Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 4 (24.1.1920)
- Date
- 1920-01-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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MITTEILUNGEN! BEB BEIBLATT ZUR „FREIEN TRIBÜNE" mm IL Jahrgang Wien, 24. Jänner 1920 Nr. 4 Hüter oder Richter? 1. Abspalten oder Abschneiden. Nachdem die Mitglieder des Verbandsbüros einzel'weise gegen Richtung und Organisation der linken Poale Zion aufmarschiert waren, hat sich nun auch' das! .Verbandsbüro als solches, nicht nur gegen Ziel'e und Aufgaben, siondern auch gegen die Existenz des „Organisationsbüros der linken Poale Zion" exponiert. Und — wir müssen schon sbgen, derart exponiert, daß uns bange wird; nicht etwa um die Existenz des! Organisationsbüros, sondern um diejenige desl Weltverbandes!. 'Auich1 das! Verbandsbüro zieht gegen uns ins Feld mit der äff,,bewährten" Parole;: Einigkeit; verdamm* uri^ als Zerstören dieser Einigkeit und spricht über uns! Acht und Bann aus. Dast .Verbandsbüro bedauert die Errichtung des sogenannten „Organisationsbüros der linken Poale Zion", dasl nur Desorganisation und Spaltung bringen 'kann, ansltatt zur Aufklärung der Probleme der näüh'siten Weltkonferenz beizutragen. Dasl Verbandsbüro fordert alle Landesparteien auf, in diesiem Geis'te all'e Genossen und Gruppen aufzuklären und mit dem erwähnten Büro in keinerlei Verbindung (zu tlreten.; v Nun sicheint unser Verbandsbüro sich endgültig für die „deutsche" Methode entschieden zu haben. Unter dem Vorwande, dasi „Organisationsbüro der linken Poale Zion" wolle die Weltbewegung sipal'ten, schneidet das Verbandsbüro uns von der Weltbewegung ab. Kurz und bündig fordert, es! die Bruder-Parteien auf: mit de>m O r g a n i s a - tionbibüro in keinerlei Verbindung zu t r e t e n. Damit die Bruderrjarteien dieser Aufforderung auch! nachkommen, versteht es das .Verbandsbüro, diesle auf die ihnen vom O. B. drohenden ,/Ge-, fahren" nadhdrüdklidhstt aufmerksam zu machen. Wir — das! Organisationsbüro — sind somit in Adht und Bann erklärt. Keine Partei darf mit' unsl in Verbindung treten. Unsere Weltbewegung i'sft' dadurch gerettet, die Einigkeit gesichert, die Spaltungsteufef .gänzlidh isoliert, abgeschnitten. Unser Verbandsbüro ist 'Anhänger des radikalien dhirurgislchen Eingriffes!: ein rebellierendes, innere Zersetzung zeugendes Glied muß! erbarmungslos: amputiert werden. So verfuhr unstet Verbandsbürö mit der zu neuem Leben erwaditen isjozialisitis'clhen Arbeiterpartei (Poalle Zion) Palästinas1. In einem Zirkular hieß es! einfach1 und bejsidh'eiden: Wir verurteilen jeden Versiidh, die pal'äsitinensirldh'e Arbeiterschaft zu spalten und . . . fordern deshalb die Bruderparteien auf, mit dieser Poale Zioii- Partei Palästinas: in keinerlei Verbindung zu treten. Genau slo denkt das Verbandsbüro mit uns zu verfahren. Diesle deutsche Methode lauft darauf hinaus:,, all'e andersidenkenden als1 .Spalt ungsbazillen zu be^ tradh'ten und zu brandmarken, siie dann in der Bewegung zu is'olieren und sie schließlich' von der Bewegung abzuschneiden. Wir glauben verpflichtet zu &ein, die gesamte poal'ezioni- ' stisdlte ParteiöffentliCWkeit auf diese,, die Weltbewegung bedrohende Methode des1 gliedweisen Amputierens; aufmerksam! zu madhen und der ernsten Befürdhtung (Ausdruelk zu, geben,, daß, wenn das .Verbandsbüro so fortfährt',, es sehr bald die höchste Stufe der Einigkeit erreicht haben wird, nämlich1 diejenige der Verbandsibüromitglieder auf der einen und der Weltbewegung auf der anderen Seite. 2. Bewegung oder Statuten. Das V.