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Freie Tribüne · 1919-09-20 · 35 (20.9.1919) · page 4

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Journal
Freie Tribüne
Volume
1 (1919)
Issue
35 (20.9.1919)
Date
1919-09-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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St:»e 4 Freie Tribüne Nr 35 verfc%t Ziele, die mit den unseren beinahe ident&dhl sind. Wir miiteteen zuerst die internationale Vereinigung der wirklich sozialtetisidh'en und der k'om'mtinisitisIdWeri Studenten fest organisieren und ein permanentes! Komitee schaffen, das das gute Arbeiten der Internationale sichert. Sobald dieses Komitee konstituiert sein wird, wird es den Komitees der zweiten und dritten Internationale, der styndikahstiSidWen Internationale, der Internationale der febzialistiSdhlen Jugendgruppen und der Internationale des Geistes' vorsdhllagen, an einen zu besftimfm'enden Ort! Delegierte zu entsenden, die ihrerseits! über die Gründung eines Zentralbureaus, das dauernd zusammenbleiben isbll, beschließen sollen. Die Reform und Internationalisierung der Gestö'hiithitswissensc'h'af t als einer Wissenschaft von der Geslell'sSdh'aff, Internationalisierung und völlige Unentgeltlich'keit alles: Schul- und HodhlsidWulunterrichlts1, Schaffung von dauernden .VoIksilhiodWs'chlulen, Volksltheat ern, .VofksibibliotWeken usiw. werden als beson. ders widhtige Programmfpunkte in dem Aufruf nocfhi ihervorgeh'oben. Probleme der sozialistischen Politik in Frankreich, Ende Oktober sollen in Frankreidhi die allgemeinen Neuwahlen zur Ka>mlmer stattfinden, und zwar naclhl einem VeiihlältnislwahiTredh't, das Koalitionen der bürgerlfcfhien Parteien gegen die Sozialisten begüms|ti^t. Zu diesten Wa'hllen wird die französische sioziazialsltisidhie Partei in einem außerordentlichen Kon-t greßl Stellung nehmen. Die Mehrheit bradhte hiezu einen Antrag ein, dem' wir folgendes! entnehmen: „Zur Erfüllung der ihm gestellten Aufgabe ruft der außerordentliche Kongreß alle Proletarier Frankreichs, Arbeiter und Bauern, zum Wahlkampf auf dem Boden des Klassenkampfes und für die Forderungen ihrer Rechte gegen die herrschende Oligarchie. . . . Niemals hat die Partei gegen die bürgerliche Gesellschaft, deren Abschaffung sie verfolgt, eine solche Anklage richten können, wie sie heute sie zu erheben die Pflicht hat. Sie erwartet weder von dieser noch von einer anderen Wahl den Sieg ihrer Sache, der nur das Ergebnis der Eroberung der ganzen, der Bourgeoisie entrissenen Macht sein kann, aber sie kann durch diese Wahlen der kapitalistischen Gesellschaft neue Schläge versetzen, allen Opfern der bürgerlichen Kriegsschmach und allen den vom Kriegsdienst befreiten und wieder zu Bürgern gewordenen Soldaten Gelegenheit geben, Protest zu erheben wegen ihrer Leiden, in dem sie ihre Stimme für die Partei der Revolution abgeben, sie kann anf den Geist der Landarbeiter hinwirken, die durch eine gehässige Propaganda gegen die städtischen Arbeiter aufgehetzt werden und den man gewinnen muß, um den Erfolg zu sichern, und vor allem kann sie der bürgerlichen Gesellschaft, die dem Bankrott und dem Ruin entgegenneigt, den Plan der sozialistischen und kommunistischen Gesellschaft entgegenstellen, die sich gründet auf die Verbrüderung von Menschen und Völkern und auf eine vernünftige Organisation der Arbeit, die nicht mehr Quelle des Profits für einzelne sein wird, sondern ein Mittel, die Bedürfnisse aller zu befriedigen. Die Partei weiß, daß sie durch die begrenzte aber fruchtbare Aktion auf dem Gebiete der Wahlen das revolutionäre Werk wirksam fortsetzen wird." Aujsi diesem' Antrag, der die gegenwärtige po- Htisldtte Lage in Frankreich! in bellem Liöht zeigt, geh}« "mW großer IDeutlcjhkeit IWervor, daß, auch die Genossen der französis'dhlen Mehrheit, der Notwendigkeit der