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Freie Tribüne · 1919-10-04 · 37 (4.10.1919) · page 4

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Journal
Freie Tribüne
Volume
1 (1919)
Issue
37 (4.10.1919)
Date
1919-10-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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St -*e 4 Nr. 37 Ueber die Folgen der Urabstimmung schreibt Genosse Hutnbert-Droz: „Dieser Sieg der Rechten wird* über kurz oder lang ei*e Spaltung der Partei hervorrufen. Auf der ein0" Seite die Reformisten; auf der anderen die Revolutionäre. Oh! Die Reformisten haben nicht den Mut, sich als solche zu bekennen. Sic wehren sich energisch dagegen, daß sie Reformisten sind, da sie 'die Sozialisicrung wollen. Sie scheinen den Kampf zwischen Revolutionär«! und Reformisten in der H. Internationale nicht zu kennen. Diese beiden Richtungen waren sich niemals über das Ziel: die Vergesellschaftung der Produktionsmittel, die kommunistische Gesellschaft, uneinig. Die Reformisten und Revolutionäre waren uneinig über die Frage der Tak^<, über die Mittel, und die demokratische Richtung ist wohl oder übel die reformistische. Die Frage der Spaltung ist durch die Urabstimmung aufgerollt. Die Einheit ist 'eine Schwäche, sobald sie eine i m m e r wiä hrende moralische Scheidu n g und i n n e r.y K ä m p f c. die die Aktion lähmen, verdeck t.'* So nimmt auch in diesem Musterlande der Demokratie, dem Idol unserer Sozialdemokratie von Renner bis Hauer, die unvermeidliche Entwicklung ihren Weg, reißt die verkleisterten Gegensätze wieder auf und slellt allen Weichen und Halben, allen Nachläufern des Bürgertums und Mutlosen die Vertreter des entschlossenen Kampfes entgegen, Der Kreisarbeiterrat beschäftigte sich in seiner Sitzung vom 27. v*. fM. mit den Richtlinien für dk- Tätigkeit, der im Approvisionierungsdienste tätigen Arbeiterräte. In diesem Zusammenhange wurden auch einige politische Fragen besprochen. Friedrich Adler besprach die Hetze, die in der letzten Zeit von der bürgerlichen Presse gegen die Arbeiterräte betrieben wird, weil die A.-R. einzelne Uebcrgriffe begangen hätten. Die Fehler, die vorgekommen seien, sind aus der Jugend der Institution zu erklären, immerhin sind diese unverhältnismäßig (kleiner, als die der Bürokratie. Die A.-R. hätten die Aufgabe, die Bürokratie zu kontrollieren. Die Bürger- und Ständeräte könnten proportiouell in Ausschüssen vertreten sein. Das finanzielle Problem scii in der Weise gelöst, daß die A.-R.. welche in Kommissionen tätig sind, vom Staate entschädigt werden. Schließlich kommt Adler auf die Frage der Fremden- , ausweisuug zu sprechen und beuicrkt dazu: Die monarchistisch gesinnten Elemente haben die Methoden des zaristischen Systems übernommen, indem sie die Arbeiterklasse von ihrem Kampfe gegen den Kapitalismus auf die Austreibung der Fremden abzulenken suchen. Der Erlaß ist von der Landesregierung erlassen worden, um die Wohnungsnot zu bekämpfen und den Eisenbahnern Wohnungsmöglichkeit zu verschaffen. Das Ziel der Monarchisten ist aber nicht die Lösung der Wohnungsfrage, sondern die Schaffung einer Wohnungsmöglichkeit für einen Monarchen in Deutschösterreich. Die A.-'R. können als internationale Sozialisten nicht wünschen, daß es irgend jemandem so ergeht, wie jetzt ^Jen Eisenbahnern, deshalb verlangen sie, daß alle produktiv Arbeitenden auf ihrem Arbeitsplatze befassen werden. Gen. Klein erstattete hierauf den Bericht über die Richtlinien für die Tätigkeit der A.