Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 26 (26.6.1920)
- Date
- 1920-06-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Alle Machtmittel, die der arbeitenden Mensch^ heil in die Hand gelegt wurden, Kraft dlessen, daß sie es. ist, die all e Werte r erzeugt, befördert und verteilt, also auch sie nur allein im Stande und befähigt ist, die Produktion durch den eigenen .Willen zu lenken, dringen jetzt klar ins Bewußtsein der Welt. Das internationale Proletariat fühlt und erkennt seine Macht. Die nech herrschenden Machthaber sehen und erkennen die Grenzen ihrer Herrschaft. Ein Staat wird durch den Willen der organisierten Klasse, die die Grundlage des ganzen Wirtschaftslebens, also des Lebens überhaupt, bildet, von allen Nervensträngen, vom pulsierenden Blutkreislauf der Welt vollständig abgeschnitten. Und das geschieht nicht im Konkurrenzkämpfe zweier imperialishscher Staaten, sondern im welthistorischen Ringen der Arbeiterklasse.'gegen, die bluttriefende Re?ktion; in einem Ringen, das jn einem Lande derzeit am schärfsten zu Tage tritt. . Das erstemal in der Geschichte tritt idas internMionaJe Proletariat, als kämpfende Einheit auf (den Kriegsschauplatz der sozialen Wettrevolution undjwirft jjilrejftachf in die Wagsehale, um vorderhandt einen ~T$r1^ Das-ersteh-« rnVf wird die aktive internationale Poßtik des Proletariates sichtbar. Die Arbeiterklasse greift kraftvoll in die Speichen des Weltgeschehens ein, unter dem Diktate des eigenen Willens und der klassenbewußten Zielsicherheit seiner gischlchtliehen Mission. < . Ausgelöst .wurde diese gr andiose Aktion durch den .Ausrottungskrieg der Hortby-Banditen gegen die ungarische Arbeiterklasse, ihr unmittelbares Ziel ist daher auch mir auf die Wiederherstellung' der Rechtsordnung gerichtet. Aber wenn auch heute schon die Wirkung des Boykottes bemerkbar wird, wenn die Regierung demissionieren muß und die neue wird gezwungen (werden können weitgehende Garantien für die Schonung der Arbeiterklasse zu bieten; — so ist e.> doch klar, daß der aufgerollte Kampf damit nicht sein Ende nehmen "kann und wird. < . „Ein Gespenst geht in der Welt herum — das Gespenst des Kommuntemus." Man lese die bürgerliche Presse und sehe, wie sie zittern... j Das „Neue Wiener Tagblatt" gibt einen auch in anderen Blättern enthaltenen Gedankengang Wieder, Li- ' dem es sagt: Die Boirkattierung eines 'Staates auf Geheiß einer ausländischen Parteiorganisation ist eine noch nie dagewesene Erscheinung, welche unabsehbare Möglichkeiten in sich seließt. Sie ist die Zerstörung der Grundlagen auf denen das innerstaatliche und das internationale Verkehrsleben aufgebaut ist. Der Boykott weist deutlich in die Richtung der proletarischen Diktatur. Der Wiener ungarische Gesandte Dr. Grarz erklärt in der „Reichspost", der rasche Zusammenbruch des Boykotts sei geradezu ein europäisches Interesse, dehn sonst hätte Europa von nun an in Amsterdam efcie Weltregierung, welche heute Horthy, morgen vielleicht aber Lloyd George oder Miflerand auf1 diesem Wege ihre eigene Politik aufdrängen könnte. Dje bürgerlichen Blätter stellen eine richtige Pro- ~gi*&se^Der-K^ neu geschmiedeten Wäffen um das Ganze und Große, um' die sozialistische Gesellschaftsordnung geführt werden müssen. / Heute ist es die Gewerkschaftsintemationale, die1 zum Kampfe gegen das ungarische weiße Banditentum' gerufen hat. Es ist dies das zweite Mal in der jüngsten Zeit, daß die große wirtschaftliche Macht der Gewerkschaften in politisch hochbedeutenden Fragen dezidüerend eingreift. So in Deutschland während. des. Kapp- Putsches und jetzt gegen Horthy-Ungarn. Diese Tatsache wirft ein neues Problem auf, das Problem der Ein>- gliederung der Klassenkarnpfinstrumente des Proletariates in seinem Kampfe um die Emanzipation, feis nun waren die politischen und: gewerkschaftlichen internationalen Organisationen der Arbeiterklasse in ihrem -Wirkungskreise klar geschieden. Es