Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 34 (13.9.1919)
- Date
- 1919-09-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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St r'<? 4 Freie Tribüne Nr. 34 Und nun eine Frage: Zu welchen „nichtdeutschen Mitgliedern der Partei" zählt man Sie. Genosse Austerlitz? Zu den „Emigranten aus dem Osten, die durch Gastfreiheit aufgenommen", oder zu denen, die die Sozialdemokratie „von Haus aus hatte"? Und besteht In den ungeschri ibenen Statuten der Partei irgend welche Abstufung zwischen einem Haus- und einem Hofjuden? Ganz diskret, Genosse. Zur Linderung der Wohnungsnot Das Ausvvcisungsdekret ist wie auch das seinerzeit beschlossene Staatsbürgerschaftsgesetz der stärkste Erfolg der klerikal-antisemitischen Kreise, während der sozialdemokratisch-christlichsozialen Koalitionsregierung. Auf dem Boden dieser Erlässe lassen sich ja ungeniert die alten Rathauspraktiken, wie sie -seit Luegers seligen Angedenkens, Gessmanns und Weißkirchners Zieiten so redlich geübt wurden, fprt führen. ' ' Ein Beispiel dieser Praktiken sehen wir in der Beschlagnahme des Hauses Hacking, Auhofstraße 222. Dreißig Waisenkinder, Kriegswaiseu, galizischc Judenkjnder im Alter von 17 Monaten bis 7 Jahre sind dort untergebracht. Ein Bettchen neben dem anderen. Und dieses W a i s e n h e i m wird von einer Wohnungskommission des städtischen Mictamtes beschlagnahmt.. Was verschlägts, daß die Sozialdemokraten Reuraann, E mm e r 1 i n g und Winter (der Kinderbürgermeister Winter) Bürgermeister sind, wenn die .koalierten Christlichsoziialcn die Referate beherrschen? Innerhalb dreier Tage soll das erste Stockwerk (gegen 25 Waisenkinder!!) geräumt werden. Es sollen dort zwei Familienwohnungen installiert werden. Auf die Frage: was soll mit den verkrüppelten Waisen geschehen, die in kein Heim aufgenommen werden können, . lautet natürlich die seelenruhige Antwort: sie sollen gehen, woher sie gekommen sind, diegali zischen J u d e n k i n d e r! Nun hat der Arbeiterrat ihnen das Spiel verdorben,; Die deutschen Genossen in dem Arbeiterrat II., die von der Sache erfuhren, haben ein Mitglied der Fraktion der poaJezionistischen Arbeiterräte verständigt und seiner Intervention im Namen des Arbciterratcs XIII., der das Heim unter seinen Schutz nahm, ist es gelungen, den brutalen Anschlag abzuwenden. Sie mögen sichs merken, die antisemitischen Hetzer. Auf diesem Wege wird es ihnen schwerlich gelingen, die Wohnungsnot zu lindern und den Groll der Arbeiterschaft von sich abzulenken,. Der Arbeiterrat wird schon den Anschlag auf die jüdischen Proletarier abzuwehren wissen! Und wird auch den besten Weg zur Lösung der Wohnungsfrage finden. Den Weg der Beschlagnahme der Paläste, der Villen aller christ'.ichsozialen Parteigänger und der mit ihnen verbündeten Großbourgeoisie. Jüdische Arbeiterküche. Dannerstag, den 4. d. M., ist die jüdische Arbeiterküche den jüdischen Arbeitern und Handelsangestellten zur Verfügung gestellt worden. Ein brennendes Bedürfnis ist dadurch befriedigt worden. Die Lebensmittelnot und Teuerung hat den jüdischen Proletarier hart bedrückt. Die .bestehenden Gemeinschaftsküchen konnten ihn weder In Bezug auf die Nahrhaftigkeit des Dargebotenen, noch in Bezug auf die subjektive Befriedigung dabei, wie es dargeboten wurde, vollauf zufriedenstellen. Er benötigte ein eigenes Heim, wo er unter Genossen, Gleichgesinnten und Eigenen sich zu Hause