Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 4 (24.1.1920)
- Date
- 1920-01-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Und doch wird das: Elend von Tag zu Tag größer. Und doch oelingt es dem aufrichtigen WiFfen fast einer halben Welt nicht, die Not in Jicgiem kleinen Lande auch nur zu mildern. Warum? Die großen und kleinen Schicksalslenker DeutiSichösterreiehs suchen diese Tatsache durch af'fcrfi'anclpolitische oder volkswirtschaftliche Uriaidh'en zu erklären. Je nach der politischen Gerinnung schieben die einen die Schuld an unserer rräßlichen Not bald dem fünfjährigen Kriege, bald ler Entwertung unserer Krone, bald dem zweifel- Vaften politischen System Detitschösterreiehs zu. All dies, ist zweifellos wahr. Wahr ist aber auch, daß-', wenn mehrere Hundert Millionen Menschen einem kleinen Volke von kaum 7 Millionen Menaufrkhtig helfen wollen, sie dies unter allen Umständen'"durchführen können. Woran also liegt unsere Not? In der Zeit, in. der man. nur noch durch „heilige Einigkeit'', durdr ^Burgfrieden" und durcli -.-riCoaßöOM-'-- «agierten- -\viiU, kann iirid clurf »nun nicht zur einfachsten, dafür auch wahrhaftesten und zutreffendsten Erklärung greifen. Zu der ebenso alten wie richtigen Erklärung, daß radikale Hilfe von Volk zu, V o 1 k, v o n M e n sc hz u Mi e n s c h in der auf M: e h r g e w i n n und P r ofit b a s i e rend e n Oese 1' I s c h a f f. s o r d n u n g u n m ö g I i c Ii i s: t. Wie -oltte uns Amerika, England oder Tschechien Selbstlos helfen können, wenn das ganze eigene Dasein dieser Länder auf Profit und Nutzen airfgebaut ist. Wie sollten diese Völker unsere Not mildern können, wenn sie nicht im Stande sind', die Not ihrer eigenen Volksgenossen aus der Welt zu schaffen. Wir dürfen niemals* vergessen, daß auch diese Völker in Klassen gegliedert und die herrschenden Klassen nur von der Ausbeutung der ararbeitenden Klassen leben und. genießen. Ja diese kapitalistischen Länder fühlen sich w.ohl verpflichtet, den durch den Krieg auf den Bettel gekommenen Ländern zu helfen; sie können dies jedoch nur in dem Masse tun, indem jeder reiche Mann seinem Bettler Volksgenossen hilft. D. h. ein Almosen ge- }en. Ein Bettlertand zu einem schaffenden, der eige ien Hände Früchte geniafiendi-n Lande kann die ka xtahsfisch'e Wirtschaftsordnung nicht erheben. Beim x-.sten Willen nicht. Haben unsere nahen und fernen Nachbarvölker ien guten Willen uns zu helfen > Gewiß. Der Staatskanzler hatte sowohl in Paris, ■.fei auch in Prag Gelegenheit, sich von diesem besten ViFfen persönlich zu überzeugen. Auch wir hören a täglich die wahrhaft rührenden Stimmen der ilenschlich'keit im Auslande. Hat doch Hoover dem merikanischen Volke warm empfohlen, uns -Vutschösterreich - - zunächst, noch vor den Polen und Armeniern zu helfen. Hört man aber aufmerksam auf die Meinung und die Reden dieser Männer, dann wird man auch der zweiten Ursache unseres Elends gewahr. Lord v-urzon hat im englischen Parlament die Leiden der arbeitenden Massen Deutschösterreich*; mit wahrer Menschlichkeit geschildert, er fügte jedoch hin- : in derselben Z e i f, i n der di e P r o / e t ar i e r Wien- Hungers sterben, leben die Reichen in unerhörtem L u x u s. Wie splfte bei den Nachbarvölkern der gute Wille uiii zu helfen, zur Tai werden, wenn man »« London genau weiß, daß die Reichen Wiens in **u> und Braus lohen und dabei ruhig zusehen, wie "«e Arbeitenden Wiens, vor Hunger zugrunde gehen. Das Volk Wiens, die Arbeitenden und Schaffenden Deutschösterreichs, müßten vor allein der Welt ^en Beweis erbringen, daß sie die im Lande selbst vorhandenen Lebensmittel und Bedarfsgegenstände: Nahrung, Kleidung und Kohle *o aufzuteilen verstehen, daß alle gleichen Auteil bekommen.