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Freie Tribüne · 1919-09-06 · 33 (6.9.1919) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freie Tribüne
Volume
1 (1919)
Issue
33 (6.9.1919)
Date
1919-09-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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St:'e 4 Nr. 33 zu ersticken suchen. England schickt seine Flotte, Frankreich sein Militär, Amerika und Japan Waffen und Munition, Hallers Armee, Pilsudskis Legionen. Polens junger, aber desto frecherer Militarismus, Petljuras Horden stürmen dje Grenzen, alle aber senkten Haufen von Gield an Denjj-!kin, Költschak und iwie die andern Menschcnschlächter noch heißen mögen. In der jüngsten 'Zeit hat die alte Liga der Konterrevolution noch einen neuen Bundesgenossen , bekommen:. die deutsche „sozialistische" Republik. Der Graf v. d. Golz hat den Anfang gemacht, indem er die demokratische Regierung Ufrnanis hn Vereine mit den baltischen Baronen gestürzt und eine Junkerherrschaft eingesetzt. Dann wurden unter der vagen Versprechung -von Landschenkungen Tausende Deutsche nach Lettland gelockt urfd bewogen, in die lettische Wehr einzutreten. Offene Werbestellen sind in Berlin und anderen Städten Deutschlands errichtet worden. Die Regierung Bauer- Noske sieht nicht bloß gleichgültig1 zu, sondern unterstützt tatkräftig diese Werbearbeit, sowie die Ausrüstung dieser Armee. So hat jüngst die Feldzeugmeisterei des Kriegsnrinisteriums in Berlin für 200 Pferde, Geschirr gejiefert; täglich gehen ganze Eisenbähnzüge mit Waffen, Munition und Bekleidungsartikeln nach Lettland. Die Armee, in der sich 30.000 Deutsche befinden, soll nun bereit zum Vormarsch gegen Petersburg sein* Das Kommando ist dem General Judenitsch übertragen worden, und der Vormarsch hätte am 31- August beginnen sollen^ Das Ziel, das die Konterrevolution verfolgt, ist nicht .etwa vdic Errichtung einer demokratischen Verfassung, sondern die Wiederherstellung des Regimes von der vorkereriskischen Periode. Ein Prätendent ist auch schon vorhanden: Fürst Romanowski, ein Verwandter des Hauses Romanow, Das Diktat der Pariser Börse soll also triumphieren. Die vielen Milliarden, die dem zarischen Imperialismus das französische Kapital vorgestreckt hat, sollen nach der Niederzwingung des proletarischen Staates durch erneuerte Methoden der Ausbeutung wieder sichergestellt werden. Das muß natürlich ein Romanow wieder girieren. Die kapitalistische Welt soll eben tfölcjlkenlos wieder hergestellt werden unter den vereinigten Börsen aller Länder. Und das internationale Proletariat? Wird es die blutleeren Resolutionen unterstützen, oder kampfbereit die Fahne der Weltrevolution aufrollen unter der Führung der Internationale der Tat? Bulgarien. Die kr.Qim'm uni st is ch e (früher „engherzige" sozialdemokratische) Partei Bulgariens hat einen Sieg errungen: bei den fetzten Wahlen ins bulgarische Parlament erlangte sie 45 kifze, gegem 9 im1 vorhergehenden. Wenn dies auch kein unmittelbarer, Erfolg in der Richtung zur Erreichung der politischen Maclit ist — dieser Kampf wird auf der Straße ausgekämpft werden — so. ist dieser Wahlsieg! doch' ein 'Zfeichen, wie weit das revolutionäre Klassenibewußtsein die Massen' der Arbeiter und landarmen Bauern Bulgariens, beherrscht. Die reciussltehende, 'sözialdemok'rätis'che Partei, die „Weitherzigen", haben sich1, wie überaU, als Sözialpatrioten, die den Namen Sozialdemokraten nur zu Unrecht tragen, entpuppt. Der Aufstand im vorigen Jahr zeigte dies schon deutlich: die 'Bewegung ging von der Bauernpartei aus, die den Zaren Ferdinand zur Abdankung zwingen, wollte* um1 ihren Führer zum Präsidenten der Republik' auszurufen« Sie schreckten jedoch1 na^to der ersten Niederlage zurück, schwuren nach der Abdankung seinem Nachfolger, dem Zaren Boris, sofort Treue/ und traten in sein Ministerium ein. 