Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 22 (28.5.1920)
- Date
- 1920-05-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ort: Die Stadt, m welcher die Weltkonferenz tagen wird, ist noch nicht endgültig bestimmt. Es kommen foglende Städte in Betracht: Wien uid Prag. Auf Grund der erhaltenen Angaben der Genossen aus Oesterreich und der Tschechoslowakei über Paßfragen, Leebensbedingungen, Hotels usw. wird das Verbandsbureau beschließen, in welcher dieser Städte die Weltkonferen^ stattfindet Und wird die Landesparteien rechtzeitig benachrichtigen. III. Wahl der Delegierten: > a) Laut § 7 der Statuten des Weltverbandes1 besitzen das Wahlrecht nur jene Genossen, die die Verbandssteuer entrichtet haben. b) Die Delegierten werden direkt gewählt. Dort, wo direkte Wahlen unmöglich sind, sollen die Delegierten vom Parteitage gewählt werden. c) 100 genossen wählen einen Delegierten. d) Es ist wichtig für den Charakter der Weltkonferenz, daß alle Richtungen unserer Weltbewegung auf der Konferenz vertreten sein sollen. Damit keine Richtung innerhalb der Bewegung beeinträchtigt wird, ist es notwendig, daß die Wahlen überall au| proportioneher Grundlage durchgeführt werden. ........JV- Da .viele von den Landesparteien nicht die irjoile Zahl der Delegierteil entsenden können, ist es nichtig zu bemerken, daß bei Abstimmungen auf der Weltkonferenz jeder Landespartei soviel Stimmen angerechnet, werden., als der Zahl der organisierten Mitglieder, welche die Verbandssteuer entrichtet haben, entspricht.; Die Zahl der Delegierten derejnigen Landesparteien, . die zufolge der schlechten ökonomischen Verhältnisse ihres Landes nicht in der Lage waren, die Verbandsstcuer zu entrichten, wird die Weltkonferenz selbst bestimmen. V. Die Tagesordnung. K Wir schlagen folgende Tagesordnung vor: 1. Eröffnung und Konstituierung. 2. Berichtabgabe, a) vom Verbandsbureau, i b) vom Arbeitssekretariat in Palästina. 3. Palästina-Arbeit: a) Der neue Aufbau Palästinas (Berichtabgabe / der Palästinakomission). b) Palästina-Arbeiterfond. c) Kooperative Arbeiterbank. d) Budget des Arbeitersekretariats fit Palästina, 4. Soziale Revolution und Internationale. 5. Nationale Autonomie in den Dtasporaländern. ' 6. Unsere Stellung zur zionistischen Weltorganisation.' . 7. Allweltlicher jüdischer Kongreß. 8. Jüdischer Arbeiter-Weltkongreß. ' 9. a) Oekonomische Diasporaarbeit'. b) Wirtschaftliche Aufbauarbeit in den Ost-.!; i ländern. c) Emigration. 10. Organisatonsfragen: a) Statuten des Weltverbandes. 1 b) Achduth Haawodah'. ' c) Sitz des Verbandsbureaus und der Leitung des P. A. F.. \ i 11. Finanzen:; a) Budget des Verbandsbureaus. b) Hilisiond der. Landesparteien.! 12. Presse und Literatur: 13. Wahlen für die führenden Organe. VI. Die Referenten« werden noch bekanntgegeben werden. 1 VII. Die Verbandssteuern müssen spätestens bis 30. Juni d. J. begl.chen werden, da nur so die Kontrolle der Mandatsverteilung wie auch die Finanzierung der Weltkonferenz möglich sein wird. Wir bitten die Landesparteien, uns sofort auf das Zirkular 4 .(Fragebogen) zu beantworten, da ohne diese Antworten die Abgabe; der Berichte an die Weltkonferenz unmöglich ist. VIII. Die Delegierten müssen dem Verbandsbureau spätestens bis zürn 15. Juni d. J. namhaft gemacht' werden. Besonders wichtig ist dies für Delegierte aus weit entfernten Ländern, wegen rechtzeitiger Beschaffung des Paßvisurns. Wir müssen genaue Angaben über Name, Wohnort und Staavtszugehörjgkeit eines jeden Delegierten erhalten. IX. Für Sonntag, den 18. Juli 1920 wird in demf Orte, wo die Weltkomferenz stattfinden wird, cinje Sitzung aller Mitglieder des Verbandsbureaus anberaumt. Das Verbandsbureau schlägt vor, während der Weltkonferenz eine