revollutioniären Aktion des1 Proletariats sidh volIkjQm'mien bewußt sind. Die Radikalisierung der Arbeiterbewegung in Amerika. Die Radikalisierung der Arbeiterbewegung geht auch in Amerika schnellen Schrittes vorwärts. Im ganzen Lande, finden Streiks statt, von denen die Streiks der Verkehrsarbeiter YQ¥ ftUem &e Nationalisierung der Eisenbahnen bezwecken. Diese Forderung begegnet neben dem lebhaften Widerspruch der Eisenbahnmagnaten auch dein von Wilson, der als Hüter kapitalistischer Interessen auftritt. Nach einer Meldung des „Nieuve Rotterdamsche Courant" hat Wilson in einer Botschaft an die Arbeiter die Gewerkschaften aufgefordert, mit der Regierung im Kampfe gegen den Radikalismus zusammenzuwirken. Bei der Feindschaft, die die Gompers und ähnliche Arbeiterführer gegen eine selbständign sozialistische Arbeiterbewegung besitzen, ist es wahrscheinlich, daß sie dieser Aufforderung Wilsons Folge leisten. Wie aus dem weiteren Inhalt der Botschaft Wilsons hervorgeht, will er der wachsenden Radikalisierung der Arbeiterbewegung durch Scheinreformen entgegenkommen. Ob mit Erfolg und mit welchem, das werden die nächsten Monate zeigen. Die Zerstörung Serbiens. Von der gesamten männlichen Welt kamen ums Leben volle 53 Prozent, also mehr als die Hälfte, und von der Gesamtbevölkerung von etwa 41/,, Millionen starben dahin rund 1,330.925! Diese furchtbare Totenziffer setzt sich zusammen wie folgi: l. Vom 1. Augast 1914 bis September 1915 starben im Kampf* oder an den Folgen der Verwundung 170.925 Mann. 2. Die Epidemie raffte hinweg 350.000 Menschen. 3. Der Rückzug im Herbst 1915 vernichtete 150.000 Mann. 4. In gleicher Zeit starben an Erschöpfung und Hunger in Albanien und auf Koffu 60.000 Mann. 5. Eine ganze Aushebung Rekruten und junger Leute starben vor Hunger in den Schneegefilden von Albanien, weil die militärischen italienischen Autoritäten sich ihrem Durchpaß über Velona und Dnrazzo entgegenstellten gleich 80.000 junge Leute. 6. Während des gleichen Rückzugs kamen vor Hunger und Kälte 250.000 Zivilpersonenum, Frauen und Kindar. 7. Von 250.000 internierten Soldaten kamen in Bulgarien, Oesterreich und Deutschland 130.000 Mann um. 8. Füsiliert, enthauptet, gehängt und erdrosselt wurden von allen feindlichen Mächten zusammen (30.000 Menschen. 9. In Nisch, Prokuplje und Lescowatz ermordeten die Bulgaren allein weitere 40.000, meist Frauen und Kinder. 10. An der Salonikifront und in der Fremde (im Exil) starben 40.000 Soldaten. Znsammen: l,33v'.!)25 Menschen. Alle diese Dinge sind belegt, es sind keine beweislosen Behauptungen. Dies die nackten Tatsachen aus der Leidensgeschichte des serbischen Volkes. Die Daten dieses mit Blut geschriebenen Berichtes müßten mit glühendem Eisen auf die Stirne jener hochgestellten Verbrecher eingegraben werden, die von Potsdam und Wien aus, den Vorstoß gegen Serbien unternahmen und damit das Unheil des Welrkrieges heraufbeschworen. Aus den Arbeiterräten. Leopoldstatit. Die Vollversammlung am 12. d. M. war den Berichten über die bisherige Tätigkeit der einzelnen Kommissionen gewidmet. Naturgemäß haben den breitesten Raum die Berichte der Wohnungskommission und des Approvisionierungsausschusses in Anspruch genommen. Deren Tätigkeit soll ja die brennendste Net des Proletariates aufdecken und in selbsttätiger Weise zu lösen oder mindestens zu lindern versuchen. Die Berichte haben auch tatsächlich viel Interessantes mitzuteilen gewußt. Die einzelnen Aktionen, Beschlagnahmen, Aushebungen von Spielhöhlen, Schleichhändlerbörsen u. s. f sind ja in der Tagespresse mitgeteilt worden. Was jedoch wichtig ist und nicht verschwiegen werden darf, ist die große Gefahr, die hauptsächlich in der Tätigkeit dieser Kommissionen dem Arbeiterrate drohen. Der Arbeiterrat ist ja aufgebaut auf dem Gedanken der klassenbewußten Selbsthilfe. Indem er sich selber Gesetze