der Klassenfriede den Klassenkampf ersetzen, ja, nicht nur ersetzen, sondern (auch zum B^uen, zum Regieren, zu sozialen Reformen und tiefschürfenden Neuerungen befähigen könnte, ist ein jähes, •unvermitteltes, aber dafür umso gründlicheres Ende bereitet worden. Die Politik , der Harmonie der Intern essen, der Arbeitsgemeinschaft zwischen Kapital und Arbeit hat schmählich .bankrottiert. Politisch und wirtschaftlich hat diese im Kriege entstandene, ,'in der Psychose des Burgfriedens erhärtete Lehre Schiffbruch erlitten. Unheil genug Walt sie angestiftet. Nun ist sie unter dem stets wachsendem Drucke des Revolutionären Klassenbewußtseins der Arbeiterschaft, hoffentlich endgiltig, abgetan. Es ist notwendig sich ein klares Bild zu schaffen /über die Situation. In der Koalition — der Arbeiter und der Bauern trösteten sich die sozialdemokratischen Führer — hatten die Vertreter privatkapitalistischer, bürg err lieh er Interessen die volle Initiative in der Hand behalten. Scheinbar durch einen Koalitionspakt'gebunden, v^aren sie schlau genug und geschickt genug mit einer verblüffenden Zielklarheit, Politik der eigenen Interessen zu machen. Und die Machtpositionen des Proletariates? Die reigierende Sozialdemokratie täuschte sich wohl allzusehr über das wahre Wesen dieser Macht, die wirklich regierte, gegen sie regierte. Dabei ..' hat sie auf den Ausbau der Machtpositionen des Proletariates viel, aber auch vielzuwenig, geachtet. In den industriereichen Gegenden des kleinen Staates war die Arbeiterschaft, war die proletarische Volkswehr wohl ein Machfaktor, pber . . . ' 1 i Nun, es' ist jetzt nicht die Zeit zu Rekriminationen. Die Koalition ist nun einmal tot. Wir wolle nüioffen, , •daß es nicht sehen Morgen heißen wird: es lebe die Koalition! Vorderhand sind die sozialdemokratischen Mitglieder der Regierung zurückgetreten. Vorderhand scheint die bürgerliche Koalition, Ohristlichsoziale und Großdeutsche die Regierung übernehjmen zu wollen, oder zu müssen. Und damit ist klare front geschaffen worden. Man kennt seinen Gegner und «weiß seine Kräfte, seine strategischen Schritte richtig einzu- schätzen. Man ist eben nicht vom Koalitionspakt mehr, umnebelt und zur Urteiisunfähigkeit verurteilt. Und da muß man ^chon mit aller Deutlichkeit ^feststellen: die Arbeiterklasse steht gerüstet da. .Sie nennt noch immer, auch außerhalbder ^Regierung- und Verwaltungsmöglichkeiten stehend, namhafte, reale . Machtmittel ihr eigen. Sie ist kampffähig und wohl auch , kiampfbereit. Sie kann es mit einer kühlen Besonnenheit prüfen, wie weit die bürgerliche Regierung gehen will, gehen kann und zu guter letzt: gehen darf. Die Klassenkampffront ist aufgerichtet. Mögen nun die Sozialdemokraten in eine 'neue Koalition eingehen, das Proletariat wird immer revolutionärer und es wird den entscheidenden Kampf unter der Führung der bisnun unverbrauchten Kräfte; des Avantgards' des Proletariates, der kommunistischen Partei, durchführen. Das alles ist für uns weniger-interessant. Von wesentlich historischer Bedeutung bleibt nun einmal die Tatsache, daß auch hier die y^Iebel verscheucht worden sind und daß das Proletariat seine Klassenfeinde wohlgerüstet zum Kampf in einer «Front gesehen hat Die gegnerischen Strömungen der Bourgeoisie, der H&bsburg-, Hohenzollem*, oder Wittels» b'aeher-Anhänger sind vollständig ausgeschaltet. Die Front des Bürgertums hat sich einheitlich gegen das Proletariat gekehrt. lUnri da liegt die Entwicklung der Politik der Arbeiterschaft auf der Linie der kompromiß^ losen Klassenkampfpollitik. Eingegliedert in eine ganze Kette von symptomistischen Geschehnissen inter-" nationaler Zusammenhänge, wird das Proletariat fernen, aus eigenen Nöten heraus die Organische Zusammengehörigkeit mit den anderen Teilen der Klassenkairnpffront zu erkennen und alle Interessen diesem! Kampfe zu unterordnen. So wird auch das Proletariat im Kampfe um das eigene Schicksal erkennen, daß der Kampf der deutschen Arbeiterklasse und des zum Weißbluten tiefver- Verwiundeten ungarischen Proletariats ihre ureigeste SscheßeL. So—hat-frllfc^ «Ufgct-a^T-klascT-P*^V-;,£U,c^I'"''Hü"''• litische Klarheit geschaffen. Und "Klarheit der politischen Situation - bedeutet bessere'K.ampfbe<fi n.