'Mit Hilfe der ,,Weitherzigen"^ die auch durch1 2 Minister im1 ^arischen Ministerium vertreten waren, gelang es, den Aufstand zu Unterdrücken1, da die Engherzigen wegen der ausgebluteten Armee zu schwach waren, allein die Revolution weiterzuführen. Die Engherzigen führen, nachdem sie sich in dem im Mai d. J:. stattgefundenen Parteitag für die dritte Internationale erklärten und ihr beitraten, eine energische Agitation, deren Ziel die Errichtung einer sozialistischen föderativen Räterepublik aller Balkanländer mit Einschluß Bulgariens ist. Daß s£e mit ihrer Agitation einen guten Erfolg erzielt haben, zeigt das Resultat dieser Wahlen. Eine Föderation der Räterepubliken ist geeignet, dasi Chaos, das bis jetzt auf tf-em Balkan geherrscht und seit Jahrzehnten den europäischen Frieden bedroht hat, zu lösen und ein friedliches Zusammenleben Jer Völker tu 'ermöglichen. Die bürgerliche Demokratie und das Proletariat in der Schweiz. Auf ihrem außerordentlichen Parteitage ata 16. August inl Basel1, hat die sozialdemokratische Partei der Schweiz, mit 318 gegen 147 Stimmen, beschlossen^ sich der III. Internationale anzuschließen. Oder mit anderen Worten, sie kam 'zur Ueberzeugungf, diajß der Weg zum Sozialismus nicht ülber die formale Demokratie, sondern über die Diktatur des Proletariats führt. Unid dies in einem' Lande, das sich rühmt, die „älteste" Demokratie zu sjein> in einem Lande, wo die bürgerliche Demokratie die höchste Stufe ihrer Entwicklung erreicht hat, in einem Lande, wo die demokratischen Errungenschaften dergestalt sind, wie sie z. B. die Mehrheitssozialisten in der „sozialistischen" (Republik nicht einmal zu fordern wagten, \ Die Bourgeoisie und ihre Nachläufer, die die Ursachen dieser Erscheinung nicht verstehen wollen, zählen dem Proletariat immer und unnter (wieder die Segnungen der bürgerlichen Demokratie auf, Wie: allgemeines Wahlrecht, Volksinitiative, Volksabstimmung, Wahi der Richter u. a. in. Aber das Proletariat, das anfänglich auf diesen Leim gegangen ist, steht nun ganz gehellt da. Und dies ist nicht zum kleinsten Teil — wie wir weiter unten zeigen werden das Verdienst der Bourgeoisie selbst. Es kam zur Ueberzeugung, daß es unmöglich die Aufgabe der Arbeiterbewegung sein kann, einigen Dutzend Leuten aus ihrer Mitte zu Parlamentssesseln, oder zu gut bezahlten Stellen als Stadträte, Richter u. dgl. m. zu (Verhelfen. Die Bourgeoisie sorgte schon dafür, daß diese auf ihren Posten nicht zu viel für das Proletariat tun konnten'. Das Bürgertum, das den Burgfrieden predigt und den schärfsten Klassenkampf führt, bat die Demokratie in Mißkredit gebracht. Der Bundesrat als Sachwalter der Bourgeoisie, der seine Vollmachten dazu benützt hat, um das Volk seiner verfassungsmäßigen. Rechte zu berauben, ist es, der der bürgerlichen Demokratie die Maske vom Gesicht gerissen und vor aller Welt ihr wahres Antlitz enthüllt hat.' *Jm dies zu illustrieren, wird es genügen, wenn wir aus der Fülle der Ungeheuerlichkeiten, die die Diktatur der Bourgeoisie im Namen der formalen Demokratie gegen das Proletariat verübt hat, nur einiges hervorheben. Der Bundesrat hat es fertig gebracht, die Proporz- und die direkte Bundessteuerinitiative, die er verfassungsgemäß bis spätestens nach Ablauf eines Jahres dem Volke zur Abstimmung hätte vorlegen müssen, vier Jahre zu verschleppen, er