wurden zwar Vertreter beider Weltorganisationen in den verschiedenen Instanzen zugezogen, um die politischen und wirtschaftlichen Kampflinien im Einklang zu bringen. Die Entscheidungen ruhten jedoch, für die politischen oder wirtschaftlichen Aktionen, bei den entsprechenden Organisationen. Der jetzt vorherrschende Meinungsstreit über die Taktik und Methoden des sozialistischen Kampfes hat die Aktionsfähigkeit der politisch auf dem Boden des , Klassenkampfes organisierten Arbeiterschaft in ihrer Gesamtheit stark beeinträchtigt. Der Klärungsprozeß geht jedoch konsequent, aber langsam vor sich. Indessen kämpft der kommunistische Flügel der Arbeiterbewegung, unter der Führung der 3. Internationale, als Avantgarde der ganzen Arbeiterklasse, den großen Kampf für den Sozialismus. Dieses Ringen, wie auch die scharfe und zielklare Präzisierung der Kampfparcleri hat alle Schichten des Proletariates "in den Bannkreis des Einflusses und der Meen der 3. Internationale 'himeingezogen. So. ist es auch zu verstehen, daß der Efertfluß der Kampfmethoden der kommunistischen Inter- **n8&©»3ler-a^ diese, die die Millionen Proletarier in ihren Organisationen zusammengeballt haben, zu revolutionären Taten drängen. Nicht fern ist die Zeit, wie die Aktionen dler Gewerkschaftsinternationale keine sporadischen Erscheinungen mehr im allweltlichen Klassenkampfe sein, miir ein wohldurchdachtes, in die Strategie des proletarischlen Kampfes wohleingegiiedertes Ganze bilden werden. Die 5r, Kommunistische Internationale wird Führerin in demi Kampfe sein. Die drifte internationale an die Gewerkschaften aller Linder! Vor dem 4. August, dem Tage des Ausbruchs des imperialistischen Krieges, zahlten die Gewerkschaften über zehn Millionen AliigKeder. Dessen ungeachtet leisteten die A rbeiterverbande diesem imperialistischen. Krieg fast keinem ernsthaften Widerstand. Im Gegenteil, die Führer der alten Gewerkschaften stellten sich in ihrer Mehrzahl sgmt ihren Organisationen der bürgerlichen Regierung vollständig zur Verfügung; der ganze'\Apparat der alten Gewerkschaften stellte sich in den Dienst des imperialistischen Staates. Alle Arbeiterschutzgesetze wurdenmit vollständiger Zustimmung der Gewerkschaftsführer au!5er Kraft gesetzt; die verschärfte Arbeitspflicht, ausgedehnt auf die Sechzigjährigen, wurde durch die Bourgeoisie in Uebereinstimniung mjt ..den gleichen Führern der Arbeiterorganisationen eingeführt. Dabei Keßen es die alten Gmerkschaftsführer nicht bewenden; sie lieferten ihre Organisationen der moralischen Knechtung durch die Bourgeoisie aus. Die von den Gewerkschaften herausgegebenen Zeitungen und 'Zeitschriften weihten die Arbeiter dem Tode für die Interessen des Kapitals, sie wiederholten die bürgerliche Lüge von der „Vateriandsverteidigung" und erwiesen sich ö'Is die Vertreter der bürgerlichen Ideen, . die sie den arganisierten Arbeitermassen einimpften. Zerfressen von der Fäulnis des Opportunismus, verraten v 51 den Führern, maitgemacht durch die ilaue Luft des pazifistischen Reformismus, waren die alten Gewerksfc arten nicht stark'.genug, um dem imperialistischen Krieg irgendwelchen ernsthaften Widerstand zu leisten. Die sogenannten ,,freien'' Gewerkschaften, die von Leuten wie Legien geführt wurden, verschmolzen in:der Tst mit den verräterischen gelben', den Streikbrecher- Organisationen, . j Nun aber ist der Krieg zu Ende. Der auf Kosten der Völker abgeschlossene imperialistische Friede wird "' selbst den Blinden zeigen, sus welchem Grunde und zu welchem Zweck der imperialistische Krieg organisiert •worden ist. Die Heere sind demobilisiert, die Arbeiter sind m ihre Organisation zurückgekehrt. Was wird nun .aus den Gewerkschaften? Weichen Weg werden sie einschlagen? Die alten Gewerkschaften bemühen sich aufs neue, die Verbände r.uf den bürgerlichen Weg zu führen. Aus den Reihen der alten Gewerkschaftsführer kommen die widerwärtigsten. Henker der