macht, führt er sie auch im Leben durch. Nun kämpft die Reaktion begreiflicherweise mit allen Mitteln gerade gegen die Tätigkeit der Wohnungs- und Approvisionierungskommissionen, weil diese an den Hauptnerv der bürgerlichen Lebensstufe greifen. Eines dieser Mittel, das Erfolg verspricht und darum dessen Gefährlichkeit nicht genug gekennzeichnet werden kann, ist das Einspannen der Arbeiterräte in den behördlichen, bureaukratischen Betrieb. Der zehrt die selbsttätige IniTi;<rive der Arbeiterräte auf und macht alle ihre Waffen stumpf. Wenn der Arbeiterrat eine Wohnung beschlagnahmt und das Mietamt anders darüber verfügt; wenn große Lebensmittelmengen dem Schleiche entrissen werden und das Kriegswucheramt sie zurückstellt, dann schärft sich nur das Klassenbewußtsein der Arbeiterräte, die an der Hand der Tatsachen sehen, daß die heutigen Behörden nur Organe der Besitzenden sind. Wenn aber die Arbeiterräte in den Wohnungskommissionen beamtet werden, oder im Kriegswucheramte Kurse in der behördlichen Art der Bekämpfung des Lebensmittelwuchers nehmen, um dann einen fixbesoldeten „Posten" zu erlangen, dann wird der lebensfrische Sinn des Arbeiterrates für die Not des Proletariates verdunkelt und die Selbsthilfe lahmgelegt. Und das wollen ja die Herren! Gegen diese Gefahr muß sich der Arbeiterrat ernstlich schützen. Die an die Berichte angeschlossene Aussprache hat diese Gesichtspunkte vollauf zum Ausdruck gebracht. Die poalezionistische Fraktion der Arbeiterräte hat zur Frage der Ausweisung der Fremden, die in der vorwöchigen Nummer mitgeteilte Resolution eingebracht. Der Sprecher der Fraktion hat eingehend die politische und wirtschaftliche Situation, die mit der Ausweisungsfrage zusammenhängt, geschildert und den Arbeiterrat aufgefordert, durch Annahme der Resolution nicht nur einen Akt der proletarischen Solidarität mit den fremdstaatlichen Arbeitern gu bekunden, sondern auch dieselben in werktätigen Schutz zu nehmen. Die lebhafte* beinahe zweistündige Diskussion, die übereinstimmend iii den Gedankengängen der Ansprache und der Resolution sich bewegte, gab den erfreulichen Beweis, daß der gesunde Instinkt des Proletariates sich nicht einfangen ließ durch die antisemitische Fremdenhetze. Die Resolution, wie auch ein Antrag, dieselbe im Kreisarbeiterrat zum Beschlnß zu bringen und die Arb eiterrechtskommission anzuweisen, die staatsfremden Proletarier in Schutz zu nehmen, wurden einstimmig angenommen. daß man gegen eigenmächtiges Vorgehen Unverantwortliche' gegen Dranacsalierungen, Mißhandlungen toergische Vr.kehrn. gen treffen wird. * Die Fraktion der puale-zionistisehen Arbeit-:?a:e ha: eine R p e h t s s c h u t v, s t « 11 e fr, v f r e m d s t;i i - ] j c h e Prolet n v i e;, Tl.. Blumauergasse i. eingtü it.i;-.0:. Dei Arbeitevrar. Leopoldstadt hat in Ausführung des I^dilußf: der Vollversammlung die Kontrolle über diese Re-^r^simtzstelle übernommen. Unser W e 1 t v e r b a-'n d hat in einem ausführlichf dringenden Telegramm an den Vorsitzenden des Reichsvollzugsauschusses der ArbeitenMte, Gen. Dr. Friedrich Adler,. Stellung genommen gegen die Ausweisung der Fremden, die sich im Wesen gegen die jüdischen Proletarier lichte:. Das Verbandsbüro appelliert an den Reichsarbeiterrat gegen den Fremdenhaß und die Pogromhetze aufzutreten. öus der jüdischen Arbeiterbewegung. Polen. i. Von der Perspektive eines Gastes, der aus iem Westen kommt, sieht man die jüdische Arbeiterbewegung in Polen als einen lebendigen, klassenbewußten, große Massen durchgreifenden, selbständigen, politischen Faktor. Wenn auch nicht einheitlich in der politischen Organisation, so ist sie doch in der reinen Klassenpolitik, im Klassenkampfe als geschlossenes Ganze zu weiten. Die beiden großen politischen Organisationen des jüdischen Proletariates: die Poale-Zion und der Bund haben sich nach dem