hat als treuer Hüter der bürgerlichen Ordnung, die Presse- und Versammlungsfreiheit für das Proletariat aufgehoben und das Erscheinen der linksorientierten Zeitungen; wie ,,Die Forderung", .,Die Freie Jugend", vDie Jugendinternationale" u. a. m». verboten und das Abhalten von Versammlungen oft mit Militärgewalt verhindert. Das Asylrecht für Arbeiter und Freiheitskämpfer wurde aufgehoben, die Schweiz zum1 Asyl für Kriegshetzer und Kronprätendenten und zumi Herd der Weltreaktion erhojben. Mit nicht weniger Schärfe ist der Bundesrat auf ökonomischem Gebiet gegen die Arbeiterschaft vorgegangen. Nicht nur, daßi er der Ausbeutung, Schieberei und Preistreiberei keine Grenzen gesetzt hat, er hlat sie sogar sehr oft gefördert. Der Arbeiterschaft wurde auch der wahre Zweck der Volksmiliz klar vor Augen geführt, die nicht gegen einen äußeren, sondern gegen den inneren Feind kämpfen soll, daß die Soldaten auf ihre Brüder, die für die Verbesserung auch ihrer ökonomischen Lage kämpfen, schießen sollen. Die Parteinahme der Regierung für die Borgeoisie, ging1 sogar so weit, die für eine Lohnaufbesserung streikenden Buchdrucker zu militarisieren und sie für das Militär soldarbeiten zu lassen. (Lausanne.) Dies alles hat der Arbeiterschaft die Augen geöffnet und sie ihre Wahren Interessen erkennen lassen. Und was wunder, wenn das Proletariat dieses Phantom zerrissen hat, Stein eigenes Haus mit eigenen Wänden bauen und zu seinem £)iel auf dem einzig möglichen Weg gelangen will. [Jakob Dinesohn.*) Aus Warschau erreicht uns die Nachricht vom Tode Jakob Dinesohns . . . Der Tod scheint sich mit Absicht unsere furchtbare Uebergangszeit vom Krieg zum -Frieden" erwählt zu haben, um in der allgemeinen Panik die „Ahnen" der jüdischen Literatur auszurotten. Zuerst fielen Perez, Schalom Alejchem, M e n d e 1 e. Jetzt trägt man Dinesohn, den wahrhaften Vater, oder richtiger rdie Mutter" der jungen jüdischen Literatur zu Grabe. Denn als solche wirkte er, als gütige, liebreiche Mutter, die ihr ganzes Leben opfert für ihr geliebtes Kind, die jüdische Literatur. Seine überragende literarische Rolle als Dichter, als Schöpfer des ältesten jüdischen Romans, seine außerordentliche erzieherische Bedeutung werden uns nicht vergessen lassen, daß es Dinesohn war, der seine Arbeit, sein Leben, seine ganze Persönlichkeit, geradezu physisch, auf dem Altar der jüdischen Literatur zum Opfer brachte. * Mit heißer, trauervoller Liebe gedenken wir sein. Ihr tiefgefühltes Beileid drücken dem lieben Freunde und Genossen, treuen Mitkämpfer und Mitarbeiter R. Glücksmann zum Ableben seiner Mutter aus Die Parteileitung und Redaktion. Ein herzliches Beileid ihrem Mitglied Gen. Rubin Glücksmänn zum Ableben seiner Mutter spricht aus Die Bezirksorganisation Innere Stadt. Voranzeigen. Jüd. sozial. Arbeiterparte? Poal>*-ZJori. Bejürksorgarnsatiott Innere Stadt. ,M i 'tt woch, den 10v d.M., i;n 7 Uhr abend?, im Cafe Adler, 1.. Schotfenring 12t Vortrag des Gen. Nagler: „Eindrücke aus der jüdischen Arbeiterbewegung in Polen". Hei der Generalversammlung wurde eine braune Bön?f gefunden. Diese ist gelegentlich der Vorträge beim Cien. Rothstein zu beheben!. Jüd. sozial. Arbeiterpartei Poale-Zion. Bezirksorganisation Leopoldstadt. (Cafe Stefanie) II., Sflefaniesträße 2. Samstag, den ö.