fühlen könnte. Benötigte einen sauberen Tisch, schmackhafte Speisen, Sättigung und innere. Zufriedenheit. Und das wird hier dargeboten. Um den bescheidenen Preis von K 3.50 wird ein ausgiebiges, wohlschmeckendes Essen verabreicht. Die Parteileitung hat es für ihre Pflicht erachtet, diesen Mittagstisch für den jüdischen Arbeiter und Angestellten einzurichten. Mit Hilfe des American Joint Distribution Committees unter werktätiger Mitarbeit vieler Parteigenossen ist das Werk in bester Weise durchgeführt worden. Und nun ist schon die Küche eine Woche im Betrieb und man muß sich immer mehr freuen, wie alle Teilnehmer mit Wärme alles schonen und behüten, als wärs ihr Eigentum. Berechtigt ist wohl vollauf die Hoffnung, daß diese Küche dem jüdischen Arbeiter und Angestellten eine wichtige Stütze in seinem ökonomischen Kampfe sein wird. Mögen dieser Institution der jüdischen Arbeiterschaft weitere in anderen Bezirken folgen. beziehen einen niedrigeren Lohn, wtil ihre Arbeit nicht so gut ist! wie die der jüdischen. Die Preise für Farbstoffe sind sehr hoch, vor dem- Kriege wurden trockene Farbstoffe aus Deutschland eingeführt. Jetzt versucht man Farben aus England zu beziehen oder behilft sich mit von früher her aufgespeicherten Vorräten. Voran zeigen. 2. T ü j7. c h c r. # Vom Arbeitsmarkt iu Jaffa.") 1. Maler: Juden: 3 (Unternehmer), Araber 8, hiervon 3 Unternehmer. M alle r g e s e 11 e n : Juden 17, die sich mit einfachen Malerarbeiten beschäftigen; Araber 30. Vor dem Krieg wurde für Oelbemalung bei Bauten pro [Meter 1,50 Frs. gezahlt, jetzt 8 Shilling; Oelbemalung bei Holzarbeiten vor dem Kriege 1.— Frs., jetzt S Shilling; Oelbemalung bei Kunstarbeiten vor dem Kriege 4.— Frs., jetzt 15 Shilling; Bemalung von Türen oder Fenstern ver dem Kriege 6—8 Frs-., jetzt 25 Shilling. Der Malergeselle hat vor dem Kriege 3—5 Frs. pro Tag verdient, jetzt 8—15 Shilling. Arabische Malergesellen ~ «) Siehe Fr. Tr. Nr. 45, 28 u 30. --- Sammelt ftboucitti WimBlatt! Herausgeber und verantwortlicher Hedakteur Arnold Deutsch Juden 10 (Unternehmer), Mohammedaner 5, Christen 20. Die Hauptarbeit besteht in Tünchung der Wände von innen und außen, wo/u außer Kalk auch Zement verwendet wird. Gesellen: Juden 20 (hiervon 10 Jemeniten). Die Zahl der christlichen und mohammedanischen Oesellen ist weit größer. Die Tüncher (Unternehmer) arbeiten selbst, aber ihre Lage ist trotzdem1 keine gute. Unter den arabischen Tünchern gibt es zwar viele Haus- und Bodenbesitzer, aber ihr Vermögen haben sie nicht durch diese Arbeit erworben. Momentan herrscht in diesem Gewerbe große Arbeitslosigkeit. Der Kalk wird im Lande selbst gebrannt, der Zement wird aus dem Auslande bezogen. Der Verdienst des Tünchers (Unternehmer) wird pro Quadratmeter bemessen. Vor dem Kriege wurden pro Quadratmeter 75 Centimes gezahlt, jetzt 1.— Frs. Dieser geringe Lohn ist die Folge der arabischen Konkurrenz. Die Tünchergehilfen verdienten vor dem Kriege 3—5 Frs. pro Tag, jetz« 4—5 Shilling. Die arabischen Gehilfen beziehen noch geringere Löhne. Eine gute Entwicklung dieses Gewerbes wie sämtlicher Arbeitszweige auf dem Gebiete des Bauwesens wird mit dem Beginn der jüdischen Immigration erwartet. Aus der Jugendbewegung. Der Internationale Jugendtag, Es war zu Ostern 1915. Die Proletarierinternation,a|l© war zerbrochen. Da tagte in Bern die internationale Jugendkonferenz. Nächst dem Frauenproletariate war es die proletarische Jugend, die sich