-B. erklärt wohl, „es habe nidh't die Abslidht auf die Bestimmungen unserer Statuten hinzuweisen" und bringt es! dodh zuwege, die Landesparteien aufzufordern, mit dem O.iB. in keinerlei Verbindung einzutreten. Esl wird dejsih'alb notwendig slein, einmal festzustellen, wen das V.-B. eigentlich repräsentiert. Nicht nur formell sondern ideologisch1. Als'o Amerika. 1 Auf dem letzten Parteirat sdiM aftej „rechten" Beschlüsse mit einer Majorität von 27 gegen 17 gefaßt worden. Zieht man in Betradht, daß die: Redhte den gesamten Parteiapparat — (Presse, Z.-K. Verwaltung, Kaslsa) — zur Verfügung hatte, während die jLinke", durch! eine drakonische Parteidisziplin in wahrem Sinne des! Wortes beherrscht wurde, dann muß man zur Ueberzeugung gelangen, daß diesie Partei dem V.JB. nidh't gerade das feste Rückgrat für eine „harte" Politik abgeben kann. E n g l a n d. Ja! Ueber England wislsen wir sehr wenig, aber dasjenige, das wir wissen, berechtigt zur Annahme, daß auch vor unserer englischen Bruderpartei die große Bewegung in der sioziah\ stiSidh'en Ideologie nicht itfaltgemacht hat und daß auch! diesle Landespartei gewiß nicht darnach geartet is!t, daß unser V.-B., auf sie redhnend, nach link!» die Politik der festen Faust betreiben könnte. Palästina. Gewiß ist das eine respektable Größe. Aber darüber, ob diesles Gewicht auf die Wagslch'ale unserer Bewegung überhaupt geworfen werden soll, sollte doch1 noch ernst gesprochen werden. Rußland. Hat doch' dort selbst die sozial* demokratische Poale Zion=Partei auf ihrem letzten Parteitag beschlossen, nur unter der Bedingung im Weltverbande zu verbleiben, wenn das1 Verbandsbüro seine Kompromißpolitik, sowohl in jüdischen wie in allgemeinen Fragen endgültig aufgibt und aus der zweiten Internationale austritt. Uk'raina. Aber selbst dort gingen doch einzelne Genosjsen nur dann in ein Petljura-Kabinetty wenn Petljura eines bilden konnte, während der Oioßteil der Parteimitglieder zur Roten Armee ging, um gegen Petljura zu kämpfen. Heute, wo die Ukraina in den Händen Trotzkis: sich befindet, sind slelbst diese wenigen Genossen bei all ihrer Elastizität und Sdlimiegsamkeit ganz gewiß Verfechter des! Sowjetgedankens, über den unsere Genossen vom V.-B. nodh keine feste Meinung haben. Bleibt a l's'io Polen. Nun hat gerade die pol* nisldhe Partei dem V.-B. in der Frage der zionistischen Konferenz deutlich zu erkennen gegeben, daß sie da nicht mittut. , . Wir sieben also in allen großen Fragen unserer jüdischen Arbeiterpolitik1 das.V.-B. völlig isoliert, im besten Falle hin und her lavierend. Für den Zionistenkonkreß müssen die Palästinenser und Eng* länder, für die zweite Internationale Polen her* hatten. Aber entgegnet da^ .V>B.: die Stodkholmer Verbandsberatung, an der „fast all'e unsere P a r t e i e n" (?) teilnahmen. Ja;, will denn das' V.*B. die Kompetenz, Vertretung und Abstimmung'sm'odus der '„Stockholmer Be« ratung zur öffentlichen Diskussion stellen? Es1 genügt ja bloß1 daran zu erinnern, mit welchem Un* recht man für Deutsichland und Polen gestimmt hat, und die Genossen werden es vorziehen, darüber zu schweigen. Wir s!ehen also in der Bewegung, in Ü er lebendigen, kämpfenden poalezionistischen Bewegung, keinen genügenden Rückhalt für das' Tun und Lasisen des V.-B. und staunen,, woher dasl V.=B. die ViolTmadht' — die aus1 lebendiger Ideenbewegung erfließiende Vollmadht dazu ableitet, ein Glied unserer Bewegung nach1 dem anderen in Acht und Bann zu erklären. . : 3. Propaganda oder Aktion. E)asi V.