Beratung der Parteiredakteure und Journalisten abzuhalten, um die wichtigsten Fragen unserer Presse zu besprechen. Der Tag der Beratung wird währeend der Konferenz festgesetzt werden, i X. Das Verbandsbureau hat alle Mittel benützt, um unsere Partei aus Rußland und der Ukraine über die Weltkonferenz zu informieren. Wir haben es für notwendig erachtet, beide Fraktionen der russischen Poale Zion-Partei, die sozialdemokratische und dje kom* munistischet/ einzuladen. Es ist zu hoffen, daß die Delegierten beider Parteien zurzeit kommen werden. In dem Falle, daß die kommunistischen Delegierten sius diesen Ländern nicht zugegen. sein »seilten, wird die Konferenz die Grenzen ihrer Beschlußfähigkeit (Kompetenzen) selbst bestimmen. ' { Wir bitten jene Landesparteien, welche eine Aenderung der Tagesordnung wünschen, dies sofort an das Verbandsbureau mitzuteilen. Vorsehläge zur Weltkonferenz, Deutschösterreich. Die Parteileitung der jüdischen sozialistischen Arbeiterpartei Poale Zion Deutschösterreichs hat dem Verbamdsbüro zu der Weltkontferenz. folgende Vorschläge unterbreitet: 1. Als Ort für dje Konferenz wird aus der Reihe der vom Verbandsbureau in Betracht gezogenen Städte Wien in Vorschlag gebracht, da seine politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse es als besonders dazu geeignet erscheinen lassen. 2. Bezüglich der Tagesordnung werden folgende Aenderungen vorgeschlagen: ,'ai) Das Referat über dfe soziale Revolution und die Internationale wäre als erster Punkt, sofort nach den Berichten (die auch den Bericht über die Palästina-Arbeit und den P. A. F. umfassen sollen) auf die Tagesordnung zu setzen. ib) Daß Referat über unsere Stellung zur zionistischen Weltorganisation! sollte einem Vertreter der polnischen Pa.-tei, als Repräsentanten der Mehrheit übergeben werden. 3. Ferner wurde dein Verbandsbureau nahegelegt, es möge sich in allen Fragen, welche die Tagesordnung und die Art der Beschickung der Kcnferenz betreffen, mit dem O. B. der linken Poiaie Zion, das eine Richtung. innerhalb.unserer Weltbewegung vertritt, in Verbindung setzen. i 4. Endlich soll die Frage der Zulassung der „Achduth Haawodah" zur Konferenz auf die Tagesordrnung gestellt werden. 1 5.' Was die Art der Beschickung der Konferenz betrifft, nimmt die Parteileitung mit Genugtuung zur Kenntnis, daß beide mßländische Bruderparteien zur Anteilnahme aufgefordert wurden, fordert aber aufs nachdrücklichste,, daß in Befolgung desselben Grundsatzes auch die sozialistische Arbeiterpart e i Palästinas (Poale Zion) eingeladen wird. Im übrigen wurde den Vorschlägen des Verbandsbureaus zugestimmt. Tschechoslowakai. Der Parteivorstand der tschechoslowakischen Poale Zion-Partei hat an das Verbandsbureau folgende An» träge zur Weltkonferenz gestellt: \ a) Umstellung der Tagesordnung in folgender Weise: Als 3, Punkt.Soziale Revolution und Internationale", als 4. Punkt „Jüdischer Arbeiter-Weltkongreß", als 5. Punkt „Palästina-Arbeit". .; b) Im Punkte 10 b der Tagesordnung soll die Frage, ob die Achduth Haawodah als die politische Landespartei in Palästina anzusehen ist, einer endgültigen Diskussion und 'Entscheidung zugeführt werden. c) Das Verbandsbureau wjrd ersucht, der sozialistischen Partei Palästinas (P. Z.) eine Vertretung auf der Weltkonferenz unter den gleichen Bedingungen wie der Achduth Haawodah zuzugestehen. t . „Und wenn nach den Erfahrungen sowohl der Rada als Denikins Herr Pilsüdski in ■ die Ukraine geht, so zeigt das nur, daß irgend ein eisernes Gesetz der Geschichte besteht, kraft dessen die verurteilte Klasse den Kopf verliert und sich selbst ihr Grab gräbt. Herr Pilsüdski, die polnischen Henker und die polnischen Kapitalisten graben i sich ihr Grab. Die russischen und