Mannheim
Compact Memory

Freie Tribüne · 1919-11-15 · 42-43 (15.11.1919) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freie Tribüne
Volume
1 (1919)
Issue
42-43 (15.11.1919)
Date
1919-11-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2827798-2827856-2827891--175-2828210
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

&£ZO£-eT^P<t e C*. L Er FZ* Z.A^VO£ /Q» -V £ f=LE= /^V/Q r Bi^jCHf/ ||mimMlHnilll!llMlill|MMllMM»»ftMl»MMII«HII||MrMMIIIt!||fllMll» IIIIII 1< I Uli Mi M |UI III HMl»M MIM IHUI HM M M M l M' in II 111. i »I Hilf l |III(IM(M I II ÜMMI M Ii MIHMU» 1. n . m WM4 FREIE TRIBUN! Organ der jüdischen sozialistischen Arbeiterpartei Poale Zion in Deutschosterreich. REDAKTION und VERWALTUNG; Wien, 1!., Glockengasse Nr. 6, Tür 17. Bezugspreis samt Zustellung: Ganzjährig K 15.— .... Halbjährig K 7.50 ... . Vierteljährig K 3.80 .... Doppetanmmer 60 Heller Erscheint jeden Samstag. L Jahrgang Wien, 15. November 1919 Nr. 42-43 Re v olutionsfeier. Die permanente, proletarische Revolution. Zwei Jahre lang dauert diese größte aller gesellschaftlichen Umwälzungen. Zwei Jahre und noch immer kein Ende. Nicht einmal eine begründete Hoffnung auf ein nahes Ende. Staunend fragen die großen und kleinen Zweif. ier: „Soll das die vielgepriesene, völkerbefreiende Revolution sein?'' Und überfegen antworten die „'Besten" und;uWisfeenden": „Nein, das ist keine proletarische Revolution*, das ist . . . Bürgerkrieg/' Es ist geradezu charakteristisch für den weitaus größten Teil der westeuropäischen Theoretiker und Praktiker des Sozialismus, daß sie, je rascher die gesellschaftliche Entwicklung sich der sozialen 'Revolution nähert, desto weiter von der Urquelle derselben vom Gedanken der permanenten Revolution, defe offenen Bürgerkrieges! sich entfernen! Was Wunder, daß siie, die Apostel des Sozailismüsl, ihren Großmeister verleugnen müssen. Hatte Marx seine Aufgabe darin gesehen, der Arbeit ei-schaft klar zum! Bewußtstem zu bringen, daß erstens;: Revolution nichts anderes sei, als der zum offenen Bürgerkrieg entwickelte'und gest e ige rt e K l'as'se nk anipf und zweitens: daß esJ Wesen der proletarischen Revolution sei, di epe.n zum! u n v e r h ü 11 - * t-e.fi** B ür,g e -rk>r4 eg••##^;ei,#e'r-t^err~K! ais^-n^^ kämpf solange perrri'änent zu erhalten, bis das! Proletariat den endgültigen Sieg davongetragen und seine Diktatur errichtet hat, so glauben die ,„Erben Märxischen Wissens" jedes' Mittel — auch' dasjenige des Burgfriedens' und desi . . . Bürgerkrieges' — anwenden zu dürfen, damit der permanente, jedoch meistens, verhüllte Klassenkämpf nicht zum offenen blassenkrieg gesteigert werde, und wenn dies ohne oder gegen ihren iWitflen und [Wirken geschieht, dann trachten sie, den zur Revolution gesteigerten Bürgerkrieg um jeden Preis — auch um denjenigen des* Klassenfriedens und denjenigen des Bruderkrieges — abzubrechen und zu liquidieren. Also verleugnen sie sich1 selbst. Was Wunder, wenn sie alle, Rechte und „Linke" '— besondersi die Letzten — Hassende und „Liebende" — ganz besonders die " Liebenden — Feinde und „Freunde" — die Freunde am» meisten — vor der größten aller befreienden , Taten des rußländi^chen Proletariats ratlos dastehen und fragen: „Ist dies die proletarische Revolution?" Und gerade darin liegt die erlösende Kraft der rußländischen November-Sevolution, daß sie unter Führung der zielbewußten Bolschewiki in