*B. melnf :";;Ifr allen unseren Landespar-, teien herrscht Freiheit der Propaganda". Soll! nun jeder linke!Genos!s|e s[oi viel er will fjür keine Idee agi* tieren. Nun ist es! gewiß' sehr löblich' und nett, daß bei unsl PropagandafreiheitV selbst für die Linken herrsidht. (Wir werden sehr bald allen Genossen Musterbeispiele dieser Propagandafreiheit mitteilen, daß ihnen Hören undüSeh'en viergehen jwird —). {Aber eine Verbandsvertretung, die von der Bewegung weltenfern ist', an Wilson'Izu einer Zeit telegraphiert, als! es notwendig ist, eine Aktion für Sowjetrußland einzuleiten; für Sowjet=Rußland zu einer Zeit eintritt, als! es si'dh1 selbst schön längst geholfen hat und audW desisen Todfeinde an die Sowjetrepublik glauben müsisen; nadh1 Basel gehen will, obwohl siie ziffernmäßig errechnen kann, daß die überwie* gende Majorität der Vertretenen, gegen diese Ver* tretung sind; eine derartige Verbandsleitung muß es südh s'chön gefallen lassen,, wenn die durdh sie Vertretenen slieh1 nidh't mit der schönsten aller Freiheiten — der Propagandafreiheit — begnügen, und zur S e l b & t h! i l f e greifen. Es geht ja doch nicht an, den linken Genossen zuzumuten: wir, das V.*B., werden Eudh repräsentieren und ihr die Linken wer* det agitieren; wir dasl V.*B. werden Politik madh'en und ihr Linken, gegen die sich diese Politik wendet, werdet unsl kritisieren. Nein, Genossen! Mit der Propagandafreiheit ist es unter den in' unserer Weltbewegung herrschenden Umständen nidh't getan. Wir wollen Aktions* f reihe it. 4. Das Organisationsbüro. Aber wie slo denn^ wer ist denn das 0.*B.? Auf wen stützt es sich?; , Bitte!: J. K. P. P. Z. i n R u ß la n d. Diszedenten. Aber Genossen, es sind ja diejenigen unserer Besten',, die'für die jüdische Arbeiter* bewegung nidht nur zu propagieren, sondern auch zu kämpfen und zu sterben wiesen. Es sind dodh Poale Zionismen, die gemeinsam mit uns für die Erridhtung eines1 sozialistischen Palästinas arbeiten wollen. Oder will das!. .Verbandsbüro etwa die Statuten aufmarschieren lassen? Will es eine Poale Zion*Bewegung oder einen Poale 2ion*Katasiter? Litauisch-Lettische Partei. Dem V.*B. macht es Kopfzerbrechen, welche Parteiinstanz den Anschluß an das 0.*B. beschlosslen hat. Hat denn das V.-B. die ParteitagsbesChlüssiei dieser Partei nicht gelesen? Weiß denn das Verbandsbüro nicht, daß Auf* gaben und Ziele des! O. B. mit denjenigen der Litauisidh - lettischen Partei vollkommen überein* stimmen? Amerika. Auch1 dort verfolgen unsere Genossen vom Propaganda'komitee dieselben Ziele wie das O. B. Palästina. Darüber, daß die dortigen Poale Zion — nicht Achdut-Haawodah' — mit dem O. B. solidarisch ist, hat uns ja das Verbandsbüro selbst Kunde gegeben. Die heute wiedergegebenen Resolutionen der Palästinenser Poale Zion bestätigen diese Nachricht. Auch die S. D. P. Z. in Rußland sind im Prinzipe fnit den Loslungen des O. B. einverstanden. Deswegen hat das O. B. auch beschlössen, mit diesler Bruderpartei in Verbindung zu treten. Nicht etwa, um sie zu spalten, sondern sie mit den anderen linken Parteien zu vereinigen. Das O. B. hat keine Statuten, dafür aber Ideenein'h'cit aller linken Parteien und Gruppen innerhalb unserer Bewegung für sich. Dasl O. B. erklärt', daß es unerträglich' ist, sich auch fernerhin vom .Verbandsbüro in Genf und Baslel vertreten zu lassen. Hingegen ist es unbedingt notwendig, daß unsere Bewegung der d r i tten Internationale angeschlossen wird. Nidht etwa bloß des; Anschlusses wegen. Sehr richtig sichreibt das Verbandsbüro, daß die Frage der Internationale nicht bloß die Frage der organisatorischen Verbindung sei. Der Anschluß an die dritte Internationale bedeutet, wie es' die S. D. P. Z. in Rußland fordert, dasl Aufgeben derjenigen Politik — in jüdischen wie in allgemeinen Fragen —h die das* Verbandsbürö