Arbeiterklasse, ein , Noske in Deutschland, ein Paidel in Ungarn. Morge.i werden die Herren Jcuhaux in Frankreich und Gompers. in den Vereinigten Staaten, — ^weil die Lage für sie günstig ist — zu ebensolchen Verrätern werden, wie wir sie in mehr als einem Lande gesehen haben. Welche charakteristischen Züge kennzeichneten die ' alten Gewerkschaften? Was hat letzten Endes die Arbeiterorganisationen zur vollständigen Kapitulation vor der Bourgeoisie veranlaßt? j \ " / ' Es war die engherzige Routine, der innere Zerfall, die Anbetung der bürgerlichen Gesetze; der Verlaß auf die Arbeiteraristokratie und die Mißachtung gegen die Massen der ungelernten Arbeiter und Taglöhner, die hohen Verbandsbeiträge, die zu leisten den ärmeren Arbeitern unmöglich ist, die Zusammenfassung der ganzen Leitung in den Händesader Gewerkschaftsbürokraten, die sich immer mehr zu einer Clique von Beamten innerhalb der Arbeiterbewegung auswuchs; der Standpunkt der „Neutralität" gegenüber dem politischen Kampf des Proletariats und damit die Unterstützung der bürgerlichen Politik; die Korruption des 'Systems der Kollektivverträge, das darauf hinauslauft, daß die Verträge von den Führern der Gewerkschaftsbürokratie abgeschlossen und daß also jedesmal die Arbeiter aufs neue, zu Sklaven» der Kapitalisten gemacht werden; die Uebertrerbung der Bedeutung der erreichten Fortschritte, die iür die Arbeiter ferst unwesentlich sind, die nur scheinbaren Lohnaufbesserungen, die die Verbände durch friedliche Mittel von den Kapitalisten erreichen konnten; die Uebeitreibung und U eher Schätzung der mittelmäßigen Unterstützungen zum Nachteil des Streikfonds und des Gewrerkscrm*tskampfos; die Herausbildung der Gewerkschaft zu einer Organisation, dk nur Teilverbesserungen innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft bewirkt und die Frage eines revolutionären Umsturzes des ganzen kapitalistischen Systems nicht berührt. ' So war die alte „freie" Gewerkschaftsbewegung, der aJte Trade-Unionismus. Auf dieser Grundlage kpnn* ten dieGompers in Amerika: zur Präsidentenwahl die Stimmen der Gewerkschaftsmitglieder einfach verschachern; auf dieser Grundlage k mnten die Legien aller Länder die internationalen Berufsverbände ihrem Wflfefü dienstbar. machen. Werden die Gewerkschaften weiter den höchst gefährlichen Weg des Reformismus gehen, der in Wirklichkeit der^Weg der Bourgeoisie ist? Das ist die wichtigste Frage, welche sich vor der internationalen Gewerkschaftsbewegung erhebt. Wir sind daven vollständig überzeugt, daß es dazu nicht kommen wird. \ Heute zieht ein frischer Lufthauch durch die verpesteten Gebäude der allen Gewerkschaften. Die „Werkverbände" in England, die Betriebsräte in .Deutschland, die neue Klärung im Programm der französischen Gewerkschaften, die „Verbände der Verbände", wie z. B. die „Triple-.aJliaince" in England, der veränderte Standpunkt der Arbeiterbewegung in Amerika, — das alles sind Anzeichen für den Beginn der „Umwertung der Werte."; Vor unseren Augen beginnt sich eine neue Arbeiterbewegung zu entwickeln." Wie werden ihre charakteristischen Züge sein? Die neue Gewerkschaftsbewegung muß alle Ueberreste der alten Routine über ßord werfen. Sie mufy den dierkten, unmittelbaren Kampf um die Diktatur des^ Proletariats unoi die Alacht der Räte im Zusammengehen mit der Kommunistischen Partei erstreben. Sie muß das refoinnistisidhe Ausbessernder alten Kreider des Kapitalismus aufgeben. Sie muß an erster Stelle eis Waffe den Generalstreik setzen und den Generaistiert;, verbunden mit mächtigen Empörungen, vorbeiciten. Die n.uen Gewerkschaften müssen die ganze Arbeiterin: sse erfassen, nicht, nur die Arbeiteraristokratie. Sie müssen den Grundsatz der strengsten Zen-. tralisation und den Grundsatz der Organisation nach den Produkrionsfächern .(Fachverbänden), nicht aber nach Berufen, verbreiten.'Sie müssen die Verwirklichung der wahren Arbeiterkontrolle über die Produktion be~