%R. im öffentlichen Kontrolldienste. In der Debatte sprachen sich alle Redner gegen die Zulassung-' der Bürgerräte?.u den Ausschüssen aus. Hierauf werden die Richtlinien und folgende Resolution über die politische Lage und Fremdenausweisung ain genommen: „Gewisse Konterrevolutionäre in Deutschösterreich geben sich dem Wahn hin, daß die Zeit für ein offensives Vor-, gehen der Reaktion günstig sei. Neben den alten Schwarzgelben christlichsozialen Couleurs, die für die schuld- und schmachbeladene Habsburger-jDynastie — allerdings nur indirekt — zu (wirken wagen, erdreisten sich dummfreche Alldeutsche für ein „starkes Kaisertum Deutschland4' zu agitieren, dem sie Deutschösterreich unterwerfen wollen. Als geeignete Methode konterrevoutionärer Propaganda möchten beide Richtungen die alten Methoden des russischen Zarismus verwenden, der durch das Aufgebot der „schwarzen Hunderte" stets versucht hat, den Kampf des Proletariats gegen Kapitalismus und Reaktion abzulenken auf die Bahn antisemitischer Pogrome. Die Fremdenausweisungsverfügung der niederösterreichischen Landesregierung^ die der Absicht entsprang, der entsetzlichen Wohnungsnot in Wien zu begegnen, wird von den monarchistischen Elementen als bequemer Vorwaud für ihre dunklen Machenschaften benützt. Sie wollen die Judenhetze organisieren, nicht weil ihnen die Wohnungsnot des Volkes am Herzen liegt, sondern weil sie hoffen^ auf diesem Wege wieder einem Monarchen Wohnungsgelegenheit in Wien zu verschaffen. * Der Kreisarbeiterrat verlaugt, daß die Ausweisuugsmaßregel gegen Schieber, Schleichhändler, Preistreiber und alle anderen parasitären Existenzen mit aller Energie unnachsichtlich gehandhabt werde, xuid bedauert nur, daß durch sie nicht auch die inländischen Wucherer dem gleichen Schicksal verfallen, er fordert aber, im Geiste der inter nationalen Solidarität, daß Arbeite^,, die nachweislich produktiv tätig sind — also nicht Schwindler, die sich erst nach Erlassung der Verordnung entschlossen haben, sich als „Arbeiter" auszugeben —, die iMöglichkeit erhalten, ihr Brot weiter an ihrem bisherigen Arbeitsplatz zu verdienen. Der Kreisarbeiterrat überläßt die Verantwortung für die Durchführung der Fremdenausweisungsverordnung jenen Behörden, die sie. ohne vorherige Fühlungnahme mit dem Arbeiterrat erlassen haben; er warnt aber die Reaktionäre aller Schattierungen vor dem Mißbrauch des Kampfes gegen das Wohnungselend für konterrevolutionäre Zwecke. Er erinnert die Monarchisten daran, daß die überwältigende Mehrheit der Wiener Bevölkerung der arbeitenden Klasse angehört, die sich die Herrschaft über die Straße nicht streitig machen lassen wird. Er warnt die Reaktionäre davor, den Bogen zu überspannen. Auch die Geduld der Wiener Arbeiter mit den deutschnaliorialen und christlichsozialen Konterrevolutionären hat ihre Grenze."' Aus der Bewegung. Die Fortsetzung der Verbaudsberatung in Stockholm. Das Verbandsbüro in Stockholm sendet uns folgendes Communique: Die Stockholmer Verbandsberatung, die Ende Juli, infolge der Abreise unserer Genossen nach Luzeru unterbrochen wurde, hat ihre Verhandlungen in der Zeil .vom 23. bis zum 30. August fortgesetzt. Es nahmen an ihr die Mitglieder des Verbandshüros: Chasan o witsch, Jarblum, Locker, Kaplans'k'.i und Revu t zky, die Vertreter der Partei in Polen: P i nkas und N i r, in Deutschland: Rubaschow und in Amerika: N. Syrkin teil. An den Bericht unserer Genossen, die an der Luzerner Konferenz teilgenommen hatten, schloß sich eine Diskussion an. In deren Verlauf, die auf der Tagesordnung des zukünftigen internationalen Kongresses in Genf stehenden Punkte, unter anderen auch die Frage der weiteren Taktik des V. B. bezüglich der jüdischen Sektion, . behandelt wurden. Zum Genfer Kongreß kann der Poale-Zion-Verband 8 Delegierte mit 4 Stimmen entsenden. Die Beratung hat nun beschlossen, daß ,die Parteien in Erez Israel» Amerika, Rußland, Ukraina und Polen, je einen Delegierten senden, während die übrigen drei Mandate,unter den Vertretungen der übrigen Landesparteien und dem Verbandsbüro selbst verteilt werden sollen.; Die Zusammensetzung, der nach Palästina zu entsendenden Arbeiterkommission wurde endgültig bestimmt, und zwar wurden die Genossen Chasaniowitsch', Nir, Oskar Köln, Rubaschow und Rcvutzki in Ausssicht genommen. Laut eines früheren Beschlusses können außerdem auch die einzelnen P.