aufopferndster Selbsterkenntnis den Weg gezeigt hat, der allein gangbar ist, wenn man den Sozialismus) von utopischer Idee zur greifbaren Wirklichkeit machen will. Proletarische Revolution, das> ist der zum1 offenen Bürgerkrieg gesteigerte Klassenkampf. Proletarischer Klassienkrieg, das ist die Revolution in Permanenz. Solange bis die Klassenherrschaft des Proletariats errichtet und gesichert ist. Dann und nur dann ist der Weg /zum Sozi alisimu«. frei. Diese Erkenntnis in die Tat umgesetzt zu haben, ist die gesemertliche Bedeutung des 7. November 1917, des Tages der großen rußländisdien, proletarischen Revolution. Und damit unsere vaterlandsiverteidigenden Pazifisten und burgfriedlichen Sozialisten nicht vor dem'grausamsten aller Worte, vor dem Bürgerkrieg, erschrecken, sei ihnen gleich1 hier gesagt: Wenn wir vorn Bürgerkrieg sprechen, so wollen wir damit nacht Marxischer Geslohidhltsauffassung bloß eine *Mst£>ris£hW.No^ wußtsein der Proletarier aller Länder und Völker verankern, und zwar zu dem Zwecke; damit die Arbeiterschaft, der ganzen Welt zu dem' unvermeidlichen Bürgerkriege geistig urtd plrysisch gerüstet und dadurch im: Stande sei, diese geschichtliche Notwendigkeit unter mißlichst kleinen Opfern, unter möglichster Vermeidung von Blutvergießen und insbesondere von Brudermord zu verwirklichen. -Dies der Sinn und die Bedeutung allesi bolschewVstis'chen Tun und Lassens. Dies1 die neue, die Menschheit befreiende Sittlichkeit des sozialistischen Klassenkampfes'. Diel» die große Wahrheit der proletarischen Revolution. Ist dies wirklich die proletarische Revolution? Es kämpfen doch Proletarier gegen Proletarier? Piesen tragischesten Moment des proletarischen Emanzipationskämpfes, können wir nur an der Hand der geschichtlichen Tatsachen erkennen, verstehen und in Zukunft vermeiden. Zwei Jahre schon lebt und kämpft die Sowjetrepublik. Zwei Jahre schön müssen alle - Freund und Feind — daran glauben. Zwei Jahre schon trotzt diese proletarische Burg der großen Welt von Feinden und der kleinen Welt von „Freunden". Und sie lebt und kämpft. > _ Der Sozialismus ist gegenwärtig nicht mehr nur eine Losung, für welche die Arbeiterklasse unter I der bürgerlichen Ordnung zu kämpfen hat, eine Losung, in deren Namen das Proletariat seine Organisation aufbaute, in deren Licht es seine zur Tagesordnung gehörigen Aufgaben beleuchtete^ der Sozialismus« ist nun ein praktisch £ e a t i - sierbaresi gesellschaftliches System. Wenn einmal die Diktatur des Proletariats proklamiert ist, M eine Veränderung der gesamten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ordnung auf neuer Grundlage - von unten bis nach oben - unvermeidlich. Darüber haben alle geschrieben, die jemals die Theorie des wissen schaftlichen Sozia- ^Hsmus behandelt haben. Die Enteignung der Enteigner, die Organisation der Produktion des Austausches1, der Verteilung und überhaupt des ganzen komplizierten Systems der wirtschaftlichem Verwaltung auf neuer sozialistischer Grundlage, - alles aas ist die logische Folge der sozialen^ Umwälzung. Das beobachten wir überall, wo die Macht in die Hände der Arbeiter übergeht. in Rußland, in Ungarn, in den Teilen Deutschlands, wo die Macht des) Proletariats' verwirklicht wurde, in ällen Erscheinungen der Arbeiterbewegung anderer Länder, haben wir ein gemeinsames System beobachtet, dast mit bemerkenswerter Einmütigkeit durchgeführt wird, die davon zeugt, daß das, waa vorgeht, nicht eine Aeußerun^f zufälliger Umstände M, sondern das Resultat einer tiefgehenden Gesetztaäßigkeit' der gesellschaftlichen Entwicklung. 