-Ein Volk, das derart verarmt und hcrabgekoinmcu ist, wie unseres, kann und darf sich den Luxus, eine parasitäre, nicht schaffende, alles verzehrende Klasse zu erhalten, nicht erlauben. Zunächst müssen wir uns selbst hellen, dann haben wir erst Anrecht' auf fremde Hilfe. Selbsthilfe! In Wien und in Dcutschöstcrreieh regiert die Not. Sie ist Alleinherrscher, über das Land. In erster und letzter Linie aber über die arbeitenden Massen des* .Volkes. Dieser Alleinherrschaft des Elends,. Hungers' und Sterbens, kann nur dann ein Ende bereitet werden, wenn wir immer der Mahnung des edlen Lords gedenken: In e i ii e r S t a d t d e :s T o d e s d ü r f e u a u c: h d i e lc*e i c h e n n i cht t a n z e n. Ja, so merkwürdig, so unglaublich es klingen mag: der englische Lord hat uns an die einzige, uns zu'Gebote stehende Selbsthilfe an den Klasse n k a m p f erinnert. Unsere Volksvertreter rufen nach Hilfe, unser Staats-kanzler fleht die Mächtigen, Wohlhabenden und Reiche/i des . . . Auslandes an .... Diese, die trostlose Lage Deiftsehösterreich.s kennend, erklären sich bereit zu helfen. Den darbenden, hungernden und sterbenden Massen Deutschösterreichs rufen sie jedoch zu: ■ij^iiMett^r.. ai]^i>^;^1^fe<^wi-rcl'Hti" ir'g e' -' i eh f s eueres uner m e ß I i c he n Leides d e r u n e r h ortest e L u x u s g e. t r i e b e n , Helft Euch selbst l Der deutschösterreichisch'e Staatskänzler will der Arbeiterschaft den BetteJsack umhängen. Der englische Lord weist ihr den Weg der Selbsthilfe .'. . des Klassenkampfes. Oer Sieg der dritten Internationale. Die erste große, zwei Jahre lang währende Schlacht zwischen W e 11 r e v o 1 u t iou und Weltrtaktion hat nun mit einem geradezu beispiet losen, durchgreifenden Sieg der W e 11 r c v o 1 u t i o n geendet. Der durch' die tolle Laune der siegreichen fran zösischen Bourgeoisie meuchlings niedergestreckte „Tiger4 das- Haupt der Weltreaktion ' mußte o, welche Ironie des- Schicksals! vor seinem •chmählichen Ende sich selbst vor aller Welt verhöhnen. Das letzte Mal sollte dieser von der Bourgeoisie verwöhnte Räuberhäuptling, der ^it/.ung des Obersten Rates der Wertreaktion prä vidieren und just auf dieser Sitzung sollte der Oberste Rat seine teilweise Kapitulation vor der Weltrevolution öffentlich kundtun. Kann man «ich eine erbärmlichere Niederlage der E n t c u t e po 1 i t i k und eine.» unzweideutige ren Erfolg der R e v o 1 u t i o u; p o \ i t i k vor steifen? Wo bleiben nun diejenigen „Arbeiter freunde", die »ich nicht gescheut haben, den Arbeitern Europas und Amerikas zu empfehlen, eine andere Politik, als diejenige Sowjetrußlands zu unterstützen? Wo bleiben diejenigen Mehrheits und MinderheitvSozialisten, die selbst eine der rußländischen Sowjetrepublik entgegengesetzte Politik betrieben haben? Und wo bleiben diejenigen, die Lenin und Trotzky deshalb höhnten, weil sie in wahrer sozialistischer Erkenntnis es gewagt hatten, da= Schicksal Sowjetrußlands nicht nur der - i e g-h a f t e n Rot e n A r in e e, sondern auch der internationalen Solidarität des Weltpro letariats anzuvertrauen? Der Sieg Sowjetrußlands wird erst in zweiter Linie zum Siege der Roten Armee über die konterrevolutionären Banden der vereinigten Staaten der Reaktion. In er-ter Linie ist es der große 5 i e g L e n i ns und T rotzk y s über die falschen Arbeiterfreunde der ganzen Welt der Sieg des r e vo f u t i c n ä r e n über den o p p o r t ti n i s t i - v c h e n Soziah's-mus. der k o m m u n i s t i s c h e n Weltanschauung über die s o z i a 1 d e mokra tische. Lenin und Trofzky waren es1, die es wag ten, den gesamten Mächten der Reaktion kühn