Zusammenbruch der militärischen Okkupation der Mittelmächte vor einer großen und schweren Aufgabe gesehen. Die Massen strömten ihnen zu, sprengten die engen Organisationsformeu, die in der Anpassung zum zaristischen und dem nicht minder arbeiterfeindlichen Regime der Okkupationsbehörden, entstanden sind und verlangten nach einer straffen Zusammenfassung für den politischen, wirtschaftlichen und auch kulturellen Kampf. Die Organisationsformen mußten außerdem in gesteigerter Kampfbereitschaft geschaffen werden. Was Wunder also, daß sie nicht diese festen, exakten und unverrückbaren Umrisse haben, wie die Arbeiterbewegungen des Westens? Dafür aber sind sie auch beweglicher, für revolutionäre Massenaktionen leichter zu haben. Wie die ganze sozialistische Welt ist auch die jüdische von dem Probleme der LT. oder III. Internationale beherrscht. Im revolutionären Elan der Massen ist die ausgesprochene Neigung für die Internationale der Tat, der direkten Aktion vorhanden. Mit der II. Internationale sind sie jedoch erstens durch die traditionstrenen Führer, die auf eine Revolutionierung derselben hoffen, verknüpft, zweitens deswegen, weil organisatorischer Zusammenhang mit der III. Internationale die ganze Tätigkeit wieder in konspirative Bahnen drängen müßte. Sicher ist jedoch eines, ob II. oder DU. Internationale: bei revolutionären Massenaktionen wird die gesamte jüdische Arbeiterbewegung Polens in den vordersten Reihen stehen. Voranzeigen. lud. sozial. Arbeiterpartei Poale-Zion. Bezirksorganisation; Leopoldstadt. (Cafe Stefanie) IL, Stefaniestraße 2. Samstag, den 20. September, 7 Uhr abends, in unserem Vereinslokal: Vortrag Dr. Nagler : H. oder DU. Internationale. Dienstag, den 23. Septemker, 7 Uhr abends, in unserem Vereinslokal Vortrag: Alexander: Deutschösterreich nach Friedensschluß. Samstag, den 27. September, 7 Uhr abends, in den. Lokalitäten der jüd. Arbeiterküche, LT., Blumauergasse 1 : Trauerfeier für' den verstorbenen jüdischen Dichter Jakofc D i n e s o h n. Referent: M. Singer. Den heillosen Gallimathias in der Ausweisungsfrage zu entwirren ist keine leichte Aufgabe. Die Parteileitung und die Fraktion der poale-zionistischen Arbeiterräte hat in ständigem Kontakte mit den kompetenten Behörden versucht, einerseits etwas Licht in die Sache zu bringen, anderseits zu erwirken, daß dem Unglück, welches wegen der Unmöglichkeit, die Ausweisungskundmachung durchzuführen, entstehen wird, energisch gesteuert wird. Man hat uns bindende Zusagen wegen der loyalem Erledigung der Gesuche der Proletarier gegeben. Man hat uns auch ferner versichert, Die Bezirksorganisation Innere Stadt veranstaltet im Komödienhaus, Wies, IX., WaBdorferstraße 4, eine Erstaufführung von MIRELE EFEOÖ von J. Cfordin. Karten an den Kassen des Komödienhauses, im Kartenbüro „AidaM, IL, Taborstraße 5, im Parteilokal, II., Glockengasse 6/17 und im Lokal der jüd. Arbeiterküche, II., Blumauergassse 1. 11. Preßfonds-Ausweis. Krebs Sigmund K 10.—, Jakob Axelrad K 5.—, Genosse Löwenheck K 2.—, Ampel K —.70, Reich Klara K 1.20, Klipper K 3.—, Lusia von der Kindergruppe K 1.—, J. Neumann K —.30, Zarwanitzer K 1.—, Sch. Meier K 10.—. Gratuliere der Gen, Hefter zu ihrer Vermählung mit H. Ludner und der Gen. Berta Hindier zu ihrem Geburtstage und spende K 5.—, Margulics jun. Gratuliere der Gen. Hefter zu ihrer Vermahlung mit H. Ludner und spende K 3.—, Straßmann. Zusammen K 42.20. Bisher K 2689.74. Gesamtbetrag K 2731.94. Heimkehrer (Abiturient), der zwei Jahre' in Italien war, erteilt gegen mäßiges Honorar, Unterricht in italienischer Sprache. Zuschriften an die Redaktion d. Bl. unter: „Tüchtig". Sannclt Abonnenten für Euer Blatt! ^T^Zt'" Herausgeber «od verantwortlicher Redakteur Arnold Deutsch Druck von Josef Höver, Wien, EX., Liechteasteinf traft* 3

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