- gwngen für das Proletariat. Das deutschösterreichische Proletariat hat diese Klarheit errungen. Es steht mit Zuversicht in seiner Klassenkampf front. Auf Salles gerüstet . . » Eine filehrheit wird gesucht. Nach den Wählen in Deutschland. Die alte KGalitionsmehrheit halt ihre -breite Basis verloren. Sie ist nicht mehr regierungsfähig. Alle, die Gegensätze vertuschenden, die Klassenkaimpffront überbrückenden Mittelparteien, von den Rechtssozialisten, den proletarischen iDemcikraten, bis zu den linken Bourgeois, den bürgerlichen Demokraten, sind zwischen den beiden Fronten des7 klassenkämpferischen Bürgertums und des revoüutionären Proletariates, bis zur Regierungsuri$ihigk:eit isu'fgerieben worden. Zwischen den aufgeworfenen Schützengräben, Drahtverhauen und waffenbespickten Linien liegt als erstes, kaum beglagtes Opfer: der gestrandete, bürgerliche Parlamentarismus. Die Frontlinie ist kaum aufgeworfen worden. Noch haben sich die Verbände nicht geordnet, nicht railiiert. Niemand will bei der Zuspitzung der ~ Klassengegen-) sätze die Verantwortung^ der Regierung auf sich übernehmen: Die alte Koalitionsrriehrheit: Rechtssozialisten, Zenrum und Demokraten verfügt über keine regierungsfähige Mehrheit. Vorderhand wird eine Koalition von S c h e i de (mann bis Stresemann von den „Rechtgsozialisten" grundsätzlich abgelehnt. Denn, sie wissen ,schoon, Womit das schmeckt. Sie sind arg, sehr arg zugerichtet aus dem Wahlkampfe hervorgegangen. Aber darüber sind sie sich wohl hinlänglich klar geworden: ein gemeinsames Regieren mit der Volkspartei, ^nit der Schwerindustrie, würde endgiltig und für 'immer ihr Ende als Arbeiterpartei besiegeln.' Möglich, (daß sie's trotzdem tun. Daß das ihr historisches Schicksal ist. Ais Opfer unter die Räder der sozialen Revolution! »auf. der Wallstatt liegen zu bleiben. '[Möalich. Aber, Vorderhand wehren sie sich noch, eine \PoIitik des eigenen Verderbens anzuschneiden. Sie lehnen sich deshalb an die Unabhängigen an. ' Den Unabhängigen sind die revolutionären Massen, wie eine Hochflut zugeströmt. Sie haben die Erbschaft nach den zusammenbrechenden Rechtssozialisten angetreten. Das revolutionäre Proletariat hat den v Unabhängigen die Führung im Klassenkampfe in die Hand gelegt. Daher schien auch anfänglich in ihnen das Gefühl der Verantwortung gegenüber den revolutionären Pflichten des Klassenkampfes sehr wach zu sein. Mit Stolz konnten sie daher jede Kombination einer Regierungsbildung gemeinsam mit den bürgerlichen ablehnen. Sie konnten erklären: „Wir verlassen uns auf die soziale Kraft der Arbeiterklasse und wir wissen, daß sie durch die Entwicklung gestärkt und für den schließlichen Sieg gereift werden wird." / Die letzten Meldungen weisen allerdings darauf hin, daß die Unabhängigen umzufallen scheinen. Nun jai, „unabhängig" eben! Sie erklären, daß (oei Annahme von ihren 9 Bedingungen — sehr radikal, fürwahr! — sie bereit wären im der Koalition mitzu.regiereni. Noch werfen sie sich stolz in die Brust. Noch verkünden sie urbi et orbi, daß keinfe bürgerliche Partei diesen Forderungen zubilligen könnte. Die Guten! Von - der ' einen Seite fällt es ihnen ja schwer, die so hartnäckig Bittenden: „sie mögen doch an einer Regierungsbildung