zu trotzen "und dabei nicht bloß' auf die herrliche, schlägkWillige Rote Armee, sondern vor allem auf •die internationale Solidarität der Proletarier alter Länder zu bauen. Sie waren es, die laut verkündeten: entweder dasi Wcltprolctariat untersHijlzl uns und hilft uns-f, die Wcllrcvolution zu verwirklichen, oder wir und mit uns die Well revolütion gehen zugrunde. Sie verkündeten es'/ oft, so oft, bis die Prolc tarier aller Länder es hörten und . . . ü b e r d i e K ö p f e i h r c r E ü Ii r e r, j a g e gen deren ausgesprochenen Wili'eu, den Kampf für Sowjetrußland aufnahmen. Heute, da tlie Rote Armee las* ganz Rußland von der Gegenrevolution gereinigt hat, heute, da der schwarze Rat unter dem Vorsitz seines schwärzesten Häuptlings die schinählic'h'e Niederlage offen eingerieben muß, soll es den Proletariern der ganzen Welt klar bewußt werden, daß in dieser weltgeschichtlichen Schlacht nicht bloß Lenin und T rotzk y, nicht die r u ß I ä n d i s;c h e n h e 1' d e n in ü t i g e u Ar b eile r allein gesiegt' haben,, son (lern, daß heule die n e u e r w a c Ii t e f'a t k r äf tige I nf e r n n ti <> n a 1 e ü;r± gesamte rev/ilutionäre Prrd'etariaf; über die gesamte reaktionäre Bourgeoisie den ersten entscheidenden, ja epochalen Sieg.„^;rrungen. hat. Errungen unter der Pfth'nmg des:' klasseitbew^ißten rußländis'cheu Proletariats, au dessen Spitze die großen K ä m p f e r f ii r cl e u S o z i a I' i s m u s, L e n i n und 1 rotzk y, stehen. Niemals hätten L e n i n und T r o t z k y die rußländischen Arbeiter in diesen großen, Opferreichen Kampf geführt, wenn sie^nidht .gewußt hätten, die Proletarier aller Länder würden ihre Pflicht erfüllen; niemals hatten die russischen hei denhaften Roten Armeen allein biegen können, wenn ne nicht von ihren Brüdern jenseits des» Drahiver haues, tafkräftigst unterstützt vVorden wären. Jawohl! Der Sieg Sowjcrrußland.v; über der» Obersten Rat ist der Sieg der revolutionären drit ten Internationale de.v Prolefarialsüber die goldene, erzreaktionäre Internationale der Bourgeoisie und über deren Heifer-ihelfer von der gelben friter nationale der Sozialpatrioten. In der Tat! Wäre e.si der dritten Internationale im letzten Jahre nicht gelungen, über die zweite einen entschiedenen Sieg zu erringen, wäre es nicht gelungen, die Arbeiter in Amerika, England und Erankreich trotz und gegen den Willen ihrer Führer zu den vielen tatkräftigen Sympathiebezeigungen zu bewegen, wäre der heutige Sieg unmöglich. Jn Bern saßen sie kaum vor einem Jahre und gedachten, Sowjetrußland und mit ihm die dritte Internationale zu richten. Damals wußten die Proletarier Europas, und Amerikas nicht, ob sie ver pflichtet sind, Rußland zu helfen oder nicht. f>ie unerschrockene, aufopferungsvolle Arbeit und der todesmutige Kampf Sowjetrußlands hat aber den Arbeitern sehr bald den Weg gezeigt; der infs Freie führt. Den W e g der r e v o I u t i o n ä r e n T a t. Heute jubelt das, Weltproletariat diesem großen Siege aus; vollem Herzen zu. Und mit Recht! Ix*mi der Sieg Sowjetrußlandi-t der Sieg des Welt Proletariats über die Welt bourgeoisie. Der Sieg, der zu neuem Leben und zur bt in:hti(k-n Tat erwachten internationalen Sofidan iät - der S i e g der drit i e n komm u n i v t / - ch e n Internationa f e. Jubelt, ihr Proletarier aller Länder, aber ge denkt auch, daß die letzte Schlacht zwischen Ka pital und Arbeit noch nicht geschlagen ist! [hui diese letzte Schlacht muß die Arbeiter ■char't eines jeden Landes ihrer eigenen rk>urgeoisiV liticrn. J>ann i't nicht nur Rußland, dann ist du ganze Welt frei! Die ganze Welt vereinigt in den i r e i e n Sowjetrepubliken d er arbeit e v. d e n M e n s c h h e i t!