bald wieder fand und internationalorganisatorisch zusammenschloß. Die sozialistische Jugendinternationale lebte 'auf dieser Konferenz wieder lauf. Der revolutionäre Sozialismus einte die Glieder derselben und schloß die kampfesfrohe Jugend enger aneinander. Die Konferenz erneuerte die Beschlüsse der sozialistischen Jugendinternationalc zu Stuttgart (1907), Kopenhagen (1910) und Basel (1912), und verpflichtete die revolutionäre Arbeiterjugend aller Länder zum Kampfe gegen den völkermordenden Krieg und gegen den Militarismus. Um für die revolutionären und antimilitaristischen Ziele der sozialistischen Jugendinternationale wirksam demonstrie« ren zu können, wurde beschlossen, alljährlich einen I n t e> r n a t i o n a 1 e h Jagten d t a;g zu feiern. Die Bestimmung des Tages von Jahr zu Jahr, sowie die Ausgabe einer gemeinsamen Kampfparole wurde dem internationalen Jugendbüro überlassen. Durch direkte internationale Aktion der Jugend für gleiche Ziele erhoffte man die Erweckung und Förderung der internationalen, proletarischen Solidarität. In dieser Hoffnung sah sich die Jugend nicht getäuscht. Der 1. Jugendtag fand am 3. Oktober statt. Wir müssen uns nur daran erinnern, daß es die Blütezeit des Militarismus und des Kriegstaumels war, in der jede proletarische Regung mit Gewalt erstickt wurde. Welch revolutionären Mut, welche Opferwilligkeit mußte die Jugend aufbringen, um all den Folgen einer solchen rev. Bewegung kühn entgegenzutreten! Au die 120.000 Personen haben sich an den Kundgebungen beteiligt. Der zweite Jugendtag wies eine noch größere Massenbeteiligung auf und fand am 9. Sept. 1916 statt?.. An diesem Tage demonstrierte die Jugend vor allem gegen die Führer der Sozialdemokraten, die Sozial-Patrioten. Der .dritte Jugendtagwurde anr 2. Sept. 1917 abgehalten, während im Jahre 1918 der Jugendtag entfiel. Vermittelst, dieser sowie anderer Aktionen hat die Jugendinternationale nicht zum geringen Teil mitgewirkt, daß die Arbeiterschaft vom chauvinistischen und nationalistischen Taumel ernüchtert, revolutioniert wurde und sich international zu finden begann. Die Geschichte der soz. Jugendinternationale in der Zeit des Völkermordens wird ein Ruhmesblatt in der Geschichte der Arbeiterbewegung im allgemeinen, der jugendlichen Arbeiterbewegung im besonderen sein. Die revolutionäre Jugend kann auf diese Epoche mit Stolz zurück blicken. Für heuer wurde der internationale Jugendtag auf den 7. September anberaumt. Trotzdem der Jugendtag in Wien noch keine Tradition hat, nahm doch an seiner Feier eine größere Zahl revolutionärer Jugendlicher statt. Auch die jüdische Arbeiterjugend blieb der Feier nicht fern. Der „Verband der jüdischen sozialistischen Arbeiterjugend" hatte eine Versammlung im Vereinslokal der Bezirksgruppe 2 einberufen, bei der Genosse Sabath über die Geschichte des Jugendtages, seine Bedeutung, und über die Gründe sprach, aus denen besonders die jüdische Arbeiterjugend an der Feier und an dem revolutionären, proletarischen Kampfe teilnehmen müsse. Unsere Feier, an der eine große Zahl unserer Mitglieder teilnahm, wurde mit dem Absingen revolutionärer Lieder beendet. Jüd. sozial. Arbeiterpartei Poale-Zion. Bezirksorganisalion Leopoldstadt. (Caf6 Stefanie) IF, StefanlestrAße 2. Samstag, den 13. September, 7 Uhr abends,, im Cife Stephanie, II.. Stephaniestraße 2j, (Vortrag Nagler: Ein drücke aus der jüdischen Arbeiterbewegung in Polen. Bezirksorganisation Innere