1 Nun, wie wäre es, wenn wenigstens die eine Welt von „Freunden" nicht gegen den Freund gekämpft hätte? Wie wäre es, wenn die Erkenntnis der historischen Notwendigkeit des offenen Bürgerkrieges schon vor zwei Jahren die Köpfe alter Arbeite rfreunde, aller sozialistischen Parteien Rußland» und Europas erleuchtet hätte? Dann wäre wohl nicht der Bürgerkrieg — der Kampf zwischen Arbeiter und Ausbeuter — aber der Bruderkrieg — ,der Kampf zwischen Arbeiter und Arbeiter vermieden! worden. Dann wäre aber auch der Bürger-Arbeiter so stark und mächtig, daß es der Bürger-Ausbeuter nicht ohne weiteres gewagt hätte, derart offenen, und schon gewiß nicht vermocht hätte, derart dauernden Widerstand zu leisten. Diese Erkenntnis1 sollte uns der Tagder proletarischen Revolütionsifeier vermitteln. iKrieg zwischen Arbeit und Kapital. Bis1 zum; Siege der Arbeit. Frieden für und unter allen Arbeitenden und Schaffenden. Heute und immerdar. Das lehren uns1 die zwei Jahre proletarischer Diktatur. .„^ Aber; proletarische Revolution istf^nur mogfiefh, , wenn sie gleichzeitig in ' allen Ländern, zumindest aber in denjenigen des hochentwickelten Kapitalist mus verwirklicht wird. Sehr richtig! . . »; Deswegen war jpiiclh das ruß ländische Proletariat, waren sich die Bolisichewiki vom' Anfang an darüber im) Klären, daß nur die Weltrevolütion den Bestand und die Weiterentwicklung der proletarischen (Diktatur und die Verwirklidhung des Sozialismus in Rußland ermöglichen wird. (Deswegen riefen Millionen rußländischer Pro, •Ietarier am1 7. November 1917 nach der Weltrevplu-t tion, nach der revolutionären Erhebung der Proletarier aller Länder. Zwei Jahre läng warten die rußländischen Brüder auf die Weltrevolütion, Zwei Jahre läng leiden, kämpfen und sterben sie für die Befreiung der Arbeit. Die fielen, fielen für den Sozialismus. Möge nun diese Erkenntnis die Arbeiterbewegung der ganzen Welt befruchten" und in ihr den klassenbewußten Entschluß, reifen: Die am 7. November 1917 begonnene Weltrevolution zum siegreichen Ende zu ruhten — zur sozialistischen Weltordnung. Eine solche Lage verändert wesentjtich1 den Aufbau des Programms. In allen Programmen der sozialistischen Parteien beobachten wir vor der sozialistischen Um1 wätzung eine bestimmte Teilung in ein Maximal- und ein Minimal-Programmi. Das Maximum) ist der Sozialismus, dem die gesellschaftliche Entwicklung, zustrebt, es' ist das, wofür man kämpfen* was man erreichen muß. Das Minimum ist dasJ, was1 im' Interesse des Kampfes' für das Endziel notwendig ist, in den Grenzen der bürgerlichen Ordnung zu verwirkliehen. Das Miuimal-Programmi hatte einen relativen Wert, seine Bedeutung wurde durch! die besten Vorbedingungen zum Katmpf für den Sozialismus) bestimmt!. Jedoch hat in der bürgerlichen Gesellschaft ein Teil der Sozialisten (und in einigen Ländern ein sehr bedeutender Teil) die revolutionäre Bedeutung und das Wesen des sozialistischen Programmen (das ArhtlUlflT flAlaftfiAV*|jl | Die Schlußsitzung der Parteiberatung «ftVllllUIlC J Wlv&IVl :|tV ■ ^!Ei""iuSn?1Stag^den l5\,d\f?-' Pünkt,ich Lühr nachm., im Lokal des Jüdischen ArbeiterblldungsVereines, 11, Blumauergasse Nr. 1.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.