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Freie Tribüne · 1919-10-25 · 40 (25.10.1919) · page 1

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Journal
Freie Tribüne
Volume
1 (1919)
Issue
40 (25.10.1919)
Date
1919-10-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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A b ä n d e r u n g e n und E r g ä n z u n g e n zum O r g a n i s a t i o n s s t a t u t. 5. Allerlei. Wahlordnung: 1. Wahlberechtigt ist jeder Parteigenosse, der am 1. Oktober in der Partei organisiert war. (Ausgenommen sind diejenigen, die am " Wahltage noch zu den Sympathikern zählen.) 2. 'Gewählt wird nach* Wählerlisten in geschlossenen Organisations-, bzw. Berufs'ver» Sammlungen durch geheime Stimmenabgabe. 3. Die Wahl erfolgt durch gebundene Listen nach dem1 Proporz System. 4. Die gesamte Parteimitgliedschaft bildet einen Wahlkreis;. 5'. Die- Zahl der Delegierten wird nacsW der - Zahl der wahlberechtigten Mitglieder bestimmt. 6. Auf je zwanzig Wahlberechtigte entfällt ein Delegierter. Eine Ueberzahl von elf gilt ais; mändatberedhtigt. DieBezirks'organisätionen werden aufgefordert, 'die Fragen der Tagesordnung auf den Mitgliederversammlungen zur Diskussion zu stellen und die Vorarbeiten für die Durchführung der Wahlen in Angriff zu nehmen. Anträge zur Tauesordnung sowie Korreferate sind raschest anzumelden. Unsere Bruderparteien im benachbarten Ausland werden hiermit eingeladen, an unseren Beratungen durefh Entsendung von Delegierten teilzunehmen. Die Parteileitung. Heil Sowjetriißland! „Rettet die Menschheit, indem ihr die m ss is chevWahnteel1 rettet!u Also ruft Henri Barbusse. So laut, so .vernehmlich und so eindringlich, daß es niemand überhören kann. Am allerwenigsten diejenigen, in deren Namen er spricht, — die französische Arbeiterschaft und mit ihr die Arbeiterschaft der ganzen Welt. In der Oewissenssprache eines Propheten ruft Henri Barbusse die gesamte Menschheit zu Gericht über die Allgewaltigen Europas und Amerikas, die „mit dem Gel de und dem Blute ihrer noch geknechteten Völker dieses antisozial e Ve rb re che n begonnen haben". Und die Me n s c h h e i t schweigt. Denn diese Menschheit, die absolute, einheitliche Menschheit, die der Prophet anruft, existiert überhaupt noch nicht. Diese höchste Menschheit zu schaffen, hat Sowjetrußland sich zur heiligsten, Aufgabe gestellt. Und gerade ^deswegen wollen es die Allgewaltigsten der heute nochzerklüfteten, in Fehde und Krieg schmachtenden Menschheit vernichten. Die gesamte Mord und Verderhen zeugende Unmenschlichkeit des Kapitals gammelt alle finsteren ^Mächte des . Krieges, um die aufsteigende Sonne der ''arbeitenden Menschheit in ihrem eigenen Blute zum Untergang zu bringen. Die Menschheit der Arbeit jedoch, wo b 1 ei bt die? Henri Barbusse ruft: „W i r b e s chul i gen die internationale Vereinigung der Imperialisten, Militaristen und Kapitalisten, auf schmachvolle Art durch die käufliche Stimme dergroßen Presse eine restlos sozialistische Konstitution als eine Herrschaft der Willkür und Unordnung hingestellt zu haben", und schließt: „Es sind also die Diktatoren von England und Frankreich, welche damals und auch später zu Verrätern an der Sache der Völker und des Friedens wurden, welche den Krieg verlängerten, die Volksheere ausbluten ließen, welche die russische Revolution mit Blut befleckten, weil sie durch ihre beständige Hilfe für die Gegenrevolutionäre, durch eine