Stadt. Mittwoch, den 17t. d. M., um! 7 Uhr abends im Cafe" Adler, Schottenring 12, Vortrag des Gen. Sokal: Poale- Ziionismus und Sozialdemokratie in Deutschösterreich. Beim Vortrag am 3^. d\. M. wunde eine braune Börse gefunden. Dieselbe ist beim Genossen Rothstein gelegentlich der Vorträge zu beheben. Akademischer Verband jüdischer Sozialisten Poale-Ziom Mittwoch, den 17. Sept. Ausschußsitzung um 3 Uhr nachm. im Parteilokal II., Glockengasse 6/17. Pünktliches Erscheinen Pflicht. Verband der jüdischen sozialistischen Arbeiterjugend Bezirksorganitation Leopoldstadt. Vereinslokal: II.Glockengasse 6/17. Sonntag, den 14. September, Wanderung. Abmarsch vom Vereinslokal pünktlich um 2 Uhr nachm'. Montag, den 15. September, Vortrag des Gen. Schiller; „Einiges aus dem Leben Karl Marx*'. Dienstag, den 16. Sept., Gesangskurs. Leiter: Gen. AUrgulies.- Mittwoch, den 17. September. Vortrag des Gen. Schönberg. Thema aus der jüd. Geschichte vorbehalten. Donnerstag, den 18. September, Jiddischer Kurs. Samstag, den 20. September. Rezitatjpnsabend mit einem einleitenden Vortrag Ües Gen. Menkes aus der jüdischen Literatur. Kindergruppe. Sonntag, den 14. Sept. Kinderwanderung. Sammelpunkt S Uhr früh vor der Universität, Rückkunft 4 Uhr nächst Führerin: Gen. Keitmann. Achtung, Genossen Jugendliche! Dem „Verbände der jüd. soz. Arbeiterjugend" wurde ein ärztliches Ambulatorium angegliedert. Mitglieder wercsa gegen Vorweisung der Verbandslegitimation beim Gen. Dr. Frisch, III., Löweng. 49/14 ab Mittwoch, den 17. September, täglich von 3 bis 5 Ihr nachm. unentgeltlich behandelt. Der Verband hat auch eine Rechtsschutz-, sowie Berufs¬ und Beratungsstelle eröffnet. Gen. Jugendliche! Wer von seinem Lehrherrn mißhandelt, in seinen Rechten geschmälert wird, wer einen Posten sucht, möge sich an diese Stelle vertrauensvoll wenden. Sie wird jedem mit Rat und Tat beistehen. Amtsstunden jeden Samstag zwischen' 3 luitii 5 Uhr nachtn... im Vereinslokal der Bezirksorganisation Leopoldstadt, II. Glockengasse 6/7i. IL Sammlung der „Aüg. Jud. Arbeiter^ibJiothek", Wien. 3. Ausweis. Ges. durch Genossin Schorr K 30.—, durch Gen. Sigall K 20.40, durch Gen. Rappaport K 18—, durch Gen. Apfelbaum K 7.—. Summe des 2. Ausweises K 840.50, Zusammen K 915.90. Montag, den 22. September 1919, um halb 7 Dhr abends, veranstaltet die Bezirksorganisation Innere Stadt im Komödienhans, Wiea, IX., Nüßdorferstraße 4 eine Erstaufführung von MIRELE EFROS von J. Gordin. Karten an den Kassen des Komödienhauses, im Kartenbüro „Aidauv IL, Taborstraße 5, im Parteilokal, IL, Glockengasse 6/17 und im ' Lokal der jüd. Ärbeiterküche, IL, Bluinauergassse l. Genossen und Genossinnen! Freunde und Freundinnen! Leser und Leserinnen I: Wer sich für die auf dem Boden der internationalen sozialistischen Tat und der termoriellen Losung der Judenirage in Palüstina stehende jüdische Arbeiterbewegung interessiert, wer sich über dieselbe genauer informieren, wer ein kleines Schärflein zu ihrer For lerung beitragen will, der abonniere und propagiere die „Freie Tribüne"! Ich abonniere die „Freie Tribüne'' für die Dauer eines viertel halben Jahres zum Preise von beaw. K 3.80, 7.50, 15.— und ganzen bitte um Zusendung: eines Erlagscheines (beaw. sende n diese Betrag per Postanweisung ein). Name: Adresse;•• Jibdtisientea-BtocHs and SimmdbSgea im?artels?!(r«t*rl3t, II., aiocH«agasj« Jfr- 6, Tür 17. Druck *on Joaef üoyet, Wien, IX., Liechteiiitemstraiie 3