„ um 7 Uhr. abeed-s. Vortrag .des Gen. Sokal: Unsere AllweltÜchkeit; ihre Theorie und Praxis. Mittwoch, den 10., und Sa;m?iar den 13., um 7 Uhr abends, Diskussion über den Bericht von der Stockholmer Konferenz. ykademischer Verband jüdischer Sozialisten Poale-Zfon Die Ausschußsitzung findet nicht Montag, den S. Sept,,. sondern Mittwoch, den. :10. Sept., r.rr, halb 3 UhT nachmittags, im Cafe Arcaden statt. Verband der jüdischen sozialistischen Arbeiterjugend BezirksorganisaüonLfOpoldstadt. VereinsKokal: II.Glockengas« 6/17. Samstag, den 13>. September^ präzise 1 Uhr abends, Mitgliederversammlung: Tagesordnung: 1. Bericht des abtretenden Ausschusses. 2. Wahl des neuen Ausschusses. 3. Even, tüelles. Es ist Pflicht aller Genossen u. Genossinnen, bei dev Versammlung zu erscheinen! Legitimationen mitbringen! Montag, den 8. September. Wanderung Abmarsch vom Vereinslokal präzise 2 Uhr nachmittags. Dienstag, den 9. Septermber, Gesangskurs, Leiter: Gen. Margulies. Mittwoch, den 10. September Vortragdes Genossen, Dr. Frisch: ^Infektionskrankheiten*'. Donnerstag, den 11. Sept, Jiddischer Kurs. Die Veranstaltungen begingen präzise r/A 8 Uhr abends. •) Eine eingehende Würdigung des Dichters müssen wir der nächsten Nummer vorbehalten. 10. Preßfonds-Auswess. Gen-. Storche Lapter K 9.—, ges. durch Gen. üiso Rückhaus K 40.30, Hermann Altm'ann Ks 20.—„ bei einem gemütlichen Nachmittag im Cafe Stephanie ges. 15.18, Lizitation eines P. ^.-Abzeichens K 20,26, anläßlich der Befreiung des Gen. M. Kühn;, ges». bei Verlobung des Gen. Kolber K 20.—„ Friedrich Laub K 2.50, „Der Kommunist'*' FC —.20, Gen. Goldschtoidt Schlojme anläßlich1 der Befreiung des Gen. Kohr. K 5.—, Gen. Enzer ges. K 22—, Mizzi Kritek, und Gen. Juda Mehr, verlobt im August 1919 n. spenden K! 10.— a Gen. Helene Eiferm'ann und Gen. Kolber, verlobt am 30. Aug. 1919, und speriden K 10.—. Zusammen K 174.44. Bisher K 2515.30. Gesamtbetrag K 2689.74. In unserem Preßfoudsausweis Nr. 9 ißt ein Irrtum unterlaufen : statt K' 24851.30 ergibt sich die Summe von K 2515,30. Lotti Eckstein aus Kolomea und Gen. Markus Blumenfeld aus Rymanow, verlobt ,im September ,1919. P. F.¬ Spende K 10.—. Wir gratulieren herzlichst unserem Freunde und Genossen Markus Blumenfeld zu seiner Verlobtang' mit Gen. Lotti Eckstein tyid spenden Kl jl(b— |für PiJ'F. Dijamandstein u. Frau. Genossin Frieda Hefter umd Josei Ludmer laden cie Genossen zu ihrer Vermähl!u)ng^ dfe am 7. September 19 % um 2 Uhr nachmL, IX.r Müllnertempel stattfindet, höflic ein und spenden K 10.— Ph' A, F. und K 10.^- für •■ Jugendbibliothek. Die Genossen werden gebeten, diie gesamroei, Preßfondsgelder sofort abzuliefern. Montag, den 22. September 1919, nm ballt) 7/ Uhr aben-1' veranstaltet die Bezirksorganisation Innere. Stadt im Komödienhatis, IX., NußdorferstraBe 4', eilne Erstaführung von NIIRELE EFROS von J. Gordln. Karten an den Kassen des Komödienhauses, im Kartenbüro „Äid;; II., Taborstraße 5, im Parteilokal, II., Glockengasse 6/17 und Lokal der jüd. Arbeiterküche, II., Blumauergassse! Die Ortsgruppe Brigittenau veranstaltet am Sonntag, den 7. September W im Cate-Restaurant „Zur Praterfee" II. Prater Hauptallee (zwischen dem 1. und 2. Kaffeehaus; u Grosses Gartenfest verbunden mit Tanzkränzchen.. Programm: 1. Arbeiterchor, 2. Frau Graf-Weintraub, jüdische Lieder. 3. Qperu Sänger Ignaz Körner, deutsche Lieder, it. Herr Tarlowski, MontAoi 5. Herr Deutsch, jüdische Volkslieder. 6. Chor. Zwei Salonkapellen. Juxpost. Juxbasar. Schönheitskonkurren * Bei ungünstiger Witterung findet das Fest Montag, den 8. Septembe (Feiertag) statt. Karten im Vorverkauf K 3.—, an der. Kassa K 4—, für Mitglieder K 2.50, Kinder die Hälfte. Beginn S Uhr Sannelt Abonnenten für im Blatt! ITtü Berauag*b*r m.'d verantwortlicher Redakteur Arnold Deut seh Druck von Josef Hoyer, Wien, IX., Uwhteasteinatra&e 8

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