systematische Organisation von Hinrichtungen, von Aushungerung und Ruin Rußland in eine Reihe von Katastrophen trieben, um dann dieses Unheil als eine Folge der Sowjetherrschaft hinzustellen!4 Und die Internationale der Arbeitenden schweigt. Sie stellt sich nicht der Internationale der Parasiten entgegen und ruft ihr nicht ein mächtiges „Hände weg!" zu. Sie stellt den Henker-Legionen nicht Freiheits-Legionen entgegen! Wir fragen laut und vernehmlich: wo bleibt die proletarische Internationale? Wenn die englischen Eisenbahner streiken und die Unternehmer, von der Regierung unterstützt, fremde Kräfre mobilisieren, dann genügt ein einziger Hilferuf und die Transport-Arbeiter, Berg-Arbeiter eilen zur tatkräftigen Unterstützung. Wenn die deutschen Metall-Arbeiter um höhere, menschenwürdigere Löhne kämpfen, dann fühlen sich die Elektrizitäts- Arbeiter verpflichtet, ihnen in diesem Kampfe nicht bloß durch Sympathiekundgebung, sondern durch Arbeitsverweigerung beizustehen. Und siehe da, das gesamte rußländische Proletariat, das friedfertigste arbeitende Volk — gleichviel ob Bolschewik oder Menschewik, ob Internationalist oder Sozialrevolutionär — wird von den wilden Bestien des fremdländischen Imperialismus: Engländern, Amerikanern, Franzosen und Deutschen im eigenen Lande überfallen und kein einziger von den zur proletarischen Internationale sich zählenden großen Arbeiterverbänden fühlt sich verpflichtet, den mit wahrhaft sozialistischem Mut kämpfenden russischen Brüdern durch eigene Tatkraft beizustehen. Und es wäre doch so leicht. Einen einzigen Tag nur sollten die Proletarier Amerikas, Englands und Frankreichs streiken, dabei unzweideutig bekundend, daß sie solange zu streiken entschlossen seien, bis die imperialistischen Machthaber das friedliche Rußland in Ruhe lassen, und Sowjet-Rußland wäre gerettet Aber ist Sowjet-Rußland friedlich V Vor zwei Monaten hat die Sowjet-Armee, die Judenitsch vernichtend geschlagen, Pskow erobert hatte, daraufhin sofort den siegreichen Vormarsch eingestellt und allen Randvölkern Litauens, Lettlands, Estlands und Finnlands den Frieden auf Grund des unbeschränkten Selbstbestimmungsrechtes dieser Völker angeboten. Die englische Diplomatie verstand es, die Friedensverhandlungen zu verschleppen und eine neue Armee Judenitsch auszurüsten und gegen Petersburg loszulassen. Dieser Frevel geschah vor den Augen der gesammten proletarischen Menscheit und niemand stellte sich dem entgegen. Was sollen die zahlreichen Sympathiebeteuerungen? Was die flammenden Aufrufe Longuets und anderer Sozialisten? Eine Tat muß * gesetzt werden. Eine Tat, die bezeugen soll, daß die Internationale der Arbeit auch wirklich besteht und daß sie bereit und fähig ist, in dem Moment, da die Menschheit der Arbeitenden von der Unmenschlichkeit der Ausbeutenden bedroht wird, für die erste einzustehen. Die kleinen, jungen Arbeiterverbände, — die linken Parteien Schwedens, Dänemarks, Norwegens, die der dritten Internationale angeschlossen sind — sind dem Rufe Barbusse's gefolgt, sind auf die Straßen marschiert laut verkündend: wir stehen ein für die Menscheit — für Sowjet-Rußland. Nun ist die Reihe an den großen, Millionen Arbeitender zählenden Parteien Englands, Frankreichs und Amerikas. Sie müssen nun einmal — zum erstenmal — beweisen, daß sie der proletarischen Internationale angehören und für sie auch zu kämpfen bereit sind. Der populäre Ruf ist erschallt. Laut verkündet vor aller Welt Henri