-iZ.-Parteien Vertreter in diese Kommission delegieren. Der frühere Beschluß, betreffend den jüd. Arbeiterweltkonkreß, wurde dahin ergänzt*, daß in der Zeit des Genfer Kongresses eine Vorberatung der Vertreter aller Richtungen der jüd. Arbeiterbewegung stattfinde. Weiters wurde die Reorganisation und Zentralisierung der Arbeit, für den P. A. F. beschlossen. Das Verbandsbüro übernimmt die Funktionen der Zentralverwaltung bis zur Wel'tkonferenz.. Die Beratung hat ferner dem Verbände nahegelegt, ein Sammelbuch über die Fragen des zukünftigen internationalen Kongresses und der P. Z. Weltkonfercnz herauszugeben. Die Vorbereitungen zu diesem Buche sind bereits getroffen. ' Dieses Buch wird Auseinandersetzungen über die II. und III. Internationale, Demokratie und Diktatur im Rahmen des jüdischen Lebens, Theorie und Praxis der nationalen Autonomie. Probleme der Palästinaarbeit, des zionistischen Weltkongresses'lind des jüd. Weltkongresses, der Sprachenfrage u. a. enthalten. In Fragen, bei denen Meinungsver-, schiedenheiten innerhalb der Bewegung vorhanden sind, werden Vertreter der entgegengesetzten .Richtungen zu Worte kommen. Die Weltkonferenz wurde für den 10. Jänner 1920 anberaumt. Den Örr bestimmt das' P. B. Eine Reihe organisatorischer Fragen wurde besprochen. Die Behandlung der Probleme der Palästina-!Arbeit, der Instruktionen für die nach Palästina zu entsendende Arbeiterkommission, der Frage des zionistischen Kongresses und des Weltkongresses, ist bis zur Ankunft der palästinensischen Delegation (A. Blunumfeld, B. Katznelsohn(, W. Schochat), aufgeschoben worden. Diese, wie auch die Delegation aus England, werden in den nächsten Tagen erwartet. Daraus ist ersichtlich, daß die in der Presse erschienenen Nachrichten, denen zufolge die Frage des Verhältnisses! zur zionistischen Organisation auf der Beratung bereits behandelt und diesbezügliche Beschlüsse gefaßt worden wären, jeder Grundlage entbehren. Ukraina. Zur Zeit der Hetman-Hcrrschaft mußten wir unsere Paitciaibeit auf illegalen Boden verlegen. In vielen Orten nahmen unsere Organisationen regen Anteil an der Organisierung der Aufstände gegen den Hetman und die deutschen Befreier". Wir gründeten die Palästina-Arbeiter-Gesellschaft, welche um 250.000 Rubel Palästina^Arbeiterfonds-Marken herausgegeben hatte, die unter der jüdischen Arbeiterschaft großen Anklang fanden. Als im November 1917 der Petlitira-Aufstand gegen den Hetman losbrach, war dies eine revolutionärsozialistischc Bewegung, die sogar von den Kommunisten unterstützt wurde. Von den jüdischen sozialistischen Parteien, waren wir die einzigen, die sich aktiv an der Revolution beteiligten. Dje ^Vereinigten" taten dies nicht, weil sie an dem Erfolg der Bewegung zweifelten, die Bundisten, weil das Programm des Direktoriums für sie zu „links" orientiert war, wie d^ Biuv distenführer Litwak und Rafes im Dezember 1918 auf einer Konferenz aller jüdischen, soz. Parteien im Borochow-KIuh erklärten. Die Poale-Zion unterstützten die ukrainische Revolution, solange sie eine fortschrittliche und sozialistische war. Aber als sie dann von Tag zu Tag mehr unter den Einfluß des Militärs mit Konovvalow an der Spitze geriet, und sich der antibolschewistischen Koalition anschloß, haben * wir unseren Vertreter ans dem Ministerium — den Genossen Rewutzki — abberufen. Dazu veranlagten uns auch die Judenpogrome, gegen welche die Regierung* nicht ankämpfen konnte, weil es die Militärpartei nicht erlaubte. Ende Jänner 1919 hatten wir in Kiew eine Vorkonferenz,, auf der beschlossen wurde, für den 15. März eine ukraininische Landeskonferenz einzuberufen. Auf dieser standen sich die zwei Richtungen in der Partei — Sozialdemokraten und Kommunisten— gegenüber. Die Annahme einer sozialdem. Resolution mit 38 gegen 21 Stimmen führte zur Spaltung der Partei. Die P.JZ.