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Freie Tribüne · 1920-01-17 · 3 (17.1.1920) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freie Tribüne
Volume
2 (1920)
Issue
3 (17.1.1920)
Date
1920-01-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Glaub an die Utopie, den Traum, den roten Traum, unseren Traum: er sei dir Kampf und Wille, Sehnsucht und Gebet —- der Traum, der in Erfüllung geht: Wenn du ihn liebst, wenn du ihn ahnst und seinem Geist die Wege bahnst, ist Traum Liebe, Freiheit der Traum, unser Traum. Gib" mir, Bruder, deine Hand, gib der Schwester deine Hand, wir folgen dem Traum, der uns belebt, mahnend uns zu Häupten schwebt, wir folgen dem Traum. Wir führen dich durch Blut und Tod zur Menschheit hin, ins Morgenrot, denn ewig ist der rote Traum und unvergänglich unsere Saat und dreimal heilig unser Pfad zum Traum: Zur Tat! Den Heiligen der Revolution Karl Liebknecht nnd Rosa LuxemburgT" Das Hirn und das Herz der Revolution, das waren Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Zu einer Zeit, da alle Herzen — auch die der menschlich Fühlenden — einzig und allein dem Vaterlande schlugen, da pochte das große menschliche Herz Liebknechts der gesamten arbeitenden — und nur der arbeitenden — Menschheit. Damals, als a 11 e Hirne — auch der sozialistisch Denkenden — von nationalistischem Dunst umnebelt waren, da brütete das Hirn Luxemburgs den großen Oedanken vom Wiederaufbau der Internationale. Und sie gingen beide in das Volk — in das arbeitende Volk. Durch die Denkerkraft ihrer Gehirne versuchten sie, die Gehirne der Arbeiterschaft zu erhellen; durch die Glaubenskraft ihrer Herzen versuchten sie die Herzen der Ausgebeuteten und Unterdrückten zu begeistern. Als wahre Propheten der Zukunft beugten sie s'ch nicht unter das Joch der geistigen Sklaverei und wurden zum reinen Gewissen der arbeitenden Menschheit. Sie haben sich nicht im blinden Fatalismus den auf die Menschheit hinstürzenden Ereignissen ergeben, sie dachten aber auch nicht daran, sich einzeln dem wahnsinnigen Geschehen entgegenzustellen. Als wahre Volkspropheten wußten sie nur allzu gut, daß nur durch das Volk und ni i t ihm der Weg ins Freie zu finden ist. So gingen sie denn in das arbeitende und schaffende Volk. Nicht rat- und tatlos standen sie dem tragischen Zusammenbruch der Internationale gegenüber.-Bis in die tiefste Seele erschüttert, bewahrten sie dennoch soviel und so klare Denkkraft, um zu erkennen, woran die Internationale zugrundegegangen war lind wodurch sie wieder aufgebaut werden kann. Als wahre Internationalisten wußten sie, daß „das Proletariat eines jeden Landes zunächst mit seiner eigenen Bourgeoisie fertig werden muß". Und so riefen sie das deutsche Proletariat zur Revolution auf. Und weil sie dies taten, wurden sie gekreuzigt. Und wie alle Qroßen der Menschheit wurden auch sie von den -Eigenen" verraten und dadurch geheiligt. Die Heiligen der Revolution! Wie ehrt nun die internationale Arbeiterschaft ihre Heiligen? Einzig und allein durch die revolutio-- ,näre Tat. ^Ni^ bloß, indem man sie im Herzen einschreint, sondern indem man sich die Erkenntnis der großen Toten, den wahren Glauben dieser Unsterblichen zu eigen macht und indem man ihr heiliges Werk durch eigene Tat fortsetzt Nur so kann man Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs gedenken. Nur so kann das internationale Proletariat seine geheiligten Internationalisten ehren. Indem es selbst international fühlt, international denkt und international handelt. Die Heil igen der Revolution. Nicht im entweihten, durch ketzerhaften Kultus degradierten Sinne dieses Wortes, nein, wer so gelebt, wie Luxemburg und Liebknecht und so durch Verrat der eigenen Mitkämpfer gefällt, wie sie beide, der ist für die Zukunft der ganzen Menschheit geheiligt. Aber schon drängen sich die Verräter von gestern an die Geister der großen Toten heran. Nicht genug, daß die Märtyrer selbst durch sie verraten wurden, wollen sie nun das große Erbe unserer großen Führer schänden und verraten. Schon erheben gar viele, die gestern das Tun und Wollen Liebknechts und Luxemburgs gegeißelt, bekämpft und sie dadurch gemeuchelt haben, laut und frech Anspruch auf das geistige Erbe der Verratenen. Sie wollen sich zwischen die Geheiligten der Revolution und die Revolution selbst stellen; das Licht, unserer Sonne, wollen sie uns alle stehlen; von dem Ursprung unseres Denkens und Glaubens uns abdrängen. Zuerst haben sie uns das Herz und das* Hirn der Revolution vernichtet, nun wollen sie ihre schwarzen Schatten über den Geist Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts ausbreiten. Umso fester, umso geschlossener muß sich die internationale Arbeiterschaft um die strahlenden Geister ihrer beiden geheiligten Märtyrer scharen und darauf achten, daß ja kein Unberufener sich in die Gemeinde der wiedererstandenen Internationale hineinschleicht. Das Erbe Liebknechts und Luxemburgs kann nur von denen angetreten werden, die mit ihnen gefühlt, mit ihnen gekämpft haben und mit ihnen zu sterben bereit waren. Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht sind nicht mehr. Ihre Namen sind lebendige Symbole ihrer Taten. Ihre Taten Wahrzeichen der neuen kommunistischen Menschheit. Diese Heiligen der Revolution darf nur die Revolution selbst ehren. Nicht als Tote, sondern als lebendige Träger der immer von neuem auferstehenden internationalen Revolution. in AM wollten sie die vor einem Jahre gemeuchelten Liebknecht und Luxe ml bürg durch1 or, ganisierten Morel an ihren Jüngern ehren. Und der jünger sind nun Tausende . . . Als wollten sie aller Welt anschaulich kundtun, daß während die breiten Massen der Arbeiterschaft immer entschlossener, die Wege Luxe m bur g s1 und Lieb kneiohlts bestehreiten, sie die Henker und Verräter der Revolution, immer entschiedener die Wege der preussislchen Junker wandeln. ■ E b e r t der deutliche Fürs* von der Kapitalisten Gnaden, Webt gleich dem' slpanislchen König, bei der. ersten Regung der Arbeiterschaft die Verfassung! auf. Und Noslke der „Bluthund'' der deutschen R^ volittion, bedient sfiicW des ihn* übertragenen D'iktätorenretihites! bestialischer ah irgend ein Pl'hewe oder Linsiingen. Sie gaben slt'ets! vor, den B ü r g e r k r i e g vermeiden zu Wolfen. In Wahrheit organisierten |s|e den B r u, d e r k r i e g. WkM isftf es; ihnen vorl!|ujig| gelungen, „den Kl'as&en'kTieg ,•. — -■ d&n^v.' K&rJÄ •~<te~^Ä leuf?"" stehen Ausbeuter — irrt Keime zu ersticken; an d!esisen Stelle setzten sie aber den Krieg, zwischen Arbeiter im' Arbeit'slrock1 und Arbeiter im1 Waffenrod^. Und wann intimer die Arbeiterschaft den Weg des! Klassenkampfes1 beschreiten will, stellen sie ihr Maschinengewehre entgegen und zwingen sie zumi Bruderkrieg.! Ebert, Nos'ke und Ernst. Drei „Sozialdemokraten" sichreßen auf die gestern noch in der So* zial'demok'ratie organisiert gewesenen Arbeiter, weil1... ja weil' diesie ihr einziges: Heil im; Klassen-i kämpf erkannten. Dieslmal waren es nicht Angriffe auf die „Freiheit" der bürgerlichen Presse, die zu verteidigen der. „Arbeiter" Noslke sich berufen fühlte. O, nein! In friedlicher Demönsltration wollten die Arbeiter ge-< gen die ökonomische Versklavung durch das fam;os,'e Betriebsrätegesetz protestieren. Sie wollten der Machit der Bourgeoisie ihre eigene Macht entgegens/t eilen; sie wollten den übermtütig|en Junkern' und Indusltrierittern in der Nationalversammlung! den unzweideutigen Willen der Arbeiterschaft kundtun. Da traten die „sozialdemokratischen" Häupter der Regierung, vor und stellten sich zwischen dasl bürgerliche Parlament und zwischen die um! ihr Recht kämpfenden Arbeiter. Sie/ sttell'ten sich! offen auf Seite der Junker und Blut — Arbeiterbfut — bedeckte die Straßen Berl'insL Vor einem' Jahre noch', da flüchteten diese edl'en Herren der Nationalversämimlung vor dem proletarischen Zorn nach Weimar. Dort verrichteten sie ihr „gutes" Werk, dort schufen sie die Verfassung, die ein Ebert willkürlich1 aufheben kann, dort krönten sie diesen edelsten alter deutschen Fürsten» Und heute, ein Jahr später, ernten sie die gesäten Früchte. Heute können diesie Helden unter dem! Schutz desi Ebert und seiner Henkersknechte dem] proletarischen Willen offen trotzen; heute tagen diesie Volksvertreter in Berlin und lassen dasi Volk! durch Maschinengewehre auseinanderjagen, heute zwingen sie das Berliner Volk', Vor den* sie vor einem Jahre nach Weimar geflohen sünd, zur Flüchjtv Ordnung herrscht wieder in Berlin. Ebert, Nosike und Ernst sind ihre Hüter und Be^hi'vtzer. Unwillkürlich erinnert man sieh an die Worte Liebknechtsl und Luxemburg^, die sie vor einem1 Jahre sprachen. < „Jubelt, ihr Schergen! Euere Ordnung ist auf Sand gebaut!" \ i Eine „Ordnung", die auf Ausbeutung und Genosse*» und Genossinnen! Leset und verbreite« die ..Freie Tribüne11.

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