teilnehmen, sie mögen sich doch erweichen lassen," stets mit-einem Korb unbarmherzig abzuweisen; aber von der anderen Seite stellen die untadeligen Klassenkampf er eben solche. Bedingungen, daß man sie ja nicht annehmen soll. Ist das nicht verteufelt gescheit? Aber gemach! Und was Wird sein, wenn man die Bedingungen, die vdie Scheidemänner schon zu .den ihrigen, klugerweise, gemacht haben, doch als Grundlage der Regierungsbildung akzeptieren wird? Nun, man hat ja genügend Erfahrung im reaktionären Deutschland. Man hat ja auch die acht sehr „radikalen" Legienschen .(neben der Gewerkschaftszentrale waren auch1 alle sozialistischen Parteien auf dem Boden dieser achjt Punkte vereinigt und mitunterfertigt) Bedingungen akzeptiert ---und eben nicht ausgeführt. Was tut das zur Sache. Ist es vielleicht auch die geschichtliche iBestmP mung der Unabhängigen sich in einer Koalition, wie die gewesenen Mehrheitler zu. verbrauchen, wie jene ,'sni der Strecke zu bleiben und die' Führung des entscheidenden "fevüflütion&^ Bpüitaku^' jbund zu überlassen — so wird man auch diese Koalitioii üipertauchen; ■ * Die aufgetane Front bleibt unüberbrückbar. Die Frage: wer regiert?, wer in Zukunft regieren soll, kann nicht mehr vom Prinzip der rein parlametaristhen Kombinationen entschieden werden. Weder in Deutschland, noch in Deutschösterreich, noch in Polen, moeft irgendwo auf der ganzen, großen Welt, wo die Klassenkampffronten allüberall in schärfster Wehr aufgerollt sind. Die parlamentarische Konstellation, die tiefe, unheilbare Krisis im parlamentarischen System deutet auf ff evolutionärem Sturm. Die beiden Armeen stehen sich gerüstet gegenüber. Sturmzeichen. Eine Regierungskrise ist in Polen ausgebrochen. Der offizielle Grund ist in der Meldung nicht enthalten. Es kriselt schon seit langem. Das ganze Land ist eine leibhaftige chronische, unheilbare Krise. Die Entente: k!ann sie nicht beschwichtigen. Die mit großem, echt „Potsdamer" Pomp inszenierte Offensive gegen Sowjetrußland und Sowjetukraine unter der allerhöchstpersönlichen Führung Seiner Majestät des „Genossen" Pilsudsky und der Assistenz Seiner Exzellenz des „Genossen" Petljura, hat sie nicht beschwichtigt. Die Gegenoffensive und der Vormarsch der roten Armee gegen Minsk, Wilna, Warschau, verschärfte sie nur bis zur Unerträglichkeit. Die Schlachzizenregierung sah sicli gezlwungen, zu den radikalsten Mitteln zu greifen. „Genosse'« Daszynski sollte Außen — und sein ewig Getreuer „Genosse" Diamand Finanzminister (was denn sonst?), werden und diese Koalition sollte imit einer) Frieden soffensive die Todeskrankheit eindämmere; Vorläufig hat der Kongreß der polnischen sozialistischen- Partei einen Strich durch die Schlachzizenrechnung gemacht. ' In höchster Not der steigenden Krise mußte wieder das blutige, grauenvolle, opferreiche Offensivtheater des „Genossen" Pilsudsky auf-die Szene treten. ( Und nun ist es vollendet! Kaum sind die Epen der Siegesberichte verklungen, war das Ministerium schon sang- und klanglos auf die Bahre, gelegt. ' Und die rote Armee ... sie ist so unfaßbar, so drohend nah hinter dem Rücken. Jawohl, da wird auch der Kongreß nicht helfen, die die P. P.S. wird in die Bresche -treten, mit ihren Leibern heldenmütig das kapitalistische System schützen. Sie wird auf Tod und Leben kämpfen. Sie wird fallen. ,Wie die Sozialpatrioten aller Länder in heldenmütiger ^Einmütigkeit. *• Und die polnische Kommunistische Partei wir<Ji dort vor die. Klassenkampffront treten, wie hier und in (Deutschland und allüberall auf der ganzen Welt die. koanmünis.ti sc he .Internationale das Proletariat zum entscheidenden Kampf e, zum! Siege führen wird! .. i

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