Barbusse: „Kameraden, Männer, Jünglinge, Frauen, Mütter künftiger Märtyrer, Soldaten, die ihr noch im Herzen den Fluch dieses Krieges trägt, Arbeiter und Intellektuelle, Franzosen, die ihr noch an unsere einstigen freiheitlichen Ideale glaubt, wisset, daß in Rußland Soldaten aller Nationen, Kinder una Frauen haufenweise sterben! Bleibet nicht länger gegenüber diesen Vorgängen in der stumpfen Unwissenheit, in der schrecklichen Verblendung des Egoismus, in der Untätigkeit und Schande. Weigert euch, den Despotismus und die Blutgier eurer Meister zu unterstützen. Rettet die Menschheit, indem ihr die russische Wahrheit rettet! Seid überzeugt, daß die künftigen Geschlechter die ehrlichsten Leute unserer Zeit darnach richten werden, wenn sie sich in diesem Augenblick erheben, um zu rufen: Nein! ..." Proletarische Brüder Englands, Frankreichs und Amerikas! Aus dem Munde Eures Edelsten habt Ihr nun vernommen, daß es die teuflische Absicht der Bourgeoisien Eurer Länder ist, mit dem Mehrwert Eurer Hände Arbeit, ja mit Eurem Blute die aus dem Osten kommende Weltrevolution — die Befreiung der arbeitenden Menschheit —- zu ersticken. Erhebet Euch nun und bekundet durch eine proletarische Tat, daß die Arbeiter-Internationale mächtiger ist, als diejenige des blutgierigen Kapitals! Kämpfet für Räterußland! Rettet den Sozialismus — die Arbeiterfreiheit Rettet d i e,M ens c h h e it! Die Revolution in einer Sackgasse. Der Friede nach aussen hin ist. ratifiziert. 1 Im Innern ist die große Schlacht „Reichspost*- „Arbeiterzeitung" mit sichtbaren Opfern auf Seite der Arbeiterschaft geschlagen. Nur noch Nachhutgeplänkel .itören den soeben unterfertigten Waffenstillstand. Waffenstillstand zwischen Sozialdemokraten und Christlichsozialen. Zwischen Arbeit und K apita l. Denn es ist Verdunkelung des Klassenbewußtseins, zu behaupten, die Koalition sei ein Übereinkommen zwischen Arbeiter und Bauern, per,Bauer weiß und wilLvon einem Uebereinkommen,.aüs .qjem auch für ihn irgend eine Pflicht erwächst, nichts wissen. Kein anderer als der .unvoreingenommene Staatssekretär für Volksernährung hat es kl;pp und klar herausgesagt. Und die „Arbeiterzeitung" vv^ßb seit jeher — 'besonders während der Wahlen in die Nationalversammlung — daß die Christlich-Sozialen keine Volkspartei, sondern eine Klassenpartei der Bourgeoisie sind. Und mit dieser Klassenpartei ist nun /Waffenstillstand geschlossen. Waffenstillstand zwischen Arbeit und Kapital. Gibt's etwas Widernatürlicheies, etwas Unfaßbareres? Als ob man dem gesetzlichen Lauf der menschlicnen Geschichte Einhalt.gebjeten könnte. Wie ein Hohn über die Schicksalslenker Jjelrjier einander gegenüberstehenden Klassen muß es anmuten, daß just an dem Tage, an dem die Waffenstillstandsbedingungen von beiden Parteien b e,d i nyg u ngs- 1 os unterschrieben,wyrden, ,die Cnrj[s$ch-Sozialen — gleich dem Liliputkönig Nikita, den Krieg aus den schwerstan Geschützen des Rathauses wieder eröffneten. Es ist eben Klassenkrieg. Und der ist nicht einmal durch verbriefte KoalitionsverembaruBgen zu bannen. Waffenstillstand zwischen Arbeit und Kapital. Beiderseits durch Unterschrift und Siegel verbriefter Waffenstillstand. Wahrlich, dieser mit dem Blute der Arbeiterschaft gefertigte, die Arbeiterschaft der kapitalistischen Hölle überliefernde Pakt steht einzigartig und bei- Genossen und Genossinnen! Leset und verbreitet die „Freie Tribüne".

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