ukrainischen Arbeiter undBauern werden ihnen helfen, sich da hineinzulegen." Karl Radek: Die polnische Offensive (aus „Isvestia" vom 30: April d. J.) "Das große geschäftliche Ringen zwischen der Weltreaktlicn und der Weltrevolution wird nun ausgefechten auf der blutdurchtränkten Ostfront von der Düna b|s zumDnjestr. Und wiederum müssen tausende Opfer fallen, zerfetzte Leiber das Schlachtfeld (be-> decken, blühende, brotreiche Länder verwüstet, Menschenkinder gejagt, gehetzt, ausgerottet, alle bösen Instinkte der Tiere im Menschen entfesselt ^ind aufgeputscht werden, damit das aufbauende, befreiende Werk der russüschen Arbeiterschaft niedergerungen] Wjrd. .' < Ein Fels, unbesiegbar in heldenmütigen Kämpfen! gegen die Söldner der WeltrevcJution, gegen die Petljuras .Koltschaks, Judenütschs und Denikins, stand die sozialistische Sowejtrepublik da, ein unerschütterlicher Wellenbrecher gegen d!ie Hochflut der schwarzen Mächte der GegenrevoJuitüon. Und der muß niedergerungen werden: Um -jeden Pi^, D^r^^U^^MornaU^a^ - Kapital: An diesem Felsen wird ihr Schiff zerschellen, wie eine jämmerliche Eierschaile zerschellen, wenn er nicht stets von neuem unterminiert in *die Luft gesprengt wird. Versetzten schon die heldenhaften Siege des russischen Proletariates der bürgerlichen Welt einen schweren Schlog, so haben sie mit <wiahnwitzigemi Entsetzen die Kunde erfüllt von der restlosen Aufbauarbeit, der, die Waffen in Instrumente produktiven Wirkens'umtauschenden Arbeiterschaft. Sie wußten es alle, die Junker und Herren, Großindustrielle und Fi^. nanzhyänen, Weltschieber und Weltregierer, daß die emsige Arbeit der sozialistischen Republik ihnen tödlichere Wunden schlägt, als die Kugeln der roten Armee. Sie wellten mit S c h 1 a u h e i t schlagen. Scheinbar wurden die Schützengräben um Soiwjetrußlamd überbrückt; scheinbar der Stacheldrahtverhau abgebaut; die Kampffrcfnt in einen Handelsmarkt verwandelt; es ertönten Friedensschalmeien,' Lockungen und Ränke..;; und indessen zogen Regimenter um Regimenter gut ausgerüstet, fett entbhnt aus den Kassen der internationalen Räuberbanden gegen die Ostfront. Mordwerkzeuge stauten sich; von allen Seiten der weitem Welt, ketnzentrisch, würden die dunklen Mächte um! Sowjetrußland zusammengezogen, um den letzten, entscheidenden, vernichtenden Schlag zu führen. t Und Polen ward als Träger des Angriffes auserkoren. Dieser junge Staat, der in den Händen skrupelloser, raublüsterner Abenteurer und Allerweltintriganrten zum Spielbällihrer herrschsüchtigen Instinkte geworden ist; dieser junge St'aat, wirtschaftlich (total darniederliegend, finanziell auf eirer schiefen Ebene mit gesteigert beschleunigtem Fall dem Abgrunde entgegenrollend, bis ins Mairk und Blut hinein von der Korruption und dem Wucher zerfressen-, administrativ unbeholfen, organisatorisch durch Unfähigkeit der Herrschenden lahmgelegt, verhungert, vßrwahrbst, ohne Produktion, mit unermeßliiCheltf ^rbeitslosenscharen und verschärften, bis zum äußersten zugespitzten sozialen' Gegensätzen; der so mit Todsiechtum bei der Geburt sehn gezeichnete Staat, mußte der erste in die Front springen, v 1 In unserem Aufsatz in der Fr. Tr. Nr. 16 vom 17. April wiesen wir darauf hin, daß die herrschende Junkerklasse Polens die Friedensverhandlungen mit Sowjetrußland deshalb so hinterhältig hinausgezogen hat, weil' sie Krieg führenmuß. Krieg führen muß, nicht nur als Zuhälter im Auftrage des Elltenteimperialismus, sondern euch um der Ka tastroph e im Innern durcW eine Katastrophe na.ch Außen entgegenzusteuern.'Unbewußt ist sie dadurch natürlich nur das Werkzeug der. Geschichte, die die Totengräber der morschen Herrschaftsformen zum Reifwerden der sozialen Revolution ausnützt. > ■ *' * k