heute m a C h t und dasl Betreiben einer solchen Politik, die das „O rg a n i sia t i o n s b ü r o der 1 i n k e n Poale Z i o n" e m p f i e h111. iDesfwegen wird das! O. B. sich nicht beirren l'aslsen! im vollen Bewußtsein, daß die große Mehrheit unserer Weltbewegung, mit den klassenbewußten Proletariern aller Länder für die Ziele und Aufgaben der dritten Internationale kämpft, wird dasl O. B. den Anschluß an dieselbe ejr-, sitreben und durchführen. Laut und Vernehmlich' erklären wir: i '1. N i cht Slip alten Wollen wir die L a nd estparteien, sondern diie in denselben wirkenden linken Kräfte zu einer zielbewußten aktionislfäh'igen Einheit zusla m m enfa'ssen. 2. Nüdh't slpalten wollen wir unsere W e 11 b e w e g u n g, sl o n d e r n , gje e i n i g t w o llen wir siie in die Reihen des für die Weltre volution kämpfenden Proletariats bringen. Zur Frage: Organisationsbüro der linken Poale Zion versendet das Verbandsbürö an die Zentralkomitees und Sekretariate nachstehendes Zirkular: Aus dem Oi;gan der deutschösterreichischen Poale^Zion- Partei ,Jrreie Tribüne" Nr. 46 und 47 erfahren wir, dall in Wien ein ^Organisationsbüro der linken Poale Zion" gegründet wurde. Die Initiatoren dieses Büros sind: die jüdische kommunistische Partei Poale Zion Rußlands, die deutsche österreichischen PoalesZion und die litauisch4ettische Par^ tei. In dieser Sache wurde vom' Büro an unsere Landes^ Parteien ein Zirkular versendet, dem Verbandsbüro ging eine briefliche Anzeige zu. | Aus dem1 Aufruf des neuen Büros, wie auch aus dem au die Parteigruppen und einzelnen Genossen gerichteten Zirkiis lar ist zu ersehen, daß der Hauptzweck des Büros darin besteht, Parteien und Teile von Parteien ,,in einen Block, der sich auf dem Boden und in die Reihen der III. Internationale" stellen soll, zu vereinigen. Einzelne Genossen und Gruppen, die mit dieser Aufgabe einverstanden sind, werden aufgefordert, in ihren Landesparteien, ^Fraktionen" zu diesem Zwecke zu begründen. Der Wunsch des ,.linken Büros", daß wir von rein formellen Umständen absehen möchten, ist überfllüssig. Wir haben nicht die Absicht, auf die Bestimmungen unserer Statuten hinzuweisen, auf Grund welcher die Gründunjg und die geplante Tätigkeit eines solchen Oro\anisationszentrums in unserem Verbände unmöglich ist. Wir sind ein freiwilliger Verband von Genossen in Gedanken, Arbeit und Kampf. Wem die Einigkeit unserer Bewegung und Aktion teuer ist, der wird! sie auch ohne Statuten hüten. Wer die Fraktionsunterschiede höher stellt, wird auf einen Appell an die Parteidisziplin keine Rücksicht nehmen. Wir wollen bloß alle Parteien und Organisationen auf folgendes aufmerksam machen: Nach langen Jahren der Trennung ist es im letzten Soms mer gelungen, eine Beratungdes Wdltverbandes zu org^anU sieren, an welcher fast alle unsere Parteien, darunter auch die Wiener Genossen, sich beteiligten. Alle Delegierten, ohne Aussnahme, stimmten darin überein, daß die organisatorische Einheit unserer Weltbewegung aufrecht erhalten werden muß wnd daß die nächste Weltkonferenz alle Streitfragen zu eutscheiden haben wird. Auf Vorschlag der Wiener Partei *) *) Hiezu muß folgendes hervorgehoben werden : Nachdem die Beratung diesen unseren Antrag mit allen gegen die Stimme der Wienui Delegation abgelehnt hat, glaubten einige Genossen diese Ablehnung noch in einer besonderen Resolution demonstrieren zu müssen, wogegen wir energisch protestierten. Es gelang uns jedoch nicht, die Genossen von ihrem Vorhaben abzuhalten und als wir dann erklärten: diese überflüssige gegen uns gerichtete Demonstration würde uns ernstlich vor die Frage