-Kommunisten errichteten e^n eigenes. Zentralbüro und ihr Organ, „Der kommunistische Gedanke" führte einen scharfen Kampf gegen den rechten Flügel der Partei. Die Genossen beider Richtungen Groß-jRuX^ lands versuchten den Streit zu schlichten. Auf einer ge~, meinsamen Konferenz in Minsk kam es dann zu einer Einigoing, die aber vom1 Plentnn der P.^Z.-Kommunisten verworfen wurde. Auf einer in Hornel abgehaltenen Konferenz beschlossen die P.«fZ.-Kommunisten eine selbständige Partei zu gründen — falls der am 31. August in Moskau stattfindende Parteitag ihre Resolution nicht annehmen sollte.. Die Streitigkeiten verhinderten jede gedeihliche Arbeit, trotzdem ist es dem ExekutiV-|Komitec gelungen, die Partei zu mobilisieren und der roten Armee einige tausend Krim-, pfer zuzuführen. Das Exekutiv-Komitee hat die Herausgabe zweier Zeitschriften — in russ. und jüdischer Sprache — in Angriiff genommen. Erstere — unter dem' Namen „Proletarski Mysl" (Prolet. Gedanke), hat schon zu erscheinen begonnen; ferner hat es auch beschlossen, äri der Palästina-Arbeit in Palästina selbst regen Anteil zu nehmen und zu diesem' Zwecke 6 Genossen hinzuschicken. Parteikonferenz in Berlin. Zu unserer Atittciluug über die am 5. und; 6. Oktober s,a tfindende Parteikonferenz in Berlin (,,Fr. Trib." Nr. 36) tragen \vi,r die Tagesordnung derselben nach; 1. Eröffnung, Wahl des Präsidiums. 2. Programm und Konstituierung der Partei — Rubaschowi. 3. Bericht des Sekretariates — Feder'. 4., Bericht der Stockholmer Beratung — Rubaschow oder Rewutzky. 5. Unsere Er.ez Israel- Arbeit — Dr. Syrkin. 6. Unsere Aufgaben in Deutschland — Schottländer,. 7. Organisation und. Finanzen ,~ Berger. S. Presse — Lifschitz. 9. Wahlen, des Zeinrai komitees. 10. Verschiedenes'. ,11 oder III. Inter, nationale* Montag, 6. Oktober Bez.-Org. XX. yiddisch) Nagler XX. Wallensteinstraße 6-2 Dienstag, 7. Oktober Bez.-Org. IL (jiddisch) Alexander IL Cafe Stefanie Mittwoch, 8. Oktober Bez.-Org. I. (deutsch) Nagler ' l. Cafe* Adler Donnerstag, 9. Oktober ur „ D . . Bez.-0rg.XX. (jiddisch) Alexander „Was sol die P-u-t^- XX. Wallensteinstraße 62 beratung . „Was soll die Parce:- beratung"? „II. oder III. Intev. nationale" . Santsta°, n. Oktober Bez.-Org. ü. (jiddisch) II. Cafe Stefanie Michael Kohn ,,PalfistiDa und dir soziale Revolution1' Akademischer Verband jüdischer Sozialisten Poale-Zion,.. Samstag, den 11. Oktober 1919. 3 Uhr nachm., findet im Lokale der jüdischen Arbei'terküche, II., Taborstraße 44 (Eingang Blumauerg. 1), die ordentliche G euer al versa (m m lung statt. Die Tagesordnung wird im Laufe dieser Woche veröffentlicht werden. Es werden alle Genossen, und Genossinnen ersucht, zuverlässig und pünktlich zu erscheinen. Die von der Bezirsorganisation „Innere Stadt" im'" Kojn'ö^l'enhaus, Wien, IX, Nußdoffer* straße, veranstaltete Uraufführung von Jakob G o r d i n s „MfafMe Ef"•P»" findet Donnerstag, %n 23. Oktober 1919 statt. Karten an den Kassen des.Koraödienbauses, im Kartenbüro „Ajda," II., Taborstraße 5, im Parteilokal, II., Glockengasse 6/17 und im Lokal der jüd. Arbeiterküche, II., Blumauergassse 1. AUg. jOd. Arbeiterverein Poale Zlon, II., Stephaniestraße 2> Samstag, cen 18. Oktober 1919, findet eine AKADEMIE in den Reichshallen, I., Dorotheer^asse 4, unter Mitwirkung der bekannten Kunstler Ignatz Körner, Opernsänger, Joloyvitsch, Konzertsänger, Schwager und. arideren statt. Karten im Vorverkauf ä K 4.— sind zu haben: im Partei» Sekretariat, Glockengasse 6/17, in der Arbeiterküche, Blum au ergäbe und in der Buchhandlung R. Löwit, Rotenturmsttaße. Beginn präzise 6 Ühr abends. %ml\ Mimettkn Är S*r Itett! S?$*22L Herausgeber und verantwortlicher Redakteur Arnold Deutsch Druck Ton Joaef Hoyer, Wien, IX., Utchtenstetaitraße 3

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